BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH
Image 4 / 2002
Die Friedens-Warte Ausgabe 4 / 2002
Die Friedens-Warte, 1899 gegründet von Alfred Fried, ist als älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation ein zentrales Forum der friedenswissenschaftlichen Diskussion. Neben dem fachlichen Austausch innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen will die Zeitschrift traditionell einen Beitrag dazu leisten, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltung erforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln.
0 REVOLUTION IN MILITARY AFFAIRS
Abhandlungen zu den Themen:
Mit Kant in den Krieg? Das problematische Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und der Revolution in Military Affairs (Harald Müller / Niklas Schörnig)
Informationskriegsführung und das Paradigma der Revolution in Military Affairs: Konzepte, Risiken und Probleme (Christian Mölling / Götz Neuneck)
Towards post-human warfare: Ethical implications of the Revolution in Military Affairs (Christopher Coker)
The Debate about a Revolution in Military Affairs – A Comment in the Light of Public International Law (Thilo Marauhn)
7 Rezensionen
A. L. Paulus: Die internationale Gemeinschaft im Völkerrecht. Eine Untersuchung zur Entwicklung des Völkerrechts im Zeitalter der Globalisierung. Von Ulrich Teusch.
F. Bodendiek: Walther Schückings Konzeption der internationalen Ordnung. Dogmatische Strukturen und ideengeschichtliche Bedeutung. Von Bardo Fassbender.
8 Autorinnen und Autoren
Autorinnen und Autoren dieses Heftes.
Abhandlung
2 Mit Kant in den Krieg? Das problematische Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und der Revolution in Military Affairs
Die aktuelle Revolution in Military Affairs (RMA) wird fast ausschließlich von westlichen Demokratien, allen voran den Vereinigten Staaten von Amerika, vorangetrieben. Dies ist kein Zufall, verspricht die RMA doch, zentrale demokratische Anliegen zu erfüllen: die Vermeidung eigener Opfer und die Schonung gegnerischer Zivilisten. Je besser es allerdings gelingt, diese Ziele erreichen, desto niedriger sinkt die Schwelle, die Demokratien an einem Kriegseintritt hindert. Diese für sich bereits hoch problematische Entwicklung stößt darüber hinaus eine doppelte Dynamik an: Erstens versucht der Westen um jeden Preis, seine technologische Vorherrschaft zu erhalten und gerät so in einem Rüstungswettlauf mit sich selbst. Und zweitens rechnen die meisten Beobachter mit „asymmetrischen Antworten“ von Staaten, die sich durch die westliche Rüstung bedroht fühlen, welche speziell in der Bewaffnung mit Massenvernichtungswaffen liegen könnten.
3 Informationskriegsführung und das Paradigma der Revolution in Military Affairs: Konzepte, Risiken und Probleme
Die „Revolution in Military Affairs“ stellt heute einen zentralen Schwerpunkt der Sicherheitspolitik und der Rüstungsdynamik dar. Ihr zugrunde liegt die immer intensivere Integration von Informationstechnologien in Strategien, Waffensysteme und Streitkräftestrukturen. Diese Debatte wird überlagert von einem Diskurs über die künftige Rolle von Information als zentralem Faktor in den Kriegen der Zukunft sowohl hinsichtlich der sich dadurch eröffnenden Möglichkeiten als auch der sich daraus ergebenden Bedrohungen. Der Beitrag zeigt, dass unter dem Oberbegriff der Informationskriegsführung verschiedene Konzepte vermischt werden. Insbesondere die beiden Hauptstränge, die informationsbasierte Kriegsführung und der Cyberwar, weisen jedoch vielfache Unterschiede auf. Am deutlichsten wird dies beim Blick auf die ungleichen Ziele und Mittel sowie den jeweiligen Realisierungsstand, aber auch hinsichtlich der sich ergebenden Probleme, Risiken und Reaktionsmöglichkeiten.
4 Towards post-human warfare: Ethical implications of the Revolution in Military Affairs
If the Revolution in Military Affairs represents the future of war it raises disturbing ethical questions about war as a humanistic experience. In the new military environment, soldiers and pilots will have little sense of their own agency as technology becomes the underlying dynamic. Nor will war have a subjective reality. Instead technologically produced realities in the form of virtual reality and simulation will mediate reality largely through technology. Instead of the reality of history we will have that of simulation. Finally, war will no longer offer an inter-subjective experience either. Instead of occupying the same community of fate with the enemy, the American military will be distanced both emotionally and psychologically from what is happening on the ground. What has distinguished the Western way of warfare in the last 2000 years from war practised by non-Western societies has been its humanistic rather than humanitarian features. But with the disappearance of those features we are moving towards a ’posthuman’ future, the ethical implications of which should be profoundly disturbing for both the public and the military alike.
5 The Debate about a Revolution in Military Affairs – A Comment in the Light of Public International Law
A discussion of the debate about a „Revolution in Military Affairs” (RMA) from the perspective of public international law is urgent. This does not mean to assess the legality of RMA as such but to discuss the often unintended side-effects of technological and conceptual changes in military affairs. These changes have an impact upon the ius contra bellum, the ius in bello and the law of arms control and disarmament. In all of these areas there are new challenges emerging in respect of new actors (e.g. terror networks) and new scenarios (e.g. transnational and asymmetric conflicts).
Historische Miszellen
6 Der Historiker und Pazifist Ludwig Quidde (1858–1941) – Träger des Friedensnobelpreises von 1927
Ludwig Quidde (1858–1941), Sohn eines Bremischen Großkaufmanns, begann sein wissenschaftliches und öffentliches Wirken als Historiker des deutschen Spätmittelalters mit der Edition von Quellen aus dieser Epoche. Da seine politischen Überzeugungen sich auf die demokratisch-republikanischen Ziele der Märzrevolution gründeten, stand er der politischen Entwicklung in Deutschland kritisch gegenüber. Die Veröffentlichung der gegen Kaiser Wilhelm II. gerichteten satirischen Schrift „Caligula“ (1894) führte zum jähen Abbruch seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Fortan war er vor allem politisch im Rahmen linksliberaler Parteien und, mehr noch, in führender Stellung innerhalb der deutschen Friedensbewegung tätig. Sein Engagement für den Frieden trug ihm 1927 den Friedensnobelpreis ein. Der Beginn der NS-Herrschaft zwang ihn ins Schweizer Exil, wo er 1941 starb.

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