BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 2 / 2006
Die Friedens-Warte Ausgabe 2 / 2006
Die Friedens-Warte, 1899 gegründet von Alfred Fried, ist als älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation ein zentrales Forum der friedenswissenschaftlichen Diskussion. Neben dem fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen will die Zeitschrift traditionell einen Beitrag dazu leisten, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.
0 KRITISCHE STIMMEN ZUM HUMAN SECURITY REPORT 2005 / ASYMMETRISCHE KONFLIKTE UND DAS VÖLKERRECHT
In dieser Ausgabe der Friedens-Warte werden zwei Debatten geführt, die wichtige theoretische und politikrelevante Fragen der Friedensforschung betreffen. Zum einen: Wie ist die Behauptung des Human Security Report 2005 zu bewerten, die Zahl der gewaltsamen Konflikte habe aufgrund der wachsenden Zahl von UN-Einsätzen stark abgenommen? Des Weiteren antworten Experten aus Wissenschaft und Politik auf die im letzten Heft veröffentlichten Beiträge von Christian Tomuschat und Michael Wolffsohn zur israelischen Intervention im Libanon. Ist das Kriegsvölkerrecht unter den Bedingungen asymmetrischer Kriegsführung obsolet geworden, wie Wolffsohn behauptet hat? Oder muss nicht mit Tomuschat darauf bestanden werden, dass Israel völkerrechtswidrig handelte?
15 Rezensionen
Stefan Baufeld: Der 11. September 2001 als Herausforderung für das Völkerrecht. Von Michael Teichmann.
Klaus Dicke / Stephan Hobe / Karl-Ulrich Meyn / Anne Peters / Eibe Riedel / Hans-Joachim Schütz / Christian Tietje (Hg.): Weltinnenrecht. Liber amicorum Jost Delbrück. Von Robert Chr. van Ooyen.
Georg Nolte / Hans-Ludwig Schreiber (Hg.): Der Mensch und seine Rechte. Grundlagen und Brennpunkte der Menschenrechte zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Von Henning Boekle.
Jürgen Altmann: Military Nanotechnology – Potential applications and preventive arms control. Von Wolf-Michael Catenhusen.
Martina Fischer (Hg.): Peacebuilding and Civil Society in Bosnia Herzegowina. Ten Years after Dayton. Von Thomas Mättig.
Horst Fischer / Noelle Quenivet (Hg.): Post-Conflict Reconstruction: Nation- and / or State-Building. Von Stefan Buddenbohm.
Ekkehard Münzing: Internationale Wahlbeobachtung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. Von Tatjana Reiber.
S. Neil MacFarlane / Yuen Foong Khong: Human Security and the UN. A Critical History. Von Sascha Werthes.
16 Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren dieses Heftes.
Debatte
2 Mapping UN Presence. A Follow-Up to the Human Security Report
One of the most prominent findings of the 2005 Human Security Report (HSR) was the sharp decline in the number of intrastate conflicts since the beginning of the 1990s that the HSR associated with an ‘upsurge of international activism’. The article wants to elaborate further on this interrelation by introducing the concept of ‘UN presence’ and linking it to conflict prevalence. This perspective reveals two observations: While the increase in peacekeeping operations surely represents the most obvious form of UN engagement, it can not easily explain the decrease in intrastate conflicts. In addition to the Blue Helmets, the Special Representatives of the Secretary-General emerge as a relevant form of UN presence not only engaged in peacekeeping but also in prevention, mediation, peacemaking and peacebuilding.
3 Conflict Suppression instead of Conflict Resolution?
The recent reduction in the incidence of warfare is impressive. However, it will not necessarily prove a lasting success. While the international community of troop contributors and development donors has become better in preventing and stopping armed conflicts, this has not been repeated in the area of post-conflict peace-maintenance. A number of factors are responsible for these disappointing results, including the behaviour of external actors in post-conflict societies. Most importantly, however, creating lasting peace following conflicts has proven time and again to be difficult and costly. So far, the international community has shown only limited willingness to address the discrepancy between its success in ending wars and its failure in building lasting peace.
4 Freedom from Fear, not Freedom from Violent Death
This short critique outlines some of the main points of contention arising from the recently published Human Security Report 2005. It is argued that the optimistic picture painted by the report is misleading, as the notion of “freedom from fear” goes beyond a measurement of conflict-related deaths as the prime indicator for levels of human (in)security. Instead, the value-added of human security lies in furthering our understanding of post-conflict peacebuilding, of the link between security and (human) development, and of the requirements for responsible collective action by the international community.
5 Der Human Security Report: Neue Fakten, neue Mythen?
Während der Human Security Report mit „gängigen Mythen“ über die Entwicklung des weltweiten Kriegsgeschehens aufräumen will, kritisiert dieser Aufsatz, dass vor allem die statistisch fundierten Bewertungen des HSR neben vielem Richtigen neue Mythen hervorbringen. Die Welt ist leider nicht friedlicher geworden, gewandelt hat sich vielmehr das Erscheinungsbild kriegerischer Gewalt. Auch hat sich nicht die Zahl der kriegsbedingten Todesopfer verringert, sondern vor allem die Anzahl der in definierten Kriegzeiträumen getöteten Kombattanten. Soziologische Falluntersuchungen sowie die Analyse heute dominierender Kriegstypen führen zu der Schlussfolgerung, dass, unter anderem bedingt durch diffusere Grenzen zwischen Friedens- und Kriegszuständen, lineare Vergleiche innerhalb einer langen Zeitachse in die Irre führen und herkömmliche statistische Methoden der Einschätzung von Kriegen und Kriegsopfern neu zu überdenken sind.
6 Weniger Kriege? Zweifel am Optimismus des Human Security Report
Der Human Security Report 2005 behauptet einen starken Rückgang kriegerischer Auseinandersetzungen nach 1992. Dieser Trendaussage stehen die Daten des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung entgegen, die keinen klaren Trend erkennen lassen. Diese Divergenzen sind auf unterschiedliche Methodiken zurückzuführen, wobei die vom HSR verwandte quantitative Definition tendenziell zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Anzahl von Kriegen führt. Zudem ist es problematisch, nur aus der Zahl der Kriege eine Trendaussage abzuleiten, da diese Daten nichts über das Potential an künftigen Kriegen aussagen. Daher muss auch die Entwicklung der gewaltlosen und sporadisch gewaltsamen Konflikte mit berücksichtigt werden – und deren Zahl steigt weiter stetig an.
7 Asymmetrie und Kriegsvölkerrecht. Die Lehren des Sommerkrieges 2006
Völkerrecht und asymmetrische Konflikte. Antworten auf Christian Tomuschat und Michael Wolffsohn: Von Herfried Münkler.
8 Im Hintergrund der Debatte: Die Aporie des modernen Völkerrechts
Völkerrecht und asymmetrische Konflikte. Antworten auf Christian Tomuschat und Michael Wolffsohn: Von Sibylle Tönnies.
9 Völkerrecht und Staatsrecht im Wandel – Die Antwort auf den 11. September 2001
Völkerrecht und asymmetrische Konflikte. Antworten auf Christian Tomuschat und Michael Wolffsohn: Von Dieter Wiefelspütz.
10 Self-Defense, Laws of War, and Human Rights
International Law and Asymmetric Warfare. Responses to Christian Tomuschat and Michael Wolffsohn: Jordan J. Paust
11 „Land für Frieden“ – warum diese Formel nicht aufging
Völkerrecht und asymmetrische Konflikte. Antworten auf Christian Tomuschat und Michael Wolffsohn: Von Berthold Meyer.
12 Zur Kritik am Sommerkrieg im Nahen Osten
Völkerrecht und asymmetrische Konflikte. Antworten auf Christian Tomuschat und Michael Wolffsohn: Von Martin Beck.
13 Rechtliche Regulierung asymmetrischer Konflikte?
Völkerrecht und asymmetrische Konflikte. Antworten auf Christian Tomuschat und Michael Wolffsohn: Von Daniel Kramer.
Historische Miszellen
14 Vor achtzig Jahren: Konferenz und Vertragswerk von Locarno
Der Aufsatz umreißt die geschichtliche und rechtliche Ausgangslage, die zur deutsch-französischen Annäherung und schließlich zur Konferenz von Locarno im Oktober 1925 führte. Die Interessen des Deutschen Reiches (Erhalt der staatlichen Einheit, Frieden im Westen und Offenhalten der Grenzfrage im Osten), Frankreichs (Sicherung seiner militärischen Vormachtstellung auf dem Kontinent) und des Vereinigten Königreichs (Ruhe in Europa) werden skizziert und zum System kollektiver Sicherheit des Völkerbundes in Beziehung gesetzt. Die Neuerungen, die das Vertragswerk von Locarno zur Stärkung dieses Systems, dem das Deutsche Reich seit 1926 angehörte, beisteuern sollte, bestanden den Praxistest in der Abessinienkrise des Jahres 1935 nicht.

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