BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 3 / 2005
Osteuropa-Wirtschaft Ausgabe 3 / 2005
Sowohl Wirtschaftswissenschaftler als auch Praktiker berichten und analysieren in Aufsätzen über Wirtschaftsentwicklung, Transformationsprobleme und -fortschritte, strukturelle Besonderheiten und Wirtschaftspolitik in den Ländern Mittelosteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie über Besonderheiten des Ost-West-Handels. Konferenzberichte informieren über einschlägige Fachtagungen und Buchbesprechungen halten die Leserschaft über wichtige Neuerscheinungen auf dem Laufenden. Osteuropa-Wirtschaft ist damit die führende wirtschaftswissenschaftliche Spezialzeitschrift mit starker Politik- und Praxisorientierung im Bereich Ostökonomie.
Doppelheft 3-4/2005
0 OEW 03-04/2005
Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V
Aufsätze
2 Möglichkeiten und Grenzen internationaler Produktionsverlagerungen am Beispiel der Fernsehgeräteindustrie in Mittel- und Osteuropa
Die zunehmenden internationalen Produktionsverlagerungen sowohl deutscher als auch anderer westlicher sowie asiatischer Unternehmen nach Mittel- und Osteuropa haben diese Problematik in den Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen in Wirtschaftstheorie, -praxis und -politik gerückt. Die Untersuchungen des Frauenhofer Institutes für Systemtechnik und Innovationsforschung zeigen, dass rein kostenorientierte Verlagerungsentscheidungen vielfach vorschnell getroffen werden und deshalb auch eine große Gefahr besteht, dass die Grundlage der Verlagerungsentscheidung dann nicht tragfähig ist. Das „Flying Geese Model“ ist ein interessanter Erklärungsansatz auch für internationales Outsourcing nach Mittel- und Osteuropa. Wir vertreten jedoch die Auffassung, dass dieses Modell sich wenig eignet für Produktionsverlagerungen in dem Bereich der „High ValueProduction“ – wie dies unsere Fallstudie der europäischen Fernsehgeräteindustrie zeigt. Unsere Fallstudien machen deutlich, dass die Produktionsverlagerungen nach MOE jedoch vor allem im Bereich der veralteten Bildröhrentechnologien realisiert wurden.
3 Reform der Einlagensicherung in Weißrussland – Förderung der Unternehmensfinanzierung oder Destabilisierung des Bankensystems?
Der aktuell diskutierte Gesetzentwurf für eine Reform der Einlagensicherung in Weißrussland verfolgt das Hauptziel, mehr Sparmittel der Bevölkerung für das planwirtschaftliche Wirtschaftssystem verfügbar zu machen. Bei einer nicht passgenau auf die Landessituation abgestimmten Ausgestaltung droht dabei aber die Gefahr, dass durch Moral Hazard- Effekte das ohnehin labile Bankensystem, das unter einer hohen Konzentration, staatlichen Eingriffen und einer schwachen Wirtschaft leidet, weiter destabilisiert wird. Das privatwirtschaftlich geprägte Einlagensicherungssystem in Deutschland als Vergleichsmaßstab zeigt vielfältige Ansatzpunkte für die kritische Analyse.
4 Zur Bedeutung eines Systems sozialer Sicherung für die Transformation in Bosnien-Herzegowina: Our Plan for Bosnia
Bosnien-Herzegowina (BiH) als ein Nachfolgestaat des zusammengebrochenen Jugoslawien hat politisch und wirtschaftlich ein schweres Erbe zu bewältigen: Durch einen grausamen, erst 1995 durch ausländische Interventionen beendeten Bürgerkrieg zwischen den in BiH angesiedelten Ethnien hatte die Wiederherstellung der Staatlichkeit erste politische Priorität. Das Ergebnis der politischen Rekonstruktion ist ein extrem komplizierter Staatsaufbau, der mit hohen Verwaltungskosten die immer noch konfligierenden Interessen der einzelnen Ethnien austarieren muß. Dementsprechend konnte in BiH, verglichen mit anderen ost- und südosteuropäischen Staaten, erst spät und mit ausländischer Hilfe beziehungsweise Druck mit der wirtschaftlichen Transformation begonnen werden. Auch auf dieser ökonomischen Ebene zeigt sich, daß in BiH mehrere Kulturkreise aufeinander prallen. Daher ist auch die wirtschaftliche Transformation eine Gratwanderung ethnischer Interessen. Zur politischen Absicherung der Transformation wird nun für die Einführung eines modernen, integrierten Systems sozialer Sicherung plädiert. Diese soziale Sicherung soll aber nicht nur individuelle soziale Gefährdungsbereiche abfedern, sondern als mögliche Klammer über ethnische Nationalismen hinaus den Gesamtstaat BiH stabilisieren. In diesem Beitrag wird daher eine erste, grobe Skizze dieses Sozialsystems entworfen und als Plan für die politische Stabilisierung präsentiert.
5 How do foreign owned banks contribute to economic development in transition economies?
Die finanzwirtschaftliche Literatur behauptet, dass der Finanzsektor zum Wirtschaftswachstum beitragen kann. Insbesondere wird argumentiert, dass Ausländische Direktinvestitionen (ADI) ein wichtiger Wachstumsmotor sein können. In diesem Beitrag wird festgestellt, dass die Wachstumseffekte von ADIs unterschiedlich in Abhängigkeit von den adressierten Industrien ausfallen, unterschiedlich auch, ob es sich um Produktionsunternehmen oder Finanzgesellschaften handelt. Die Autoren möchten daher einen Beitrag zur Entwicklungsliteratur leisten, indem sie diskutieren, über welche Arten von Transmissionskanälen ausländische Banken einen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung vor allem in Ostmitteleuropa haben können. Bei Durchsicht der vorhandenen Literatur konnten sie folgende Transmissionskanäle identifizieren: Entwicklung des Finanzmarktes; Vermittlung/Preis; Vermittlung/Umfang; Institutionenaufbau und Unternehmensführung; Kapitalmarktentwicklung; Anregung weiterer Kapitalzuflüsse. Voraussetzungen sind dabei gesunde, effiziente institutionelle und rechtliche Rahmen in den sich herausbildenden Marktwirtschaften sowie intensive grenzüberschreitende Betreuung. Es wird deutlich, dass die meisten Transmissionskanäle mit der Entwicklung des Finanzsektors verknüpft sind. Frühere Studien haben die Bedeutung des Engagements ausländischer Banken für die Wirtschaftsentwicklung nicht so ausdrücklich erkannt.
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