BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 1 / 2010
Die Friedens-Warte Ausgabe 1 / 2010
Die Friedens-Warte, 1899 gegründet von Alfred Fried, ist als älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation ein zentrales Forum der friedenswissenschaftlichen Diskussion. Neben dem fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen will die Zeitschrift traditionell einen Beitrag dazu leisten, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.
0 KONFLIKTREGION AFRIKA: F-W 1-2/2010
Die Friedens-Warte widmet sich in ihrem aktuellen Heft ausgewählten und, hinsichtlich ihrer Auswirkung auf Krieg und Frieden, oftmals ambivalenten Problemfeldern, mit denen (Subsahara-)Afrika konfrontiert wird. Gleichzeitig liefert sie eine Bestandsaufnahme diverser Institutionen beziehungsweise Instrumente, die zur Etablierung menschenrechtlicher, demokratischer Standards beitragen wollen, und beleuchtet Möglichkeiten ihrer Effizienzsteigerung. So liegt mit diesem Schwerpunktheft einerseits ein interdisziplinärer Beitrag zur theoriegeleiteten Diskussion um Gewaltkonfliktlogiken und deren Management vor. Andererseits wird, nicht zuletzt durch die damit einhergehende Betrachtung aktueller und jüngerer Konfliktkonstellationen innerhalb einzelner afrikanischer Länder und Regionen, ein Einblick in die derzeitige Situation des afrikanischen Kontinents sowie ein Ausblick auf dessen Fähigkeit zu friedlicher Entwicklung gegeben.
11 Rezensionen
Leonie von Braun: Internationalisierte Strafgerichte. Eine Analyse der Strafverfolgung schwerer Menschenrechtsverletzungen in Osttimor, Sierra Leone und Bosnien-Herzegowina (von Robert Chr. van Ooyen) - Schlotter, Peter / Nolte, Wilhelm / Grasse, Renate (Hg.): Berliner Friedenspolitik? Militärische Transformation – Zivile Impulse – Europäische Einbindung (von Thomas Cieslik) - Bellamy, Alex J.: Responsibility to Protect. The Global Effort to End Mass Atrocities (von Felix Haaß) - Gießmann, Hans J. / Wagner, Armin (Hg.): Armee im Einsatz. Grundlagen, Strategien und Ergebnisse einer Beteiligung der Bundeswehr (von Dustin Dehéz) - Werkner, Ines-Jacqueline / und Liedhegener, Antonius (Hg.): Gerechter Krieg – gerechter Frieden. Religionen und friedensethische Legitimationen in aktuellen militärischen Konflikten ( von Christine Schweitzer) - Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V. (Hg.): Gewaltfrei streiten für einen gerechten Frieden. Plädoyer für zivile Konflikttransformation (von Thomas Bryant).
12 Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren dieses Heftes.
Abhandlung
2 Binnenvertreibung in Afrika – eine neue Konvention für ein altes Problem
Die Zahl der Binnenvertriebenen – also von Personen, die zwar ihre Heimat, nicht aber ihr Heimatland verlassen haben – ist seit dem Ende der 1990er Jahre um rund 17 Millionen auf nunmehr 27 Millionen gestiegen. Auf internationaler Ebene stand Binnenvertriebenen bislang kein spezielles Vertragswerk zur Seite. Da sie sich im Souveränitätsbereich des eigenen Landes aufhalten, verwundert dies wenig. Umso überraschender ist es, dass afrikanische Staaten im Oktober 2009 eine Konvention zum Schutz von Binnenvertriebenen verabschiedet haben. Folglich verfügt der von Binnenvertreibung am stärksten betroffene Kontinent über das weltweit erste Vertragswerk zu diesem Problem. Nachdem der Beitrag auf die Ursachen und Auswirkungen von Binnenvertreibung in Afrika eingeht und den gegenwärtigen internationalen Umgang damit beleuchtet, werden einzelne Aspekte der neuen Konvention diskutiert. Obschon sie Normen von besonderer Relevanz für Vertriebene enthält, werden die Erfolgsaussichten der Konvention eher verhalten eingeschätzt.
3 Religion als Konfliktfaktor? Eine systematische Erhebung religiöser Gewaltdimensionen im subsaharischen Afrika
Heizt Religion Gewaltkonflikte im subsaharischen Afrika an? Eine neue Datenbank kommt zu dem Befund, dass dies häufiger zutrifft als angenommen: In fast allen Ländern können religiös konnotierte Gewalthandlungen wie Übergriffe auf Gläubige und Gotteshäuser oder Zusammenstöße zwischen Religionsgruppen beobachtet werden. In 15 Fällen verlaufen Gewaltkonflikte entlang religiöser Grenzen. In neun Ländern sind theologische Differenzen Teilursache von Gewaltkonflikten und in 13 Staaten agieren bewaffnete religiöse Gruppen. Für kausale Zusammenhänge deutet sich an, dass religiös konnotierte Gewalt besonders dann auftritt, wenn ethnische und religiöse Grenzen parallel verlaufen, Religion stark politisiert ist und Eliten Gewalt religiös legitimieren.
4 Diasporisches Handeln in Bürgerkrieg und Wiederaufbau: Beispiele aus Somalia und Somaliland
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Rollen und Chancen der somalischen Diaspora im zerfallenen Staat Somalia, der autonomen (aber noch zu Somalia gehörenden) Region Puntland und dem De-facto-Staat Somaliland. Er illustriert die Vielschichtigkeit der somalischen Diaspora und stellt das Handeln diasporischer Akteure im Hinblick auf den Herkunftskontext an Hand konkreter Beispiele vor. Einzelne Abschnitte gehen ein auf Konfliktförderung durch die Diaspora, die wirtschaftliche Rolle der Diaspora, den sozialen und kulturellen Einfluss der Diaspora sowie das Wirken von Diaspora-Mitgliedern in Politik und Friedensbildung. Insgesamt zeigt sich, dass soziale und kulturelle Faktoren, wie das somalische Klansystem und verschiedene Strömungen innerhalb des sunnitischen Islam, genauso wie die unterschiedlichen Lebensbedingungen in den jeweiligen Residenzländern, Ereignisse im Herkunftskontext (Somalia, Somaliland, Puntland) und globale Entwicklungen (zum Beispiel der „Krieg gegen den Terror“) das Handeln von Diaspora- Akteuren prägen.
5 Offene Kriegsökonomien als Triebfedern für langanhaltende Bürgerkriege in Entwicklungsländern: Von Coltan und Blutdiamanten in der Demokratischen Republik Kongo und in Liberia
Seit dem Ende des Kalten Kriegs hat die Anzahl innerstaatlicher Konflikte signifikant zugenommen. Es erscheint rätselhaft, warum Bürgerkriege gerade in wenig entwickelten Ländern in den Peripherieregionen häufig sehr langanhaltend sind, obwohl es dort vermeintlich an notwendigem Geld und Ausrüstung mangeln sollte. Im Artikel wird argumentiert, dass vor dem Hintergrund fragiler Staatlichkeit und Ressourcenreichtum an erster Stelle das System einer offenen Kriegsökonomie für die Dauer derartiger Bürgerkriege verantwortlich gemacht werden kann, da es Gewaltakteuren Zugang zu finanziellen Mitteln bietet und ihnen so (militärische) Handlungsfreiheit verschafft. Diese Annahme wird anhand von zwei empirischen Fallstudien – der Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo (1996-2003) und in Liberia (1989-2003) – detailliert analysiert und erhärtet.
6 Transitional Justice und Entwicklung in Afrika
Vor allem in den 1990er Jahren fand ein Großteil der innerstaatlichen Gewaltkonflikte auf dem afrikanischen Kontinent statt. Nach ihrer Beendigung wird vielerorts das oft extreme Ausmaß der Gewalt durch Wahrheitskommissionen, Tribunale oder vermeintlich traditionelle Mechanismen – zusammengefasst unter dem Begriff Transitional Justice – aufgearbeitet. Vor dem Hintergrund extremer Armut in vielen Teilen Afrikas geht der Artikel der Frage nach, ob und in welchem Maße Entwicklungsaspekte in die Aufarbeitung von massiver Gewalt einbezogen werden sollen. Dies wird exemplarisch anhand der Fallbeispiele Südafrika, Ruanda und Sierra Leone analysiert. Es wird argumentiert, dass in Fällen, in denen soziale Ungerechtigkeit und folglich Armut zu den strukturellen Konfliktursachen zählen, sowie in Fällen, in denen ökonomische Verbrechen Teil der Konfliktaustragung waren, Transitional Justice Maßnahmen durchaus Entwicklungsaspekte mit einbeziehen sollten. Allerdings wird davor gewarnt, das Konzept generell als Motor sozialer Transformation zu betrachten und durch die unreflektierte Einbindung von Entwicklungsaspekten mit zu hohen Erwartungen zu überfrachten.
7 Africa – A Fertile Soil for the International Criminal Court?
This article aims to critically assess from a legal perspective why, since the entry into force of the statute of the International Criminal Court (ICC) in 2002, situations arising exclusively from African contexts have been brought before the ICC. This phenomenon will be analysed in light of the ICC Statute by examining the preconditions to the exercise of the ICC’s jurisdiction, the mechanisms triggering its jurisdiction over specific situations, the principle of complementarity, as well as the strategy of the Prosecutor. Related key aspects, such as state cooperation and non-cooperation with the ICC as well as its contribution to achieving justice and peace in Africa, will also be addressed.
8 Protection of Human Rights in Theory and Reality: The Case of the African Court on Human and Peoples’ Rights Humanitarian Arms Control in 21st Century
The African Court on Human and Peoples’ Rights (AfCHPR – „Court“) was operationalized in July 2006 with the swearing-in of the first eleven judges. In December 2009 it pronounced its first judgment. The institutional development of the Court faces numerous challenges that derive from the legal framework under which the Court operates, the complexity of the human rights protection mechanisms in Africa, and, on a daily basis, the shortcomings of technical infrastructure. The primary future challenges for the Court are to attain more visibility and receive more cases.
9 Die ECOWAS als regionale Ordnungsmacht Westafrikas?
Die westafrikanische Regionalorganisation ECOWAS ist seit Anfang der 1990er Jahre zu einem wichtigen sicherheitspolitischen Akteur in der Region geworden. Gewaltkonflikte in Mitgliedsländern und das entschlossene Handeln des mächtigsten Mitgliedstaats Nigeria waren für diesen Rollenwandel verantwortlich. Erst nachträglich wurden durch organisatorische Reformen und Normwandel institutionelle Anpassungen vollzogen. Der Beitrag fragt, inwiefern die ECOWAS das selbstgesteckte Ziel erreicht hat, Frieden und Sicherheit in der Region zu schaffen sowie gemeinschaftliche Antworten auf die vielen Gefährdungen menschlicher Sicherheit zu formulieren. Ihre Fähigkeit hierzu wird, so die These, weniger durch fehlenden politischen Willen als vielmehr durch die schwachen Kapazitäten auf gemeinschaftlicher und einzelstaatlicher Ebene begrenzt.
Dokumentation
10 „Afrika ist voller Schmetterlinge“ - Laudatio von Bundespräsident a. D. Horst Köhler auf Henning Mankell
Anlässlich der Verleihung des Erich Maria Remarque-Friedenspreises am 18. September 2009 in Osnabrück

Kontakt

BWV | Berliner Wissenschafts-Verlag
Markgrafenstraße 12–14
10969 Berlin

Tel.: +49 30 84 1770 0
Fax: +49 30 84 1770 21
E-Mail: bwv@bwv-verlag.de

Ansprechpartner

Kontaktieren Sie uns!


programmierung und realisation © 2018 ms-software.de