BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 4 / 2008
Osteuropa-Wirtschaft Ausgabe 4 / 2008
Sowohl Wirtschaftswissenschaftler als auch Praktiker berichten und analysieren in Aufsätzen über Wirtschaftsentwicklung, Transformationsprobleme und -fortschritte, strukturelle Besonderheiten und Wirtschaftspolitik in den Ländern Mittelosteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie über Besonderheiten des Ost-West-Handels. Konferenzberichte informieren über einschlägige Fachtagungen und Buchbesprechungen halten die Leserschaft über wichtige Neuerscheinungen auf dem Laufenden. Osteuropa-Wirtschaft ist damit die führende wirtschaftswissenschaftliche Spezialzeitschrift mit starker Politik- und Praxisorientierung im Bereich Ostökonomie.
Einzelheft 4/2008
0 OEW 04/2008
Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V
Aufsätze
2 Die Landwirtschaft der EU-10 im Lichte des weltweiten Agrarpreisbooms im ersten Halbjahr 2008
Das starke Wachstum der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2008, das in wichtigen Transformationsund Schwellenländern am ausgeprägtesten war, erhöhte die globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln und den zu ihrer Produktion erforderlichen Rohstoffen. Zusätzlich verstärkt wurde die Nachfrage nach Getreide durch dessen Verwendung in der Treibstoffproduktion (Agrosprit). Die globalen Getreideernten der Jahre 2005-2007 waren unterdurchschnittlich, so dass sich die globalen Getreidereserven verringerten. Als Folge kletterten die Preise von Getreide und Nahrungsmitteln in der ersten Jahreshälfte 2008 in bisher nicht gekannte Höhen. Auch die EU war von dieser Entwicklung betroffen – und speziell auch ihre Neuen Mitgliedstaaten (NMS). Erhöhte Futtermittelpreise bewirkten, dass in den NMS Strukturprobleme vor allem in der Schweinezucht zu Tage traten und Bestände reduziert wurden. Der Anstieg der Weltmarktpreise für Getreide hatte, wie aus diesem Detail sichtbar wird, auf landwirtschaftliche Einkommen je nach Produktionssparte und Region unterschiedliche Auswirkungen. Benachteiligt waren insbesondere südosteuropäische Landwirte, da sie von Dürre betroffen waren, und Produzenten tierischer Produkte, da sie Kostenerhöhungen aufgrund erhöhter Futtermittelund Energiepreise nicht oder nicht zur Gänze auf die Abhof-Preise überwälzen konnten. Im Wirtschaftsjahr Juli 2008 bis Juni 2009 zeichnet sich gegenüber der Vorperiode ein Rückgang der Weltmarktpreise für Getreide ab, da mit einem guten Ergebnis der globalen Getreideernte zu rechnen ist und das Welteinkommen voraussichtlich nur mäßig zunehmen wird. Spätestens 2010 dürfte sich die Weltkonjunktur wieder erholen und die Nachfrage nach Rohstoffen agrarischen Ursprungs daher wieder steigen. Gleichzeitig dürfte es auch zu einer Erweiterung und Intensivierung des Getreidebaus kommen, so dass die Preisentwicklung, von temporären Ausschlägen abgesehen, eher moderat ausfallen dürfte. Sobald dieses Potential ausgeschöpft ist, dürfte sich hingegen die Tendenz zu stärker steigenden Getreidepreisen erneut manifestieren. Die Einkommen aus der Getreideproduktion dürften als Folge zunehmen, möglicherweise im Gegensatz zu anderen Sparten landwirtschaftlicher Produktion. Die Steigerung eines Teiles der landwirtschaftlichen Einkommen dürfte nicht ausreichen, um eine Prosperität des ländlichen Raumes insgesamt zu bewirken. Nur eine effiziente Förderung dieses Raumes speziell durch Infrastrukturmaßnahmen dürfte in dieser Hinsicht Wirkung zeigen. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU sieht in ihren Reformbestrebungen mehr Stützung des ländlichen Raumes auf Kosten der Marktpreisstützung vor.
3 Wirtschaftsordnung – Bedarf an Ordo
Ber Beitrag geht von der Annahme aus, dass das Wirtschaftssystem einer der wichtigsten Bestimmungsfaktoren dafür ist, ob eine Gesellschaft arm oder reich ist. Die Wirtschaftsgeschichte belegt, dass einige Systemtypen Entwicklung und Wohlstand unterstützen, andere hingegen zu wirtschaftlichem Verfall führen. Üblicherweise werden Diskussionen und Dilemmata in Bezug auf das Wirtschaftssystem in Zeiten historischen Umbruchs auftauchen. Allerdings erhielt die Debatte um das Wirtschaftssystem niemals zuvor eine derartige Relevanz wie heute, in der Zeit tiefer Transformationen im System der Wirtschaftsweltmächte. Inmitten des globalen zivilisatorischen Umbruchs und des Niedergangs des industriellen Zeitalters erhält die Notwendigkeit einer Anpassung des Wirtschaftssystems an die globalen Veränderungen eine neue Dimension. Die Notwendigkeit eines Systems der Balance wird deutlich, das die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekte berücksichtigt, insbesondere im Angesicht der immer sichtbareren Unzulänglichkeiten der neoliberalen Doktrin. Für einen derartigen symbiotischen Ansatz können die ordoliberalen Ideen der sozialen Marktwirtschaft dienen. Obgleich sie keineswegs neu sind, so scheinen sie doch heute immer klarer ihre Rechtfertigung zu finden. Allerdings erfordern auch sie Anpassung, besonders Anpassung an die Veränderungen in den Kräfteverhältnissen und in den Kompetenzen bezüglich Entscheidungsfindungen im globalen Wirtschaftssystem.
4 Praktisches Umdenken gefragt: Forschung und Innovation in der Slowakei und Ungarn aus der Sicht von Investoren
Einschlägigen Statistiken zufolge gehören die Slowakei und Ungarn innerhalb der Europäischen Union zu den Schlusslichtern in puncto Research und Innovation. Tatsächlich investieren beide Länder vergleichsweise wenig Gelder in dieser Richtung. In jüngster Zeit sind aber positive Veränderungen zu beobachten. Punktuell finden sich sogar Projekte, in denen Maßstäbe für den Rest der Welt gesetzt werden, wie etwa mit Forschungszentren asiatischer Konzerne. Die Impule dazu gehen aber kaum von staatlichen Behörden oder Institutionen, sondern vielmehr von ambitionierten Auslandsinvestoren und internationalen Geldgebern aus. Im Zuge der globalen Finanzkrise wird erwartet, dass sich diese positiven Entwicklungen über einen gewissen Zeitraum hinweg deutlich langsamer als bisher fortsetzen. Zwar gibt es kaum Hinweise auf Pläne von Investoren, sich teilweise oder gar ganz aus der Slowakei oder Ungarn zurückzuziehen; viele Unternehmen haben jedoch angekündigt, mit bereits angekündigten Investitionen noch zu warten. Das gilt vor allem für das von der Finanzkrise überaus schwer angeschlagene Ungarn.
5 Delokalisierung in der erweiterten EU – Ursachen und Konsequenzen des Kapitalabflusses nach China
In einer Epoche fortschreitender Globalisierung beobachtet man in der EU ein neues Phänomen, das mit dem Interesse verbunden ist, Direktinvestitionen ausländischen Kapitals (DAI) aus den alten EU-Staaten in andere Länder zu transferieren. Während eines bestimmten Zeitraums wurden diese Investitionen in den neuen EU-Ländern angelegt, aber seit einiger Zeit ist eine Tendenz zur Delokalisierung nach China festzustellen. Ziel des vorliegenden Beitrags ist die Darstellung des Problems der Delokalisierung in der erweiterten EU, die Erläuterung der Ursachen dieses Prozesses, die Vorstellung der Konsequenzen für den Abfluss der Kapitalströme an DAI nach China sowie der Versuch, die Frage zu beantworten, ob die Delokalisierung in den asiatischen und pazifischen Raum die Wirtschaft der EU gefährden kann? Der Beitrag fußt sowohl auf polnischer als auch auf ausländischer Sachliteratur sowie auf Quellen des GUS (Hauptamt für Statistik), der PAIiZ (Polish Information and Foreign Investment Agency) sowe der UNCTAD (United Nation Conference on Trade and Development). In die Arbeit wurden ebenfalls eigene Beobachtungen und Schlussfolgerungen hinsichtlich des Themas Delokalisierung einbezogen.
Buchbesprechungen

Kontakt

BWV | Berliner Wissenschafts-Verlag
Markgrafenstraße 12–14
10969 Berlin

Tel.: +49 30 84 1770 0
Fax: +49 30 84 1770 21
E-Mail: bwv@bwv-verlag.de

Ansprechpartner

Kontaktieren Sie uns!


programmierung und realisation © 2018 ms-software.de