BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 1 / 2004
Die Friedens-Warte Ausgabe 1 / 2004
Die Friedens-Warte, 1899 gegründet von Alfred Fried, ist als älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation ein zentrales Forum der friedenswissenschaftlichen Diskussion. Neben dem fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen will die Zeitschrift traditionell einen Beitrag dazu leisten, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.
Doppelheft 1-2/2004
0 UNTERNEHMENSVERANTWORTUNG IN KONFLIKTEN: F-W 1-2/2004
Die Bereitstellung der öffentlichen Güter Sicherheit und Frieden wird als klassische Domäne des Staates angesehen. Auf Initiative des deutschen Vorsitzes wurde im April 2004 im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) die Rolle der Privatwirtschaft bei der Konfliktprävention, der Friedenssicherung und der Friedenskonsolidierung diskutiert. Transnationale Unternehmen gerieten bisher vor allem negativ in die Schlagzeilen. Sie sind in den letzten Jahren zunehmend Ziel von Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen (NGO) geworden. So wird den Unternehmen unter anderem ihre Verbindung zu repressiven Regimen, deren Finanzierung durch Steuern und Abgaben und somit ihre Verwicklung in Kriegsökonomien, aber auch in Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. In der gerade erst beginnenden Diskussion in Wissenschaft und Politik gilt es, die Reichweite und Grenzen der Verantwortung nichtstaatlicher Akteure in Gewaltkonflikten weiter zu klären.
9 Rezensionen
Aline Bruer-Schäfer: Der Internationale Strafgerichtshof; Tatjana Maikowski: Staatliche Kooperationspflichten gegenüber dem Internationalen Strafgerichtshof; Matthias Neuner (Hg.): National Legislation Incorporating International Crimes. Von Sascha Rolf Lüder.
Ryszard Stemplowski (Hg.), Transnational Terrorism in the World System Perspective. Von Christopher Daase.
Hans J. Gießmann / Kurt P. Tudyka (Hg.): Dem Frieden dienen. Zum Gedenken an Prof. Dr. Dr. Dieter S. Lutz. Von Wolf-Dieter Eberwein.
Ulrich Teusch: Die Staatengesellschaft im Globalisierungsprozess. Wege zu einer antizipatorischen Politik. Von Manuel Fröhlich.
Jost Dülffer: Im Zeichen der Gewalt. Frieden und Krieg im 19. und 20. Jahrhundert. Von Bardo Fassbender.
11 Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren dieses Heftes.
Abhandlung
2 Transnationale Unternehmen in Gewaltkonflikten
Dieser Einführungsbeitrag gibt einen Überblick über die Rolle von Unternehmen in Konfliktregionen. Es wird anhand von empirischen Beispielen der Zusammenhang zwischen Unternehmen, natürlichen Ressourcen und bewaffneten Konflikten skizziert, wobei unterschiedliche Handlungsoptionen von Unternehmen im Vordergrund stehen. Dabei wird neben den von zivilgesellschaftlichen Organisationen primär angeprangerten negativen Beziehungen zwischen Unternehmen und Konflikten besonders auf positive Ansätze zur Regulierung der Tätigkeit von Unternehmen in Konfliktregionen hingewiesen. In einem letzten Abschnitt werden die sich daraus ergebenden Konsequenzen und mögliche Handlungsoptionen für staatliche Akteure (mit Fokus auf die Staaten in denen sich der Hauptsitz der Unternehmen befindet) diskutiert.
3 Business and Armed Conflict: An Assessment of Issues and Options
The role of business as a crucial intermediary between local war economies and global markets for „conflict commodities“ has gained unprecedented academic and policy attention in recent years. A range of different business actors operate in war-torn or conflict-prone areas, including large and small transnational companies, local and regional businesses, and middlemen and brokers. Properly understanding their distinct impacts on conflict dynamics and their amenability to regulation is crucial to develop more adequate and effective policy mechanisms. Important initiatives have emerged in recent years in the fields of corporate social responsibility, human rights, and conflict management. What emerges from research and policy practice, however, is that effective business regulation as a means of conflict prevention and resolution requires the employment of the whole regulatory spectrum, from voluntary corporate self-regulation to international law.
4 Brauchen wir eine Ökonomie des Friedens? Eine Schweizer Perspektive auf die Verbindung der Wirtschaft mit Gewaltkonflikten
Seit dem Fall der Sowjetunion hat sich eine Forschungsrichtung im Bereich der Internationalen Beziehungen verstärkt mit der Rolle der international tätigen Wirtschaft befasst, die sich nun auch spezifisch auf die Verbindungen zwischen Multinational Companies (MNCs) und Gewaltkonflikten konzentriert. Der Artikel differenziert im Sinne eines Überblicks zwischen einer „Ökonomie des Krieges“, durch welche die Wirtschaftstätigkeit Gewaltkonflikte intensiviert, und einer „Ökonomie des Friedens“, welche zur Deeskalation von Gewaltkonflikten beiträgt. Darauf wird versucht, zuerst mit einer internationalen Perspektive (Shell, De Beers, Blackwater) und dann mit einer Schweizer Perspektive (Credit Suisse, Triumph, Pilatus, SAM, Ethos) exemplarisch auf Unternehmen einzugehen, welche die „Ökonomie des Krieges“ oder die „Ökonomie des Friedens“ fördern.
5 Unternehmen der Rohstoffindustrie – Möglichkeiten und Grenzen der Konfliktprävention
Die positive Rolle von transnationalen Unternehmen in Konfliktregionen ist erst seit kurzer Zeit zum Gegenstand der Forschung geworden. Der Artikel diskutiert zunächst, wie die Beteiligung transnationaler Unternehmen an der Konfliktprävention definiert werden kann. Ausgehend von dieser Definition werden zentrale Bereiche der Konfliktprävention eingeführt und mögliche Initiativen und Maßnahmen von Unternehmen identifiziert. Das Engagement von Unternehmen der Rohstoffindustrie wird anhand von zwei Fallbeispielen, Shell in Nigeria und BP in Kolumbien, skizziert. Eine der Herausforderungen dieses noch jungen Forschungsprogramms ist die Frage, wie das Verhalten von Unternehmen in Konfliktregionen erklärt werden kann. In diesem Artikel werden ausgehend von der bisherigen Forschung und den Fallstudien die Faktoren Corporate Social Responsibility, Druck durch zivilgesellschaftliche Akteure und die Bedeutung von Reputation betrachtet. Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen eines Engagements von Unternehmen in der Konfliktprävention diskutiert.
6 Distribution of Responsibility for Human Rights Protection: The Public-Private Distinction
This article examines how the relationship between public and private responsibility for human rights protection is constructed in debates on corporate social responsibility. The analysis is based on a constructivist approach to the public-private distinction, and a case study of the international debate between 1998 and 2002 surrounding the operations in Sudan of the Canadian headquartered oil company Talisman Energy. It is argued that the drawing of borders between public and private is politically loaded and influences perceptions of power, authority and responsibility internationally. Through efforts at establishing human rights discourses and discourses on economic profit as mutually supportive, transnational corporations are being constructed as bearers of a moral responsibility to protect human rights. The public-private distinction, however, complicates the identification of the character and boundaries of this responsibility.
7 Nun sag, wie hast du’s mit den Global Players? Fragen an die Völkerrechtsgemeinschaft zur internationalen Rechtsstellung transnationaler Unternehmen
Trotz der gerade in jüngerer Zeit intensiv diskutierten Möglichkeiten einer normativen Bindung transnationaler Unternehmen an internationale Menschenrechts-, Umweltschutz- und Sozialstandards und obgleich diese Wirkungseinheiten in ökonomischer wie politischer Hinsicht eine machtvolle Stellung im gegenwärtigen internationalen System innehaben, wird von der bislang noch überwiegenden Auffassung im Schrifttum eine Völkerrechts-subjektivität dieser Akteure verneint. Ausgehend von einem Überblick über die allgemeinen Voraussetzungen für die Erlangung des Status als Völker-rechtssubjekt, werden in dem Beitrag zunächst eine Vielzahl der in diesem Zusammenhang relevanten völkerrechtlichen Steuerungsmechanismen auf ihre Bedeutung für das Bestehen und die Ausgestaltung einer internationalen Rechtsstellung transnationaler Unternehmen hin untersucht. Hierauf aufbauend erfolgen eine kritische Auseinandersetzung mit den von der herrschenden Auffassung angenommenen Voraussetzungen der Völker-rechtssubjektivität und die Entwicklung eines neuen Ansatzes, wonach bereits auf der Grundlage der faktischen Wirkungsmächtigkeit transnationaler Unternehmen eine widerlegbare Vermutung für das Bestehen einer völkerrechtlichen Pflichtenstellung gerade auch in Bezug auf ihre Aktivitäten in Konfliktregionen besteht.
Historische Miszellen
8 Der VN Global Compact: Was als Experiment begann ...
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über eine der bekanntesten Initiativen zur Förderung von Unternehmensverantwortung. Neben der Entstehung und der Weiterentwicklung des Global Compact werden das Grundkonzept des Global Compact sowie die Beteiligungsmöglichkeiten für Unternehmen vorgestellt. Weiterhin wird die Hauptargumentation von Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zum Global Compact präsentiert, bevor abschließend die Beziehung des Global Compact zu den Vereinten Nationen erläutert wird und Optionen beschrieben werden, wie er sich in Zukunft weiterentwickeln könnte.
Dokumentation
10 Dokumentation
1. The role of business in conflict prevention, peacekeeping and post-conflict peace-building. Chairman’s summary of the discussion held by the Security Council on 15 April 2004 (U.N. Doc. S/2004/441).
2. Security Council discusses role of business in conflict prevention, peacekeeping, post-conflict peace-building. Press Release, Security Council, 4943rd Meeting, 15 April 2004 (U.N. Doc. SC/8058).
3. Auf dem Weg zu globalen Partnerschaften (2003). Resolution der UN- Generalversammlung, 58. Tagung, 19. Dezember 2004 (U.N. Doc. A/RES/58/129).
4. Auf dem Weg zu globalen Partnerschaften (2001). Resolution der UN-Generalversammlung, 56. Tagung, 11. Dezember 2001 (U.N. Doc. A/Res/56/76).
5. Auf dem Weg zu globalen Partnerschaften (2000). Resolution der UN-Generalversammlung, 55. Tagung, 21. Dezember 2000 (U.N. Doc. A/Res/55/25).
6. Normen für die Verantwortlichkeiten transnationaler Unternehmen und anderer Wirtschaftsunternehmen im Hinblick auf die Menschenrechte. UN-Menschenrechtskommission, Unterkommission für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte, 26. August 2003 (U.N.Doc. E/CN.4/Sub.2/2003/12/Rev.2).
7. The Ten Principles of the UN Global Compact.
8. Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (Neufassung 2000).
9. Interlaken Declaration on the Kimberley Process Certification Scheme For Rough Diamonds, 5 November 2002.
10. Voluntary Principles On Security And Human Rights. Statement By The Governments Of The United States of America And The United Kingdom, 4 December 2000.
11. Shell Statement of General Business Principles. Royal Dutch/Shell Group of Companies (1997)

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