BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
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Osteuropa-Wirtschaft Ausgabe 4 / 2009
Sowohl Wirtschaftswissenschaftler als auch Praktiker berichten und analysieren in Aufsätzen über Wirtschaftsentwicklung, Transformationsprobleme und -fortschritte, strukturelle Besonderheiten und Wirtschaftspolitik in den Ländern Mittelosteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie über Besonderheiten des Ost-West-Handels. Konferenzberichte informieren über einschlägige Fachtagungen und Buchbesprechungen halten die Leserschaft über wichtige Neuerscheinungen auf dem Laufenden. Osteuropa-Wirtschaft ist damit die führende wirtschaftswissenschaftliche Spezialzeitschrift mit starker Politik- und Praxisorientierung im Bereich Ostökonomie.
Einzelheft 4/2009
0 OEW 04/2009
Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V
Aufsätze
2 Die Landwirtschaft der NMS-10 im Jahr 2009: Nachfrageschwund und Preiseinbußen
In den letzten Jahren hat die Landwirtschaft weltweit speziell bei Getreide gute Ernteergebnisse erzielt. Bis vor kurzem war die Nachfrage gleichzeitig so hoch, dass die Getreidepreise stiegen. Inzwischen ist die Nachfrage jedoch eingebrochen, und Preiseinbrüche waren die Folge. Die Landwirte müssen starke Umsatzeinbußen hinnehmen, die speziell in weniger begünstigten Gebieten die Rentabilität der Produktion ernsthaft gefährden. In der Milchwirtschaft ist die Situation ähnlich, wenn nicht sogar noch dramatischer. Die Entwicklung verlief in den neuen und alten EU-Mitgliedstaaten sehr ähnlich – überall ist die Landwirtschaft in eine Krise geraten. Die Europäische Kommission, die seit langem für die Agrarpolitik der Union hauptverantwortlich zeichnet, hat verschiedene Maßnahmen eher kurzfristiger Natur eingeleitet, um die Gefährdung der Wirtschaftlichkeit der Agrarbetriebe in Grenzen zu halten. Gleichzeitig verfolgt sie weiterhin ihr Vorhaben, Marktregulierungen und mengenabhängige Produktionsanreize schrittweise abzubauen. Im Falle der Milch beinhaltet diese Politik seit einigen Jahren eine stufenweise Erhöhung der Produktionsquoten, und dies droht sich nunmehr auf die Milchproduzenten fatal auszuwirken, seit die Weltwirtschaftskrise die Realeinkommen der Konsumenten und deren Nachfrage nach Milch und Milchprodukten gesenkt hat. Die Kommission sah sich gezwungen, erneut verstärkt Instrumente der Marktintervention einzusetzen, von denen man glaubte, sie könnten bald der Vergangenheit angehören. Um die Preise nicht ins Bodenlose fallen zu lassen, füllt die Kommission ihre Interventionslager mit Milchprodukten, und die Getreidelager bleiben weiterhin gefüllt. Eine Möglichkeit der Forcierung der Nachfrage nach Agrarprodukten ist die Produktion von Agrosprit, und sie wird in der EU, in den USA sowie auch in anderen Ländern stark subventioniert, um sie profitabel zu machen. Die Wirtschaftlichkeit ist allerdings noch weniger gewährleistet, seit die Energiepreishausse vorbei ist. Eher viel versprechend ist hingegen die Gewinnung von Energie aus Biomasse, speziell aus Abfällen der Land- und Forstwirtschaft, insofern sie kleinräumlich organisiert ist und auf lange Transportwege verzichtet. Die neuen Mitgliedstaaten sind mit Elan dabei, die sich hier bietenden Möglichkeiten zu nutzen.
3 Die Finanzsysteme der neuen EU-Mitgliedsstaaten in Ost- und Südosteuropa
Der Finanzsektor der neuen Mitgliedsstaaten der EU aus Ost- und Südosteuropa ist wirtschaftspolitisch bedeutsam wegen seiner vorangeschrittenen Integration in den Finanzsektor der Altmitglieder. Zentral ist hierbei die Frage nach der Rolle der Finanzsysteme der neuen Mitgliedsstaaten bei der Ausbreitung der globalen Wirtschaftskrise in Ost- und Südosteuropa. Immerhin haben etliche Neumitglieder Zahlungsunfähigkeit gemeldet und internationale Finanzhilfe beantragt und erhalten. Unter welchen Umständen, wenn überhaupt, wären die neuen Mitgliedsstaaten immun gegen die Ausbreitung der Krise? Kann von systemischen Unzulänglichkeiten der Finanzsysteme der Neumitglieder, die verantwortlich für den gegenwärtigen Wachstumseinbruch sind, gesprochen werden? Oder sind es EU-weite systemische Defizite, die zur Verhinderung einer künftigen Krise zu beseitigen sind?
4 The Influence of the International Financial Crisis on the Company Credit Market in Poland
Eine der Hauptkonsequenzen der gegenwärtigen globalen Krise in Polen war die schwere und plötzliche Einschränkung der Kredite für Unternehmen. Die Veränderungen auf dem Kreditmarkt hatten negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum mit der Sorge, wie das Konsumniveau und der Investitionsprozess betroffen werden. Polnische Unternehmen finanzieren ihre operationalen und Investitionsaktivitäten vornehmlich mittels Bankkrediten. Im Extremfall führen die durch die Krediteinschränkungen hervorgerufenen signifikanten Liquiditätsprobleme sogar Firmenzusammenbrüche herbei. Die Einschränkung der Bankkredite ging zudem einher mit einer Erhöhungen der Risikoprämien im polnischen Bankensektor, hervorgerufen durch die Schwierigkeiten der Banken, sich auf dem Interbankenmarkt zu refinanzieren.
5 Ein Blick in die Matrjoschka – Rahmenbedingungen und Motive für M&A in Russland
Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftspolitischen Umorientierung Russlands behandelt der vorliegende Beitrag die M&A-Rahmenbedingungen und -Motive eines Going East deutscher Unternehmen. Es werden wesentliche Einflussfaktoren für M&AAktivitäten in Russland untersucht. Dabei werden vor allem die politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Chancen- und Risikopotenziale in die Betrachtung eingeschlossen. Nach einer kurzen Charakterisierung des russischen M&A-Marktes werden die M&ARahmenbedingungen entlang der drei Dimensionen Politik, Rechtswesen und Ökonomie herausgearbeitet. Darauf aufbauend wird der Einfluss dieser begünstigenden und nachteiligen Faktoren auf die M&A-Motive potenzieller Investoren diskutiert. In der Form soll der Beitrag M&A Professionals einen Anknüpfungspunkt für vertiefende Analysen geben. Der Blick in die Matrjoschka offenbart zwei Seiten einer Medaille. Auf der einen Seite stehen der staatlich-administrative Restrukturierungsprozess, die Reformfortschritte im Rechtswesen und die anziehende Ost/West-Annäherung. Auf der anderen Seite verbleiben makroökonomische Unvollkommenheiten, bürokratisches Opportunitätsgebaren sowie interorganisationalen Unstetigkeit. Beide Seiten verlangen einem deutschen Investor sowohl nachhaltige Kompromissbereitschaft als auch optimistische Empathie ab, um den Schritt auf den russischen Markt erfolgreich zu meistern.
6 Russia’s Accession to the WTO: Preconditions, Benefits and Impact on the Russian Economy
Der Artikel vermittelt einen Überblick über die Verhandlungen Russlands zum WTOBeitritt. Das Land hat bereits 1993 den Antrag auf WTO-Mitgliedschaft gestellt und die Verhandlungen dauern bereits 16 Jahre. Für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung Russlands ist der WTO-Beitritt sehr bedeutsam. Der Beitrag zeigt, welchen Nutzen Russland aus dem WTO-Beitritt ziehen kann. Dabei werden auch die potentiellen Kosten aufgezeigt, die mit einem Beitritt verbunden sind, sowie die langfristigen Perspektiven für eine Diversifizierung der Wirtschaft. Bisher reicht die Wettbewerbsfähigkeit in vielen Branchen noch nicht für einen vollen WTO-Beitritt aus. Insgesamt wird jedoch die Vorbereitung auf eine WTO Mitgliedschaft als ein wichtiger Schritt in eine offene, diversifizierte und wettbewerbsfähige russische Wirtschaft angesehen.
7 Aktivitäten deutscher Unternehmen in der Tschechischen Republik
Der vorliegende Beitrag liefert eine aktuelle Analyse zur Verflechtung deutscher Unternehmen mit der tschechischen Wirtschaft und zeigt die zunehmende ökonomische Integration zwischen beiden Ländern auf. Anhand von Außenhandelsstatistiken und eines Firmenverzeichnisses der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) wird dargelegt, dass der Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union im Jahr 2004 nur einer von vielen Meilensteinen in einem lange andauernden Prozess war. Produktions-, Handels- und Dienstleistungssektor spielen dabei gleichermaßen eine wichtige Rolle. Die Hauptstadt Prag und an Deutschland angrenzende Regionen sind überproportional in die grenzüberschreitenden Wirtschaftsaktivitäten involviert. Die kontinuierliche Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen setzte schon mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ein und dürfte sich durch die kommende Liberalisierung auf dem Arbeitsmarkt noch weiter verstärken.
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