BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 2 / 2003
Die Friedens-Warte Ausgabe 2 / 2003
Die Friedens-Warte, 1899 gegründet von Alfred Fried, ist als älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation ein zentrales Forum der friedenswissenschaftlichen Diskussion. Neben dem fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen will die Zeitschrift traditionell einen Beitrag dazu leisten, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.
Doppelheft 2-3/2003
0 AMERIKANISCHE WELTPOLITIK: F-W 2-3/2003
Abhandlungen zu den Themen: Die USA und das Völkerrecht (Georg Nolte),
Irak – Ende des Völkerrechts? (Christian Tomuschat),
Die „Erlöser-Nation“ – Religiöse Wurzeln des US-amerikanischen Exzeptionalismus (Jürgen Moltmann),
Beyond Iraq: The Crisis of the Transatlantic Security Community (Thomas Risse),
Europa in der Weltpolitik: Juniorpartner der USA oder antihegemoniale Alternative? (Volker Rittberger / Fariborz Zelli),
Herausforderungen für die Friedensforschung am Beginn des 21. Jahrhunderts (Volker Rittberger).
9 Rezensionen
M. Fröhlich: Dag Hammarskjöld und die Vereinten Nationen. Die politische Ethik des UNO-Generalsekretärs. Von Manfred Eisele.
S. von Schorlemer (Ed.): Praxishandbuch UNO. Die Vereinten Nationen im Lichte globaler Herausforderungen. Von Norman Weiß.
V. Rittberger (Ed.): Global governance and the United Nations system. Von Helmut Volger.
F.-J. Hutterer: No Rights. Menschenrechte als Fundament einer funktionierenden Weltordung. Von Werner Ruf.
J. von Bernstorff: Der Glaube an das universale Recht. Zur Völkerrechtstheorie Hans Kelsens und seiner Schüler. Von Bardo Fassbender.
10 Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren dieses Heftes.
Abhandlung
2 Die USA und das Völkerrecht
Die Frage nach der Rolle der USA im internationalen System war bereits vor dem Dritten Irakkrieg virulent, nun ist sie akut geworden. Sie betrifft besonders das Völkerrecht: Sind einzelne Verhaltensweisen der USA und Konflikte mit den USA, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Irakkrieg, Symptome für eine Krise des Völkerrechts insgesamt? Der Beitrag sucht eine Antwort auf diese Frage, indem er nach allgemeinen Überlegungen zur Rolle des Völkerrechts in den internationalen Beziehungen das Verhalten der USA in drei zentralen völkerrechtlichen Bereichen beleuchtet, und zwar bei der Rechtsbildung durch multilaterale Verträge, im Recht der Gewaltanwendung sowie im internationalen Wirtschaftsrecht. Im Anschluss an Überlegungen zu den Gründen für das Verhalten der USA werden zehn Thesen formuliert.
3 Iraq – Demise of International Law?
The US-British attack on Iraq was contrary to international law: Selfdefence could not be invoked, and the Security Council had not authorized the invasion either. The operation has brought into jeopardy the principle of sovereign equality of States. Notwithstanding their violation of a central rule of international law, the occupation forces are obligated to ensure law and order in Iraq. It appears necessary to improve the workings of the Security Council, basing such a reform on the concept of institutional responsibility of all its members, as well as of all other conventional mechanisms for the maintenance of international peace and security. The United States, too, will reach its legitimate political objectives much more effectively within the framework of cooperative mechanisms.
4 Die „Erlöser-Nation“ – Religiöse Wurzeln des US-amerikanischen Exzeptionalismus
Dieser Beitrag erörtert einen zentralen Aspekt der weltanschaulichen Grundlagen amerikanischer Außenpolitik, nämlich ihre tiefe Verwurzelung in dem Glauben, ein „auserwähltes Volk“ zu sein und den missionarischen Auftrag zu besitzen, die Welt zu erlösen. Dazu werden die Grundlagen des politischen Messianismus und seine Verankerung im apokalyptischen Denken skizziert, die Bedeutung des Opfertods für die Erfüllung der nationalen Bestimmung hervorgehoben, die Vorstellung von der Manifestation der Bestimmung Amerikas durch die Erfolgen von Ausdehnung und Eroberung (manifest destiny) dargelegt und der experimentelle Charakter des amerikanischen Traums von der Errichtung eines weltweiten demokratischen Gemeinwesens diskutiert. Die Kritik dieses „amerikanischen Experiments“ gründet sich darauf, dass es weder universalisierbar noch wiederholbar ist und Fehler nicht korrigierbar sind.
5 Beyond Iraq: The Crisis of the Transatlantic Security Community
The transatlantic relationship is in a deep crisis, but it can be repaired. The transatlantic relationship constitutes a security community based on a collective identity and common values, on complex (economic) interdependence, and on common institutions regulating the relationship. While interdependence remains intact, there are cracks in the collective identity. Most important, the common institutions such as NATO and the underlying norms of multilateralism and cooperation have suffered during the current crisis. The conflict stems from domestic developments on both sides of the Atlantic leading to different perceptions of contemporary security threats and different prescriptions how to handle them. To repair the transatlantic security community, a new transatlantic bargain is needed. To enable a new bargain, a European counter-vision to the one articulated by the Bush-Administration must be developed.
6 Europa in der Weltpolitik: Juniorpartner der USA oder antihegemoniale Alternative?
Die Autoren argumentieren, dass die gegenwärtig in der Diskussion stehenden Handlungsoptionen einer künftigen europäischen Außenpolitik gegenüber den USA – antihegemoniale Alternative (balancing) oder Juniorpartnerschaft (bandwagoning) – keine sinnvollen Strategien darstellen, da sie theoretisch nur unzureichend begründet werden können und praktisch weder durchführbar noch wünschenswert erscheinen. Um als weltpolitischer Akteur ernst genommen zu werden, muss das Europa der EU vielmehr eine Strategie verfolgen, welche – im Sinne des „Principal-Agent“- Modells – das „Sprechen mit einer Stimme“ befördert und durch die kontinuierliche Verpflichtung der Prinzipale auf das Leitbild der „Zivilmacht“ geprägt ist. Gerade was die zur Realisierung dieser Strategie notwendigen institutionellen Reformen betrifft, greift der kürzlich vorgelegte Entwurf des Verfassungskonvents aber deutlich zu kurz.
7 Herausforderungen für die Friedensforschung am Beginn des 21. Jahrhunderts
Der Beitrag skizziert die Entwicklung der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. Ausgehend von dem Befund, dass die Friedenswissenschaften in Deutschland immer noch nicht über das Stadium einer Nischenexistenz hinausgelangt sind, werden Ziele und Aufgaben der Friedensforschung im Allgemeinen benannt und Haupttendenzen der deutschen Friedensforschung im Besonderen zusammengefasst. Vor dem Hintergrund der Veränderungen im internationalen System nach dem Ende des Ost-West- Konflikts werden neue Herausforderungen benannt und Schwerpunktsetzungen vorgeschlagen. Abschließend wird die Bedeutung der im Jahre 2000 gegründeten Deutschen Stiftung Friedensforschung hervorgehoben, um die deutsche Friedensforschung aus ihrem Schattendasein herauszuführen, die Ausübung ihrer politikbegleitenden Tätigkeit materiell nachhaltig zu unterstützen, die erforderliche Kommunikation mit Politik und Öffentlichkeit zu fördern sowie den Nachwuchs auszubilden.
Historische Miszellen
8 Osttimor – Konfliktlösung durch die Vereinten Nationen
Am 20. Mai 2002 wurde Osttimor feierlich von UN-Generalsekretär Kofi Annan in die Unabhängigkeit entlassen. Vorhergegangen waren fünf Jahrhunderte portugiesischer Kolonialherrschaft, eine nur wenige Tage währende Unabhängigkeit im Jahre 1975 und darauf folgend fast 25 Jahre Besatzung durch den mächtigen Nachbarn Indonesien, der sich die Inselhälfte nach einer Militärinvasion als 27. Provinz einverleibt hatte. Von Oktober 1999 bis 20. Mai 2002 stand Osttimor unter einer Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen. Damit ging ein langjähriger Konflikt zu Ende, der erst in der jüngeren Zeit die Beachtung der Staatengemeinschaft und der Öffentlichkeit gefunden hatte. Der Beitrag zeigt die Ursachen sowie den Verlauf des Konfliktes um die Unabhängigkeit auf und analysiert den Beitrag der Vereinten Nationen zur Lösung des Konfliktes. Abschließend werden einige der Herausforderungen, denen sich das unabhängige Osttimor gegenüber sieht, benannt. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der juristische Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewidmet.

Kontakt

BWV | Berliner Wissenschafts-Verlag
Markgrafenstraße 12–14
10969 Berlin

Tel.: +49 30 84 1770 0
Fax: +49 30 84 1770 21
E-Mail: bwv@bwv-verlag.de

Ansprechpartner

Kontaktieren Sie uns!


programmierung und realisation © 2018 ms-software.de