ServiceWohnen als Zukunftsaufgabe einer alternden Gesellschaft

Albrecht, Peter-Alexis (Hrsg.)

ServiceWohnen als Zukunftsaufgabe einer alternden Gesellschaft

Reihe Schriftenreihe der Cajewitz-Stiftung, Band-Nr. 4
Bestell-Nr 1898
ISBN 978-3-8305-1898-3
erschienen 16.12.2011
Format Hardcover mit Schutzumschlag
Umfang 409
Gewicht 1080 g
Preis 29,00
Auf die Merkliste In den Warenkorb
In diesem Buch wird ein Stiftungsmodell vorgestellt, das nicht über öffentliche Mittel, sondern über das bürgerschaftliche Engagement privater Stifter realisiert wird. Die Dr. Walter und Margarete Cajewitz-Stiftung arbeitet seit 1979 kontinuierlich im Bereich der mildtätigen und gemeinnützigen Altenhilfe. Es wäre wünschenswert, den Gedanken privater Stiftungsaktivitäten in viel breiterem Maße als bislang für ein SozialesServiceWohnen umfassenderer Art nutzbar zu machen. Die Geschichte der Cajewitz-Stiftung, die sowohl den Aspekt der Gemeinnützigkeit als auch den Aspekt der Angehörigenversorgung der Stifter wirkungsvoll belegt, mag den einen oder anderen anregen, es diesen beispielgebenden Mäzenen gleichzutun. Damit würde man nicht nur älteren Menschen zu einem Leben in Würde verhelfen, sondern auch einer gesamtgesellschaftlichen Zukunftsaufgabe begegnen, die mit der alternden Gesellschaft auf uns alle immer stärker zukommen wird.
Die Vorstellung einer heraufziehenden alternden Gesellschaft sollte nicht angstbesetzt sein. Im Gegenteil: Der wachsende Anteil lebenskluger, gelassener, weniger politisch verführbarer Menschen kann durchaus positive Auswirkungen zeigen. Eine solche Gesellschaft kann mehr Toleranz, mehr Altruismus und mehr Solidarität versprechen. Aktuell ist das Schreckgespenst der alternden Gesellschaft vorrangig besetzt mit wachsenden gesellschaftlichen Kosten, volkswirtschaftlichem Verlust durch die abnehmende Zahl der Erwerbstätigen und – damit einhergehend – einer wachsenden Zahl von Versorgungsempfängern, von denen viele letztendlich in Demenz verfallen und ihr Schicksal in Pflegestätten vereinsamt beschließen müssen. Diese düstere Perspektive widerspricht dem Menschenbild unserer Verfassung und Sozialordnung. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nur aus ökonomischer Sicht geboten, der Entwicklung konstruktiv entgegenzuwirken. Vielmehr gebietet es der Verfassungsauftrag der Menschenwürde, einer alternden Gesellschaft Rahmenbedingungen zu eröffnen, in denen auch ein älteres Leben zu achten und zu schützen die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt ist. Eine positive, beispielgebende Perspektive eröffnet das gemeinnützige Stiftungsmodell des SozialenServiceWohnens. Die fünf Seniorenhäuser der Cajewitz-Stiftung in Berlin-Pankow sind Orte für unabhängige Menschen. Es sind Häuser, in denen nicht nur gewohnt, sondern in denen vor allem gelebt wird. Und es sind gastfreundliche, lebendige Häuser, die Gemeinschaft bieten und die gleichzeitig jedem Bewohner die Privatsphäre geben, die er sich wünscht.
Die Seniorenhäuser unterscheiden sich deutlich von einem normalen Apartmenthaus. Der Architekt Dirk Alten beschreibt nicht nur den Unterschied, er schafft ihn in der Architektur des SeniorenWohnens: „Man kann ein solches Seniorenhaus gut mit dem ‚Bild einer kleinen Stadt’ beschreiben. Die Qualität einer Stadt wird entscheidend geprägt von der Gestaltung und Funktionalität des öffentlichen Raumes, über den sich erst die privaten Häuser, Grünanlagen, Angebote der Nahversorgung und öffentliche Einrichtungen erschließen. Hier in den Seniorenhäusern sind es Wohnungen, Sonnenterrasse, Etagenküchen, Pflegebäder, Waschküchen, Gästewohnungen, Sauna und Veranstaltungsbereiche, die nicht nur miteinander verbunden, sondern Teil eines lebendigen, strukturierten Gefüges werden. Die Unterschiede zum reinen Apartmenthaus liegen in der Qualität der ‚Zwischenräume’, den Fluren, Gängen, Treppen und Foyerbereichen. Diese Bereiche dienen nicht nur der Verbindung zwischen den Zielen, sie sind vielmehr eigenständige Orte der Kommunikation, der informellen Begegnung und der Orientierung. Damit diese Angebote aber auch angenommen und als Bereicherung empfunden werden, ist eine sorgfältige Gestaltung dieser, üblicherweise dienenden, Bereiche notwendig. Sie müssen den gleichen Ansprüchen gerecht werden, die, um im genannten Bild einer Stadt zu bleiben, so auch an öffentliche und private Bereiche, an Infrastruktur und Versorgung gestellt werden.“
×