BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 4 / 2003
Die Friedens-Warte Ausgabe 4 / 2003
Die Friedens-Warte, 1899 gegründet von Alfred Fried, ist als älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation ein zentrales Forum der friedenswissenschaftlichen Diskussion. Neben dem fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen will die Zeitschrift traditionell einen Beitrag dazu leisten, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.
0 INTERNATIONALE VERTEILUNGSKONFLIKTE
Abhandlungen zu den Themen:
Die friedenspolitische Bedeutung internationaler Verteilungskonflikte um Erdöl für den Vorderen Orient,
Internationale Konflikte im Energiesektor und Strategien zu deren Minderung,
Verteilungskonflikte und ihre Regulierungsmöglichkeiten: Die internationale Dynamik von Kriegsökonomien in Afrika am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo
6 Rezensionen
M. A. Ferdowsi / V. Matthies (Hg.): Den Frieden gewinnen. Zur Konsolidierung von Friedensprozessen in Nachkriegsgesellschaften.
B. Bieber: Wie Kriege enden. Die Reintegration von Soldaten in Nachkriegsgesellschaften.
Harald Knoll / Peter Ruggenthaler / Barbara Stelzl-Marx (Hg.): Konflikte und Kriege im 20. Jahrhundert. Aspekte ihrer Folgen. Von Jost Dülffer.
W. Graf Vitzthum / I. Winkelmann (Hg.): Bosnien-Herzegowina im Horizont Europas – Demokratische und föderale Elemente der Staatswerdung in Südosteuropa. Von Hans Fabian.
M. D. Alleyne: Global Lies? Propaganda, the UN and World Order. Von Jan Claudius Völkel.
G. Hirschfeld / G. Krumeich / I. Renz (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg.
J. Winter / G. Parker / M. R. Habeck (Hg.): Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. Von Ulrich Teusch.
Th. Graham jr.: Disarmament Sketches – Three Decades of Arms Control and International Law Von Sebastian M. Seidel.
7 Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren dieses Heftes.
Abhandlung
2 Die friedenspolitische Bedeutung internationaler Verteilungskonflikte um Erdöl für den Vorderen Orient
Ziel des Beitrages ist es, einen theoretisch und historisch fundierten Beitrag zur Analyse der friedenspolitischen Bedeutung internationaler Erdölkonflikte für die Region des Vorderen Orients zu leisten. Hierzu wird zunächst ein sicherheitspolitischer Ansatz zur Untersuchung der Verteilungskonflikte um Erdöl entfaltet, um anschließend deren Regelung und ihre Auswirkungen auf die friedenspolitische Verfassung des Vorderen Orients nach dem Zweiten Weltkrieg zu skizzieren. Die grundlegende These des Beitrages lautet, dass die USA ein internationales Erdölregime beförderten, welches einen weitgehenden Verzicht auf den Einsatz militärischer Mittel beim Konfliktaustrag ermöglichte, gleichzeitig aber die Chancen auf einen „Demokratischen Frieden“ im Vorderen Orient blockierte. Abschließend wird diskutiert, ob der Dritte Golfkrieg einen Paradigmenwechsel einleitete: Welche Indizien liegen vor, dass die USA 2003 einen Krieg um die Kontrolle von Erdöl führten, und wie ist es um die Chancen bestellt, durch die Demokratisierung des Irak einem Demokratischen Frieden im Vorderen Orient näher zu kommen?
3 Internationale Konflikte im Energiesektor und Strategien zu deren Minderung
Die Geschichte internationaler Verteilungskonflikte im Energiesektor zeigt, dass diese mit der strategischen Bedeutung von Energie für die Volkswirtschaften zusammenhängen. Kommt es zu Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage, sind aus geopolitischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Gründen Verteilungskonflikte vorprogrammiert. Auch Umweltpolitik, Globalisierung und zunehmender internationaler Wettbewerb tragen zur Verschärfung bei. Die Strategien zur Minderung von Konflikten sind je nach Kurz- bzw. Langfristigkeit der Angebotsdefizite sowie der jeweiligen Rollenverteilung zwischen Markt und Politik unterschiedlich ausgeformt. Unsicherheiten über die künftige Angebots- und Nachfragesituation werden jedoch ebenso bestehen bleiben, wie auch Interessenunterschiede zwischen Produzenten und Verbrauchern nicht verschwinden werden, obwohl alle aus den Krisen der Vergangenheit gelernt haben. Alle denkbaren Möglichkeiten zu Verständigung und Kooperation müssen daher genutzt werden.
4 Verteilungskonflikte und ihre Regulierungsmöglichkeiten: Die internationale Dynamik von Kriegsökonomien in Afrika am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo
Der Beitrag schließt an die jüngeren Arbeiten der Kriegsforschung an, die bei der Erklärung bewaffneter Konflikte ökonomische Faktoren in den Mittelpunkt der Analyse stellen. Demnach führt die gewaltgesteuerte Akkumulation von Ressourcen in rohstoffreichen Ländern zur Entstehung von Kriegsökonomien, welche die politischen Konfliktursachen überlagern und zur Reproduktion von Gewalt beitragen. Am Beispiel des Regionalkrieges in der DR Kongo werden die symbiotischen Beziehungen zwischen internationalen Verteilungskonflikten und kriegsökonomischen Zielen untersucht. Im zweiten Teil des Beitrags wird die Frage nach den externen Regulierungsmöglichkeiten dieser Verteilungskonflikte untersucht. Aufgrund des Fehlens eines spezifischen Instrumentariums wird für den Aufbau eines verbindlichen internationalen Regelwerkes plädiert, um die ökonomische Aktivitäten transnational operierender Akteure in Konfliktzonen zu steuern.
Historische Miszelle
5 Hundert Jahre und kein bisschen weise? Zum 100. Jahrestag der Abkommen über Guantanamo Bay
Guantanamo Bay ist in aller Munde, seit die US-Regierung den dortigen Flottenstützpunkt zur Internierung von Terrorverdächtigen nutzt. Trotz des großen Interesses sind die der US-Präsenz dort zugrunde liegenden Abkommen, zwei im Jahre 1903 geschlossene US-kubanische Pachtverträge, bisher kaum untersucht worden. Dies überrascht deshalb, weil Kuba immer wieder ein Recht zur einseitigen Lösung von den Verträgen eingefordert hat. Aus Anlass des 100. Jahrestages der Verträge werden die kubanischen Argumente in diesem Beitrag einer kritischen Würdigung unterzogen. Anhand der Kontroverse um Guantanamo Bay wird dabei auch der grundsätzliche Konflikt zwischen Stabilität und Flexibilität völkerrechtlicher Verträge aufgezeigt.

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