Gemeinsam Gutes anstiften

Turner, Nikolaus

Gemeinsam Gutes anstiften

Die Anfänge der Bürgerstiftungsbewegung in Deutschland

Bestell-Nr 1657
ISBN 978-3-8305-1657-6
erschienen 13.05.2009
Format Hardcover
Umfang 275
Gewicht 500 g
Preis 29,00
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Gemeinsam Gutes anstiften – mit Geld, Zeit und Ideen. Für die Menschen, für die Region, denn „Charity begins at home“. Das ist das Motto der Bürgerstiftungen, einer neuen Form von Stiftungen in Deutschland; Stiftungen, in denen sich viele Bürgerinnen und Bürger zusammentun und gemeinsam die lokale Gemeinschaft voranbringen. Die ersten Bürgerstiftungen entstanden 1996 und 1997 in Gütersloh und Hannover, schnell kamen neue hinzu. 200 Bürgerstiftungen sind in kürzester Zeit in Deutschland entstanden. In ganz Deutschland wirken sie für ihre Stadt, für ihren Landkreis, für ihre Insel, für ihre Region. Bürgerstiftungen arbeiten mit lokalem Fokus, aber inhaltlich unbegrenzt. Ob Lesepatenschaften, Tafeln zur Verteilung von Lebensmitteln, Schulverweigererprojekte, Renaturierung von Landschaften, Ideenwettbewerbe oder Streetsoccer: Bürgerstiftungen setzen sich für alle denkbaren gemeinnützigen Zwecke ein. Wie kommt es, dass sich in Deutschland so viele Menschen von der Bürgerstiftungsidee anstecken lassen? 13.000 Menschen sind es in unserem Land bis heute, täglich werden es mehr. Stiften hat eine uralte Tradition. Die konkreten Ursprünge der Bürgerstiftungsidee mit ihren bis ins europäische Mittelalter zurückreichenden Wurzeln liegen in den Vereinigten Staaten. In Cleveland/Ohio initiierte Frederik H. Goff 1914 die erste Community Foundation, die erste Bürgerstiftung. Über die Motive der ersten Bürgerstifter in den USA weiß man wenig. Dieses Buch sorgt dafür, dass wir über die Bürgerstiftungen in Deutschland mehr erfahren. Wie die ersten Bürgerstiftungen angefangen haben, wer die Idee aufgegriffen hat, welche Diskussionen die ersten Bürgerstiftungen voranbrachten, darüber berichtet „Gemeinsam Gutes anstiften“. Netzwerke und der Erfahrungsaustausch begeisterter Akteure trugen zur Verbreitung der Bürgerstiftungsidee bei. Ein Gütesiegel sorgt dafür, dass sich die Bürgerstiftungen an eine Selbstverpflichtung zu Unabhängigkeit und Transparenz halten. Aber vor allem
der unermüdliche Einsatz vieler einzelner Menschen hat die Bürgerstiftungen zu dem gemacht, was sie heute sind: Die am eindrucksvollsten wachsende Bewegung in der deutschen Stiftungslandschaft.
Rezensionen
Gemeinsam Gutes anstiften – mit Geld, Zeit und Ideen. Für die Menschen, für die Region, denn „Charity begins at home“. Das ist das Motto der Bürgerstiftungen, einer neuen Form von Stiftungen in Deutschland; Stiftungen, in denen sich viele Bürgerinnen und Bürger zusammentun und gemeinsam die lokale Gemeinschaft voranbringen. Wie die ersten Bürgerstiftungen angefangen haben, wer die Idee aufgegriffen hat, welche Diskussionen die ersten Bürgerstiftungen voranbrachten, darüber berichtet „Gemeinsam Gutes anstiften“.
Berliner Wissenschafts-Verlag 2009, 275 S., ISBN 978-3-8305-1657-6, 29,00 €

Maecenata Notizen (Newsletter des Maecenata Instituts) II 2009 (August)




Gemeinschaftsstiftungen gehören seit dem Mittelalter zum festen Bestandteil der deutschen Stiftungslandschaft. Kollektives gemeinsames Stiften mit regionalem Wirkungskreis ist also keine Errungenschaft der letzten Jahrzehnte. Und doch lässt sich das gestiegene Bewusstsein für lokales bürgerschaftliches Engagement auf die vergangenen 10 bis 20 Jahre fokussieren, verbunden mit der Rechts- und Organisationsform „Bürgerstiftung". Diese Stiftungsform gerät auch deshalb in den Blick, weil ihre Ausbreitung weltweit und in Deutschland über alle Bundesländer hinweg derart rasant erfolgte, dass bereits seit geraumer Zeit treffend von einer „Bürgerstiftungsbewegung" gesprochen wird. Die enge Vernetzung der Bürgerstiftungen untereinander bekräftigt diese Kategorisierung einmal mehr.
Über 200 Bürgerstiftungen entstanden seit 1996 in Deutschland. Anlass genug, der Bürgerstiftungsbewegung eine eigene Publikation zu widmen, die auch ein Leitfaden zur Errichtung weiterer Bürgerstiftungen ist. Welche Vorbilder hatte diese Bewegung, vor welchem Hintergrund, aus welchem Interesse heraus entstanden diese „modernen" Bürgerstiftungen. Was zeichnet diese Stiftungsform aus und worin unterscheidet sie sich von anderen regionalen Akteuren, wie Sparkassenstiftungen, kommunalen oder kirchlichen Stiftungen. Diesen und anderen Fragen spürt der vorliegende Band nach. Der eigentliche Reiz des Buches aber liegt im Bericht über Errichtungsinitiativen, kurz: im Festhalten der Anfänge. Diesen Weg des Erzählens und des Festhaltens von Stiftungsgeschichte beschreiten zehn Autoren. Den prägenden Einfluss von Bürgerstiftungen verdeutlichen die Beiträge des Herausgebers Nikolaus Turner, („Bürgerstiftungen auf Erfolgskurs"), von Wilhelm Krull („Bürger stiften für die Bürgergesellschaft"), Ronald B. Richard, Präsident der ältesten „modernen" Bürgerstiftung der USA, der Cleveland Foundation von 1914 („To Enhance the Quality of Life") und von Horst Köhler („Engagement ist Lebensqualität"). Als lokalen Akteur nordamerikanischen Ursprungs und nunmehr internationalen Umfelds stellt Peter Walkenhorst („Bürgerstiftungen - eine weltweite Bewegung") die Bürgerstiftung dar. Interessant daran ist nicht nur die jeweils national gefärbte Adaption der Idee US-amerikanischer Community Foundations, der Urzelle moderner Bürgerstiftungen, sondern auch deren Verbreitung um den Globus, Zeitspannen, Hintergründe und Initiatoren. Auf die Entwicklung transnationalen bzw. internationalen philanthropischen Engagements durch Bürgerstiftungen darf man gespannt sein.
Ulrich Brömmling („Entstehungsgeschichte der deutschen Bürgerstiftungsbewegung") weist dieser globalen Entstehungsgeschichte Namen und Orte in Deutschland zu, beschreibt anhand einer Vielzahl thematisch zusammengefasster Einzelbeispiele detailliert Entstehungshintergrund, Zweck und Struktur deutscher Bürgerstiftungen. „Die Bürgerstiftungslandschaft ist facettenreich und bunt wie das ganze Stiftungswesen. Und genau das spiegelt sich in der Gründungsgeschichte der einzelnen Bürgerstiftung wider." Und so weiß Brömmling von Einzelstiftern (top-down Modell) und Stiftergruppen (bottom up Modell), von Anstiftern und Wissenstransfer, der Rolle der Aufsichtbehörden, von Wegen der Mittelgewinnung, Briefaktionen und Gründungsvereinen zu berichten, Durststrecken, Krisen und - als wesentliche Erfolgsfaktoren: der Organisationsstruktur, dem Aufbau von Geschäftsstellen sowie dem ersten Projekt. Teilaspekte dieser umfassenden Darstellung greifen die Folgebeiträge von Alexandra Schmied („Der Weg zur ersten Million; Der beste Anfang - Bemerkungen zur kritischen Größe - Evaluation") und von Katrin Sachs („Bürgerstiftungen und ihre Projekte") heraus. Anhand welcher Kriterien lässt sich eine Mindestgröße des erforderlichen Stiftungskapitals errechnen und wie findet die Bürgerstiftung ihr erstes Projekt -gleichermaßen öffentlichkeitswirksam und Profil bildend. Beide Beiträge verdeutlichen, neben der unerlässlichen Kreativität, die Notwendigkeit strukturierten Arbeitens, von Zielvorgaben, des Erfordernisses differenzierter Informationen für Stifter und Förderer sowie verbindlicher Absprachen. Ebenso interessante wie nachahmenswerte Gestaltungshinweise für Zustiftungen, Treuhand- und selbständige Stiftungen unter dem Dach einer Bürgerststiftungen gibt Klaus Rollin („Stifter - Bürgerstifter; Finanzielle Beteiligungen an Bürgerstiftungen"); dies vor allem im Hinblick auf Namens- oder Zweckzustiftungen („Donor Advised Funds"), der Umwandlung von Treuhandstiftungen in Zustiftungen oder der verbrauchbaren Treuhandstiftung, um der Bürgerstiftung zu gegebener Zeit für ein passendes Projekt mit einer großen Geldsumme zur Seite zu stehen.
Burkhard Küstermann („Die Verbreitung der Bürgerstiftungsidee in Deutschland; Der Arbeitskreis Bürgerstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen und die Initiative Bürgerstiftungen") zeichnet mit den Inhalten der Treffen des „Arbeitskreises Bürger Stiftung" des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ebenfalls Stiftungsgeschichte nach und erläutert die Aufgabe der „Initiative Bürgerstiftungen", dem einzigen unabhängigen Kompetenzzentrum für alle Fragen zum Thema Bürgerstiftung.
Die Beiträge von Ulrich Brömmling („Stiftungsethik und Gütesiegel") und Nikolaus Turner („10 Merkmale einer Bürgerstiftung - Bedeutung und Auslegung") runden den gelungenen Blick auf Selbstverständnis, Rahmenbedingungen und Wirken deutscher Bürgerstiftungen ab. Über seine vielfältigen Informationen und Anstöße hinaus verbreitet der vorliegende Band vor allem eines: Lust am An- und Mitstiften.
RAin Dr. Almuth Werner
ZStV - Zeitschrift für Stiftungs- und Vereinswesen, Ausgabe 5/2010, S. 194