BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
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Die Friedens-Warte Ausgabe 3 / 2010
Die Friedens-Warte, 1899 gegründet von Alfred Fried, ist als älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation ein zentrales Forum der friedenswissenschaftlichen Diskussion. Neben dem fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen will die Zeitschrift traditionell einen Beitrag dazu leisten, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.
0 FRIEDENSPÄDAGOGIK
Die Idee einer bewussten Erziehung, die Menschen dazu befähigt, Konflikte friedlich zu lösen, stößt global auf zunehmendes Interesse. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Friedenspädagogik vor dem Hintergrund der Friedensforschung muss sich daher auch die Frage nach der Wirksamkeit solcher Bemühungen stellen. Einer Antwort wird sich im vorliegenden Heft mit der Untersuchung genähert, inwieweit friedensbauende Bildungsmaßnahmen in Konfliktgebieten die Einstellungen ihrer Teilnehmer verändern. Sie wird umrahmt von allgemein-theoretischen Ansätzen einerseits – zur Verortung friedenspädagogischer Bemühungen in gesamtgesellschaftliche Lernprozesse sowie zur Weiterentwicklung ihrer konzeptionellen Grundlagen – und von konkreten Anwendungsbeispielen andererseits. Letztere geben, nicht zuletzt durch die Ausweitung des Fokus auf Ansätze islamischer Friedenserziehung, ein anschauliches Bild davon, wie Friedenspädagogik im Einzelnen ausgestaltet werden kann, um den heterogenen Herausforderungen komplexer gesellschaftlicher (Konflikt-)Konstellationen gerecht zu werden.
8 Rezensionen
Fassbender, Bardo: Menschenrechteerklärung. Neuübersetzung, Synopse, Erläuterungen, Materialien.
Dittmer, Cordula: Gender Trouble in der Bundeswehr. Eine Studie zu Identitätskonstruktionen und Geschlechterordnungen unter besonderer Berücksichtigung von Auslandseinsätzen.
Jaberg, Sabine / Biehl, Heiko / Mohrmann, Günter / Tomforde, Maren (Hg.): Auslandseinsätze der Bundeswehr. Sozialwissenschaftliche Analysen, Diagnosen und Perspektiven.
Bredt, Friederike: Anwendbarkeit des humanitären Völkerrechts im Israel-Palästina-Konfl ikt.
9 Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren dieses Heftes.
Abhandlungen
2 Friedenspädagogik als transformative Bildung
Dieser Text ist der Versuch, ein zeitgemäßes Programm der Friedenspädagogik zu entwickeln. Er beginnt mit einer dreifachen Verortung der Friedenspädagogik, und zwar innerhalb der Friedensforschung, innerhalb gesellschaftspolitischer sowie innerhalb pädagogischer Debatten. Dazu gehe ich vom Konzept der Kultur des Friedens aus, das erstmals eine adäquate friedenswissenschaftliche Verortung der Friedenspädagogik erlaubt, illustriere ihre gesellschaftliche Funktion anhand der aktuellen Gewaltdiskurse und situiere Friedenspädagogik in der Konfrontation zwischen einem werteorientierten und einem wirtschaftsorientierten bildungspolitischen Diskurs. Abschließend erläutere ich dieses friedenspädagogische Programm anhand einer der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben der Gegenwart: dem Zusammenleben der „Verschiedenen“ in einer Welt der Verschiedenheiten.
3 Frieden lernen aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive.
Ein Beitrag zur überfälligen Theoriediskussion innerhalb der Friedenspädagogik
Das Interesse an der Friedenspädagogik ist in den letzten Jahren weltweit deutlich angestiegen und der Friedenspädagogik wird bei der Prävention und Transformation von Kriegen und gewaltvollen Konfl ikten zunehmend eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Doch offenbaren sich in der gegenwärtigen Friedenspädagogik auch einige theoretische und konzeptionelle Defi zite. Diese werden in dem Artikel zusammengetragen und als Ausgangspunkt gewählt, um die Friedenspädagogik aus einer ungewohnten theoretischen Perspektive zu betrachten und zu refl ektieren. Diesbezüglich werden auf der Basis von systemtheoretischen und konstruktivistischen Theorieangeboten friedens- und konfl iktbezogene Lernprozesse analysiert und Anregungen für die Weiterentwicklung der friedenspädagogischen Praxis entfaltet.
4 Peace Education Does Matter! Zwischenergebnisse eines Forschungsvorhabens zur Friedenspädagogik in Konfliktgebieten
Aufgabe von Friedensbildung in Konfliktgebieten ist es, bei den Angehörigen von Konfliktparteien eine Friedenskompetenz aufzubauen, die zumindest die Fähigkeit zur Konflikttransformation ohne Anwendung bewaffneter Gewalt zum Inhalt hat. Die Maßnahmentypen bei friedenspädagogischen Projekten werden vorgestellt. Einblicke in ein laufendes Forschungsvorhaben zur Feldevaluation friedensbauender Bildungsprojekte in sieben Ländern (Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, Kolumbien, Israel/Palästina, Nordirland, Sri Lanka, Sudan), das mit einem Experimentalgruppen-Kontrollgruppendesign arbeitet, werden gegeben. Am Beispiel der Ergebnisse für Sri Lanka und Sudan wird gezeigt: Friedensbildung macht einen Unterschied!
6 „Peace Counts on Tour“ – Friedenspädagogik in Konfl iktregionen
„Peace Counts on Tour“ vereint Friedenspädagogik und qualitativen Journalismus. Ausgangspunkt des friedenspädagogischen Programms sind Reportagen über gelungene Beispiele konstruktiver Konfl iktbearbeitung. Anhand von Biographien über Personen, die erfolgreich Friedensprojekte in der ganzen Welt initiieren, hat das Institut für Friedenspädagogik ein dialogorientiertes Workshopformat entwickelt, um Begegnungs- und Austauschplattformen für unterschiedliche Zielgruppen anzubieten. Der Artikel beschreibt, wie „Peace Counts“ in unterschiedlichen Konfl iktregionen der Erde arbeitet, und zeigt, wie Menschen von Vorbildern lernen können. Im Zentrum steht dabei die Frage: Wie lernt man, Frieden zu machen?
7 Über die Grenzen lernen. Die Alpen-Adria-Sommer-Friedensuniversität. Von einer Kriegskultur zu einer Friedenskultur im Alpen-Adria-Raum
Im August 2009 wurde in Tarcento/Italien im Rahmen des ERASMUS IP Programms die erste Sommer-Friedensuniversität zum Thema „Von einer Kriegskultur zu einer Friedenskultur im Alpen-Adria-Raum“ abgehalten. Die drei Universitäten Udine, Klagenfurt und Koper/Capodistria konzipierten dieses innovative Projekt, dessen Hauptschwerpunkte auf den Bereichen Friedenspädagogik, Mehrsprachigkeit und Zeitgeschichte lag. Den Kernbereich bildete das studentische Projekt „Erinnerungskultur“, in dessen Rahmen nach eingehender Vorbereitung der Studierenden in Lehrveranstaltungen im Kontext des Schwerpunkts Erinnerungskultur und Gedächtnispolitik Zeitzeug/innen-Interviews geführt und dann bei der Sommer-Universität länderübergreifend refl ektiert und diskutiert wurden. Gedächtnispolitik, vergleichende Erinnerungskultur, Vorurteils- und Stereotypenforschung sowie Zeitgeschichte und Konfl ikttransformation wurden in multinationalen Gruppen gelehrt und gelernt. Die Vielsprachigkeit der Referent/innen und Studierenden (fünf Sprachen) konnte in den zwei Wochen der Sommer-Universität er- und gelebt werden und machte die Besonderheit der Region Alpen-Adria als multilinguale Grenzregion der EU sichtbar.
Articles
5 Peace Education in Muslim Societies and in Islamic Institutions
69The peace education field in the west by eminent scholars like Johan Galtung, David Hicks, Kenneth Boulding, and Betty Reardon has an extraordinary impact on Muslim educators who desire the field of peace education to flourish in their own communities. However, a new generation of Muslim scholars and practitioners who have studied western approaches to peace education and conflict resolution immediately realized that the transfer of western concepts in itself were defi cient and ineffective because it did not resonate in an Islamic context. Recently, Islamic peace education manuals and textbooks have been designed and implemented in several Muslim communities to meet the demands of peacebuilding. Western policy analysts have written disparaging criticism against the Islamic seminary curriculum because it uses pre-modern texts to teach traditional Islam and these outdated non-inclusive texts foster intolerance amongst Muslim seminarians. This essay first examines the challenges and problems Muslim educational NGOs faced in creating peace educational manuals for communities and public schools, then the essay proceeds to analyze various Islamic peace education textbooks and projects specifi c to seminary teachers and students.

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