Friedrich der Große und Jean-Jacques Rosseau - Eine verfehlte Beziehung und die Folgen

Sack, Jörn

Friedrich der Große und Jean-Jacques Rosseau - Eine verfehlte Beziehung und die Folgen

Zugleich ein Essay über den vernünftigen und den künftigen Staat

Bestell-Nr 1914
ISBN 978-3-8305-1914-0
erschienen 06.06.2011
Umfang 163
Gewicht 248 g
Preis 29,00
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Im Jahre 2012 jähren sich die Geburtstage von Friedrich dem Großen und Jean-Jacques Rousseau zum 300. Male. Die wenigsten wissen, dass es zwischen dem König, der ein Philosoph sein wollte, und dem Bürger von Genf und Apologeten der Volkssouveränität, der mit 50 Jahren Friedrichs Untertan wurde, kurzzeitig eine enge Beziehung gegeben hat – die eines politisch und religiös Verfolgten zu einem asylgewährenden Landesherrn. Die Beziehung zwischen Friedrich und Rousseaus Gegner Voltaire ist dagegen Allgemeingut. Das Buch zeigt auf, weshalb zwei Persönlichkeiten, die so viel gemeinsam hatten wie Friedrich und Rousseau, trotz dessen Bemühungen nicht zusammenfanden und der preußische König am Ende sogar als Asylgeber scheiterte. Eine Zusammenarbeit hätte aus Preußen früh einen Verfassungsstaat machen und so der deutschen und europäischen Geschichte einen gänzlich anderen Verlauf geben können – doch Friedrich versagte vor der Herausforderung.
Vor dem historischen Hintergrund und dem mit der Aufklärung beginnenden Staatsdenken wird mit vielen aktuellen Bezügen erörtert, wie der „vernünftige“ Staat der Zukunft beschaffen sein muss, soll der Staat als ordnende Macht der Gesellschaft erhalten bleiben.

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Rezensionen
Schließlich ist noch die Studie von Jörn Sack zu erwähnen, deren umfänglicher Titel bereits aufhorchen lässt. Für den Verfasser ist Friedrich letztendlich nur ein historischer Ansatzpunkt, um seine Thesen über einen „vernünftigen Staat der Zukunft“ zu entwickeln. Bekanntlich konnte Friedrich der Gedankenwelt eines Rousseau nichts abgewinnen. Er war ein überzeugter Dynast. Daher stand ihm Voltaire, an dem Sack kein gutes Haar lässt, auch sehr viel näher. In dessen Schriften fand Friedrich die für ihn ideale Monarchie beschrieben. An dem preußischen Herrscher vermisst Sack vor allem, dass er in seiner Politik zu wenig die Zukunft seines Staates in den Blick genommen habe. Friedrich interessierte sich jedoch primär für sein machtpolitisches Überleben, erst dann für die Zukunft seines Hauses, weniger seines Staates. Trotz aller schriftlichen Rhetorik von seiner Seite sollte man bedenken, dass er keinerlei Anstrengungen unternahm, die erste Pflicht eines Dynasten zu erfüllen, für Nachkommen zu sorgen.

Es ist müßig, mit dem Autor darüber zu sinnieren, welche Entwicklung Mitteleuropa in der Folge genommen hätte, wenn sich Friedrich die Rousseausche Gedankenwelt zu eigen gemacht hätte. Dem Verfasser geht es im Kern vielmehr darum, vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Konjunkturen einem starken Nationalstaat das Wort zu reden, der durch seine Interventionen in Gesellschaft und Wirtschaft dem Gemeinnutz den Vorrang verleiht und ungehindert die Zukunft zu planen vermag. Preußen repräsentiert für Sack vor allem ein solches auf das Gemeinwohl ausgerichtetes Staatswesen, das insbesondere den Handlungsspielraum der anonym agierenden Wirtschaftsmächte streng begrenzte. In den freien Kräften des Marktes und der Wirtschaft sieht er heutzutage die zentralen Widersacher eines „vernünftigen Staates“, wie er ihn versteht. Dies erinnert in vielerlei Hinsicht an Vorstellungen der Kathedersozialisten um Gustav Schmoller, die wie viele bürgerliche Intellektuelle des 19. und frühen 20. Jahrhunderts die aufstrebende moderne Industriegesellschaft voller tiefer Zweifel beobachteten. Indem er Preußen und seinem größten König nochmals Aktualität verleiht, steht die Arbeit von Sack ungeachtet ihrer historischen Stringenz unter den hier angezeigten Studien aber für sich.

Quelle: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de
/rezensionen/2012-4-135
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