Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

Zunker, Albrecht

Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

Entwicklungsgeschichte einer Institution politikbezogener Forschung

unverbindliche Preisempfehlung:
Bestell-Nr 1474
ISBN 978-3-8305-1474-9
erschienen 05.12.2007
Format Hardcover
Umfang 373
Gewicht 841 g
Preis 19,00
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Die Geschichte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ist die Geschichte der Institutionalisierung eines Novums in der deutschen Wissenschaftslandschaft. Es ging den Gründern Anfang der 60er Jahre um den Aufbau einer wissenschaftlichen Institution, die die Probleme, denen Politik sich im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik stellen muss, als Aufgaben unabhängiger politikbezogener Forschung aufnimmt, um dadurch ihren Beitrag zur Klärung sich abzeichnender oder akuter Fragen zu leisten. Dieser Grundgedanke ist trotz aller Wandlungen der Politik und mit ihr der SWP bis heute Leitlinie der Arbeit des Instituts. Der Autor zeichnet den langen Weg der Entstehung und Entfaltung der SWP über mehr als vier Jahrzehnte nach – einen Weg, der sie am Beginn dieses Jahrhunderts unter Integration zweier verwandter Institute von Bayern in die Hauptstadt Berlin führte.
Rezensionen
[...] Einer vergleichsweise jungen Institution ist das Buch von Albrecht Zunker gewidmet. Er befasst sich mit der Geschichte der Stiftung Wissenschaft und Politik und ihrer Bedeutung für die jüngere deutsche Zeitgeschichte. Als sie Anfang der 60er Jahre gegründet wurde, ging es um den Aufbau einer wissenschaftlichen Institution der Politikberatung, die außenpolitische Fragen unabhängig erforschen und so zur Klärung aktueller Themenfelder beitragen sollte. Dieser Grundgedanke bestimmt bis heute das Leitbild des Instituts. Die streng chronologisch geordneten Ausführungen sind durch Fotos illustriert und am Schluss durch verschiedene Materialien ergänzt, darunter einem Register, das sämtliche Mitglieder und Amtszeiten der Gremien der Stiftung aufzeichnet, einschließlich des Autors selbst, der von 1987 bis 2004 Mitglied des Vorstandes war. [...]

Stiftung & Sponsoring, Heft 4/2008, S. 46-48



In Deutschland, in der hiesigen Universitäts- und Institutionengeschichte, ist die internationale Optik etwa in Form der internationalen Politikforschung oder der internationalen und vergleichenden Bildungsforschung erst nach dem Zweiten Weltkrieg, vermehrt in den 1960er und 1970er Jahren – nicht zuletzt unter dem Eindruck des Ost-West-Gegensatzes – stärker beachtet worden. Die in diesen Forschungsterrains sehr bald erbrachte Kompetenz hat Politik und Wirtschaft veranlasst, den zuständigen Rat zu erfragen, der für eigenes Handeln eine solide argumentative Grundlage zur Verfügung stellen konnte.
Es dringt in die Politik zunehmend die Selbstverständlichkeit von externer Politikberatung ein, die erst im Laufe der Jahre jene Balance zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Handlungsempfehlung herzustellen vermochte. Beide Partner, die Wissenschaft und die Politik, mussten in diesem Prozess erst die Möglichkeiten und Grenzen der Beratung erlernen. Die Wissenschaft musste sich auf die einfache Wahrheit einrichten, dass man eine Beratung, einen Ratschlag, eine Empfehlung annehmen kann oder auch nicht, das meint, Politikberatung kann die Politikentscheidung nicht binden, und die Nichtbeachtung der Empfehlung muss ohne gekränkte Eitelkeit angenommen werden. Und andererseits muss die Politik den Eigengeist von Wissenschaft akzeptieren, die sich in inhaltlicher Freiheit vollzieht und an Weisungen nicht gebunden ist. Es versteht sich für beide Partner, dass Beratung ein abgesprochenes Maß an Diskretion erfordert und dass nicht alle Ergebnisse, die einer konkreten Beratung zufließen, auf dem Markt der Öffentlichkeit ausgebreitet werden können.
Politikberatung und internationale Politikforschung – es gab sie gewiss in wissenschaftstheoretischen und wissenschaftspolitischen Ansätzen bereits in den 1920er Jahren, etwa im weiteren Umfeld von Alfred Weber – wurde in der Bundesrepublik wissenschaftsinstitutionell am Beginn der 1960er Jahre populär. In diesem Zusammenhang steht auch die jetzt durch die Publikation von Albrecht Zunker geschichtlich erschlossene Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), die 1962 gegründet wurde und in der Satzung von 2001 dann so ihren selbstgestellten Auftrag definierte: "Zweck der Stiftung ist es, im Benehmen mit dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung wissenschaftliche Untersuchungen auf den Gebieten der internationalen Politik, sowie der Außen- und Sicherheitspolitik mit dem Ziel der Politikberatung auf der Grundlage unabhängiger wissenschaftlicher Forschung durchzuführen und in geeigneten Fällen zu veröffentlichen" (S. 304). Nun, dies beschreibt den Endpunkt einer langen Geschichte, mit Widerständen auf beiden Seiten. Den Anfang des Unternehmens hat Arnold Bergstraesser gemacht und in Szene gesetzt (S. 1 ff.), international erfahren, mit praktischem Sinn ausgestattet und mit einer Vision begabt, die sich nicht in begrenzten Möglichkeiten verhedderte. Mich erinnert das gelegentlich an das Wort Wilhelm von Humboldts, mit dem er den Gründungsakt der Universität Berlin trefflich charakterisierte: "Man beruft eben ein paar tüchtige Männer und dann wird sich die Sache schon encadrieren". Zu den tüchtigen Männern zählten neben Bergsträsser Hans Raupach, Richard von Weizsäcker, Hans Kruse, Klaus Ritter (S. 27) und gewiss auch der Assistent Bergsträssers, der damalige Dozent Dieter Oberndörfer, der vor allem das amerikanische Beispiel dem Anfang des deutschen "Think-Tank" beisteuerte (S. 32 ff). Und in der Tat konnte man aus den ausländischen Modellen, die bereits eine gefestigte Tradition für sich verbuchen konnten und zumeist durch exzellente Namen ausgezeichnet waren, einiges lernen.
Man denke hier an die nach dem Zweiten Weltkrieg, 1948, gegründete RAND Corporation (Research AND Development), die heute in ihren Filialen zusammen mit der Zentrale in Santa Monica 1.600 Mitarbeiter umfasst; die Stiftung Wissenschaft und Politik, zählt heute nur etwa ein Zehntel davon; die Exzellenz spiegelt sich u. a. in Namen wie Arthur Raymond, Cecil Hastings, Francis Fukuyama, Condolezza Rice. Man denke auch an das Royal Institute of International Affairs im sagenumwobenen Chatham House an Londons St. James' Square, das bereits 1920 entstanden ist. Noch älter, nämlich aus 1831 stammend, ist das Royal United Services Institute (RUSI); es hat jüngst im Zusammenhang mit der offiziellen britischen Immigrations- und Multikulturalismuspolitik erhebliches Aufsahen erregt, weil seine Stellungnahmen dazu doch zu deutlich von der regierungsoffiziellen Linie abwichen. Diese Auseinandersetzung markiert eine Gefährdung der Politikberatung, dass ihr nämlich die Öffentlichkeit ihrer Expertisen nicht immer gut bekommt. Natürlich können solche ausländischen Modelle nicht im Sinne von Kopien ein Beispiel abgeben, sie können aber auf das Vermögen einer wissenschaftlich fundierten Politikberatung aufmerksam machen und dazu anregen, die Beratung auf die eigenen Strukturen und Ordnungen zu beziehen, anzuwenden und umzuschreiben.
Im Verfolg der vorliegenden Publikation wird die Geschichte des Institutes besonders in Bezug auf die Akteure in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft dezidiert ausgebreitet und vieles zur Kenntnis der Mechanismen von Politik und Politikberatung in der jungen Bundesrepublik mitgeteilt. Solchermaßen ist diese Schrift eben mehr als nur eine Geschichte einer Institution. Albert Zunker, jahrelang dem Institut u. a. als dessen stellvertretender Direktor verbunden, verfügt über eine beeindruckende Kenntnis von Personen in ihrem zeitgeschichtlichen Umfeld, die einer Geschichte der Bundesrepublik ihr personales und politisches Profil geben.
Man wird auf die Geschichte von Wissensdisziplinen (Politikwissenschaft, Soziologie, Staatsrecht, Verfassungsrecht und Verwaltungsrecht) im Gefüge sich differenzierender Universitäten hingewiesen, man erinnert sich dabei an Reformgremien und sachverständige Kommissionen (Wissenschaftsrat), man lernt vieles von den internen Auseinandersetzungen in den Ministerien und zwischen ihnen (S. 53 ff), von Planungsstäben, die Politikberatung intern zu regeln versuchen (S. 107 ff).
Hier liegt damit einmal ein Erinnerungsbuch vor, aber auch ein Beitrag zum Werden und zur Selbstvergewisserung der Bundesrepublik. Natürlich bleibt dabei die Entwicklung des Instituts nicht im Ungewissen. Wie das Institut seine Kompetenz, die äußere und die innere, gemehrt hat, wird ebenso akribisch verzeichnet (S. 129ff), wie auch die Expansion, die räumliche und die personelle. (S. 163 ff). Dass die Reform nicht abgeschlossen, nicht abschließbar ist, signalisiert schon die Überschrift "Reform in Permanenz", wobei auch nicht unterdrückt wird, dass bei dem Umzug nach Berlin das institutionelle Gefüge durchaus in Gefahr war, bis hin zu der schnoddrigen Bemerkung von Bundeskanzler Schröder: "Was brauche ich die (gemeint das Institut), ich habe doch den Steiner" (gemeint Steinmeier, S. 274).
In dieser Zeit musste das Institut zudem eine Herausforderung besonderer Art bewältigen, nämlich die Integration, hier heißt es "Zwangsheirat", des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien (Köln, S. 231) und die "Amputation des Südost-Instituts (SOI), München" (S. 252). Auch das scheint allmählich verwehte Vergangenheit. Heute, so gibt die Publikation beschließend Auskunft, ist das Institut endlich auf dem Zustand angekommen, den selbst kühne Optimisten nicht im Vorwege zu erwarten wagten: der Wissenschaftsrat attestiert 2006 dem SWP "eigene Forschungen und Dienstleistungen auf hohem wissenschaftlichen Niveau". Solche Wertschätzung kommt zustande:
- durch die wissenschaftlich-thematische Spanne, die man schon an der Zahl und Struktur der Fachgruppen ablesen könnte,
- u. a. durch die "Berichte" des Instituts, die beides vereinen: Aktualität und wissenschaftliche Grundlegungen,
- und durch die Vernetzung mit Universitäten und anderen außeruniversitären Instituten, die die Optik wissenschaftspolitischer und inhaltlicher Interessen auf beiden Seiten geschärft haben.
Freilich ist das Geschäft der Politikberatung auch schwieriger geworden, weil der Politikstil sich in einer Weise entwickelt hat, der die intensive Reflexion und das wissenschaftlich ausholende Wort kaum mehr zu Kenntnis nehmen kann oder will: "nervöse Betriebsamkeit", die "überhaupt für perspektivisches Nachdenken keinen Raum lässt" (S. 285).
Und gewiss, dies muss zum Schluss noch erwähnt werden, lebt das Institut und ist seine Entwicklung gekennzeichnet von drei Direktoren, die die Gründung, die wissenschaftliche Entfaltung bis hin zur Konsolidierung am heutigen Standort Berlin befördert haben: Klaus Ritter, der disziplinierende Strukturreformer, Michael Stürmer, der publizistisch versierte Wissenschaftler, und Christian Bertram, der brillante Motivator; man könnte auch entwicklungsgeschichtlich andere Zuschreibungen verwenden: Ritter der Entwickler und Aufbauer, Stürmer der Öffner und Vermittler, Bertram der Kommunikator und Moderator (S. 224 ff). Freilich, der Cantus firmus, den der Autor auf Christian Bertram anstimmt (S. 283) gerät m. E. zu vollmundig und hochtönend, aber wir wollen diese Passage mit dem Wort aus der Vulgata (Math. 12,34) entschuldigen: "Ex abundantia cordis os loquitur".
Einen Wunsch möchte ich nicht unterdrücken: das Institut möge gelegentlich dem "internationalen Argument" in der bildungspolitischen Diskussion ein kritisches Augenmerk schenken, damit den Verkürzungen bildungswissenschaftlicher Untersuchungen internationaler Organisationen durch die politische Öffentlichkeit ein Ende bereitet wird.

(Joachim H. Knoll, Bochum/Hamburg)

Zeitschrift für Rechts- und Geistesgeschichte, Jg. 60, Heft 4/2008, S. 377-379



Geniale Konstruktion

Die "Stiftung Wissenschaft und Politik" (SWP) entstand in den sechziger Jahren nach dem Vorbild amerikanischer think tanks und des Londoner Instituts für Strategische Studien. Der Gründung der Stiftung und ihrer Entwicklung widmet sich Albrecht Zunker, der von 1977 bis 2004 der SWP angehörte. Mit feinem Sinn für die oft unterschätzte Bedeutung von Haushaltsregelungen spürt er der genialen Konstruktion der Einrichtung nach, die als private Stiftung – aber weitgehend finanziert vom Bund – zwar praxisbezogene Forschung bot, aber keine bloße Auftragsforschung betrieb, sondern auf wissenschaftliche Unabhängigkeit achtete. Dies bewahrte die SWP davor, einfach abgewickelt zu werden, als es nach dem Kollaps des Sowjetsystems und aus Sparzwängen darum ging, alle Ostforschungsinstitute zu einem Bundesinstitut zusammenzulegen. Am Ende wurde der Zusammenschluss mit dem Kölner Bundesinstitut für Ostforschung durchgesetzt, aber unter Wahrung der bewährten Rechtsform. Die gegenwartsbezogene Abteilung des Münchener Südost-Instituts kam hinzu. Der Umzug von Ebenhausen, Köln und München nach Berlin konnte 2000 abgeschlossen werden. Seither ist die Nähe zu den politischen Akteuren gestiegen, und die mediale Präsenz wird gepflegt.

(Siegfried Thielbeer)

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 – 2008, www.faz.net, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2008, Nr. 237, Seite 11



Außenpolitische Politikberatung in Deutschland ist als Gegenstand wissenschaftlicher Publikationen bisher kaum beachtet worden. Für ihre Forschungsinstitutionen gilt dies in besonderem Maße. Somit ist das Erscheinen einer Monographie über die Geschichte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ausdrücklich zu begrüßen. Sie ist der größte außenpolitische Think Tank Deutschlands und beherbergt seit ihrem Umzug nach Berlin auch die bundesgeförderte Osteuropaforschung.
Albrecht Zunker, der mehr als 25 Jahre Mitarbeiter und stellvertretender Direktor der Stiftung war, legt eine Mischung aus Dokumenten- und Literaturstudium sowie persönlichen Erinnerungen vor. Dabei setzt er den Schwerpunkt seiner Darstellung auf die Gründungsphase der Stiftung in den frühen sechziger Jahren. Er schildert ausführlich die Umstände und stellenweise auch Zufälle, unter welchen die SWP in Ebenhausen bei München entstand. Hierbei hatte der Bundesnachrichtendienst, aus dessen Umfeld u.a. auch der erste Direktor des Institutes, Klaus Ritter, stammte, ebenso eine Schlüsselfunktion wie das Auswärtige Amt und das Bundeskanzleramt, in dessen Kompetenzbereich die SWP schließlich angesiedelt wurde. Ebenso waren Personen des öffentlichen Lebens wie der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der Jahrzehnte den Vorstandsvorsitz innehatte, oder Stiftungsratsmitglieder Helmut Schmidt (SPD), Thomas Denier (FDP) und Kurt Birrenbach von großer Bedeutung. Dem institutionellen und rechtlichen Rahmenwerk der Stiftung widmet Zunker in seiner Darstellung viel Raum. Er vermittelt dem interessierten Leser aber auch die politischen Hintergründe von getroffenen Entscheidungen. Ebenso wirft er einen Blick auf die Publikationen des Institutes, der aber eher knapp gehalten ist.
Anderes hingegen gerät in den Hintergrund. Das betrifft etwa die Gründe für die 1998 erfolgte Ablösung des damaligen Direktors Michael Stürmer. Ebenso wäre es interessant gewesen, wichtige Kernereignisse der deutschen Außenpolitik genauer zu betrachten, z.B. die Entspannungspolitik der 1970er Jahre und der Frage nachzugehen, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Institutes sie bewertet haben und ob es einen Meinungspluralismus unter ihnen gab. Dass der Umzug nach Berlin auch auf wissenschaftlicher Ebene ein schwieriger Prozess war, zumal wenn es galt, die SWP mit den Resten der bundesgeförderten Osteuropaforschung zu verschmelzen, belegt Zunker im vorletzten Kapitel. Dies waren die Gegenwartsabteilung des Münchener Südostinstitutes und vor allem das Kölner Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BlOst). Besonders die Rechtsform des letztgenannten als "nachgeordnete Behörde" in Verbindung mit einem wissenschaftlichen Direktorium bewertet er kritisch; es habe zu manchen eigenwilligen Bewertungen und politischem Proporzdenken geführt.
Im letzten Kapitel steht schließlich die wissenschaftliche Arbeit des neuen Institutes in Berlin im Vordergrund. Hierbei sei vor allem die Akzentverschiebung, weg von der reinen wissenschaftlichen Ressortberatung, hin zu einer stärkeren Aufwertung des Austausches mit dem Parlament und steigender Medienpräsenz bemerkenswert. Auch die Publikationsmenge von Studien und aktuellen Analysen im Internet habe deutlich zugenommen.
Zunkers interessante Studie, die mit einem materialreichen Anhang versehen ist, endet mit der These, dass sich die Struktur der SWP über alle Jahrzehnte und Satzungsänderungen hinweg bewährt hat und ihrer Aufgabe als Kompetenzzentrum wissenschaftlicher Außenpolitikanalyse auch in Zukunft gewachsen sein wird. Hingegen ist nicht nur aus Sicht der Osteuropaforschung zu fragen, ob eine Abteilung von sechs bis acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Dauer ausreichen wird, die aktuellen innen- und außenpolitischen Entwicklungen im gesamten GUS-Raum zu erfassen und zu bewerten. Allein die gegenwärtigen Turbulenzen in der Innen- und Außenpolitik Russlands geben zu einer gegenteiligen Bewertung Anlass.

(Reinald Lukas)

Osteuropa, 2/2008, S. 115





Zunker hat die Geschichte der Stiftung Wissenschaft und Politik nicht nur aufgeschrieben, sondern sie fast dreißig Jahre selbst mitgestaltet – u. a. als deren stellvertretender Direktor. Es ist die Geschichte der Institutionalisierung eines Novums in der deutschen Wissenschaftslandschaft. Es sei den Gründern Anfang der 60er-Jahre um den Aufbau einer wissenschaftlichen Institution gegangen, die die Probleme, denen Politik sich im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik stellen muss, als Aufgaben unabhängiger politikbezogener Forschung aufnimmt, um dadurch ihren Beitrag zur Klärung sich abzeichnender oder akuter Fragen zu leisten. Dieser Grundgedanke sei bis heute die Leitlinie der Arbeit des Instituts, so der Autor. Er zeichnet den langen Weg der Entstehung und Entwicklung der SWP über mehr als vier Jahrzehnte nach. In der Zeit haben sich auch die Inhalte gewandelt: Während anfänglich die nukleare Nichtverbreitung und Fragen der Rüstungskontrolle, Entwicklungen in der Sowjetunion und in Osteuropa oder die Ostpolitik der Verbündeten im Mittelpunkt standen, richtete sich der Blick in den letzten Jahren auf globale Entwicklungen und Risiken, auf nichtstaatliche Akteure, Rohstoffkonflikte, auf Aspekte der Energiesicherheit und des Klimawandels. Der Umzug von Ebenhausen nach Berlin sei mehr als ein Ortswechsel gewesen, so Volker Perthes, der amtierende Vorstandsvorsitzende der SWP. Er symbolisiere auch die Transformation der Stiftung zu einem "Think Tank, zu einer modernen Forschungs- und Beratungseinrichtung, die im nahezu täglichen Austausch mit der 'Politik' steht und in ihrer Arbeit gleichermaßen auf Wissenschaftlichkeit achten muss" (X). Der Bedarf an unabhängiger außen- und sicherheitspolitischer Forschung und Beratung habe in Deutschland zugenommen. Perthes charakterisiert die SWP erstens als einen "Ort der leisen Töne" (XI), an dem keine Diskussionen fürs Fernsehen stattfinden, und zweitens als unabhängige Institution. Daher seien im Stiftungsrat neben dem Bundeskanzleramt auch sämtliche Ressorts der Bundesregierung sowie alle Bundestagsfraktionen vertreten.

(Sabine Steppat, Dipl.-Politologin, Redakteurin der ZPol)

Erschienen online am 12.08.08 unter www.zpol.de



Die SWP und ihr Forschungsinstitut trachteten von Anfang an, zunächst im bayrischen Ebenhausen beheimatet, auf Unabhängigkeit, auch gegenüber ihren Auftragsgebern. Oder wie der jetzige Direktor des Forschungsinstituts Volker Perthes einleitend betont: Die SWP hat seit ihrer Gründung Anfang der 1960er Jahre den "Bundestag im Ganzen und die jeweilige Bundesregierung als ihre Partner und als privilegierte Empfänger ihrer Beratungsleistungen" begriffen. Auch aufgrund ihrer Stiftungsform zeigt sie sich – abgesehen von den öffentlichen Geldern (Haushalt 2006: etwa zehn Millionen Euro) – auftragsunabhängig. Wie sich die SWP seit ihrem Umzug Anfang 2001 in die Hauptstadt und nach der Verschmelzung mit anderen Bundesinstituten (wie dem Kölner BIOST) und Forschern aus München gewandelt hat, handelt auf sehr präzise und differenzierte Art der Verfasser und Politikwissenschaftler Dr. Albrecht Zunker ab und bietet oftmals erstaunliche Einblicke in einen kleinen Wissenschaftskosmos der feinsten und auch sensibelsten Art (lange wurde von Kritikern der SWP die – auch räumliche – Nähe zum Bundesnachrichtendienst und dessen geheimen Informationen nachgesagt), war Zunker doch bis Sommer 2004 über ein Jahrzehnt mit den Besonderheiten und Profilierungen auf der Führungsebene recht gut vertraut.
Das "Gewächshaus", wie er zur Ebenhausener Idylle liebevoll-spöttisch bemerkt, hat sich in den späteren Jahren und im Berliner Umfeld zu einer respektablen Beratungsinstitution im Politikmilieu gemausert. Die SWP ist als "Think Tank" aber keine öffentliche Anstalt für beliebige Interessenten, sondern hält sich eher dezent zurück. Großer Einfluss wirkt im Stillen. Die zunehmenden Beratungspotenziale für die Politik (auch für Sicherheit und Wirtschaft) in Deutschland stellt der Heidelberger Martin Thunert in seinem jüngsten Beitrag für die neue (Fach-)Zeitschrift für Politikberatung (ZPB, H. 1, Jg. 1, 2008) dar: "Think Tanks in Germany: Their Resources, Strategies and Potential".

(Dr. Eduard Gloeckner)

Europäische Sicherheit, Heft 7/2008, S. 86



Wissenschaftliche Beratung in internationaler Politik

Der Weg zu einer deutschen Institution

Die von Albrecht Zunker sorgfältig recherchierte Entwicklungsgeschichte der heutigen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zeigt zumindest zweierlei: einmal, dass wissenschaftliche Politikberatung, in den USA seit längerem praktiziert, keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist – in der Schweiz ist sie nie oder bestenfalls bruchstückweise zustande gekommen –; zum andern wird deutlich, wie komplex und oft auch politisch heikel gerade in der europäischen "Zentralmacht" Deutschland eine solche auf möglichst große Unabhängigkeit bedachte Beratung sein kann. Wie es der Autor mit Akribie und der da und dort erforderlichen Diskretion darlegt, war der Weg zur Schaffung einer solchen Beratungsinstitution hindernisreich und recht langwierig. Nicht nur existierte aus der Zeit der Weimarer Republik keinerlei Vorgänger. Vielmehr gab es auch Bedenken von Seiten der angesprochenen Verwaltung hier und Konkurrenzbefürchtungen bereits existierender wissenschaftlicher Institutionen da.
Die Notwendigkeit einer eigenständigen, wissenschaftlich abgestützten Beratung wurde in den frühen sechziger Jahren einsichtig: Deutschland schien auf unabsehbare Zeit geteilt, bedroht von einer sich immer selbstbewusster gebenden Sowjetunion, gedrängt zur Wiederaufrüstung, konfrontiert mit amerikanischen Plänen für eine atomar gerüstete multinationale Streitkraft. Die Regierung sah sich zudem direkt angesprochen durch das Projekt eines Atomsperrvertrags. Hinzu kamen, im Gespann mit Frankreich, Deutschlands Schlüsselrolle im europäischen Einigungsprozess und die aus zunehmender wirtschaftlicher Stärke erwachsene Rolle in der Dritten Welt. Die Befürchtung, Deutschland könnte Opfer der sich rasch verändernden Großwetterlage werden, half das "Keuschheitsgebot der Politikberatung" nun doch zu relativieren. Die Situation lieferte Grund genug, das immer anspruchsvollere Umfeld wissenschaftlich zu beackern und für die Regierung, zumal für das Bundeskanzleramt, das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium, eine Anlauf- oder Abrufstelle für die Bearbeitung und Klärung aussen-, sicherheits- und wirtschaftspolitischer Fragen zu bilden.
Während über dreißig Jahren geschah dies in dem südlich von München gelegenen Ebenhausen (mit Verbindungsbüro in Bonn), nach der Wiedervereinigung und einer eher schmerzhaften Einbindung des angesehenen Kölner "Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien" dann in Berlin. Diese nur im Rückblick fast schwerelos erscheinende Geschichte der SWP wurde nicht zuletzt dank ihren Direktoren zum Erfolg. Es waren dies der inspirierende Gründungsvater Klaus Ritter, der von der Universität Erlangen übersiedelte Michael Stürmer und der ehemalige Direktor des Londoner Instituts für Strategische Studien Christoph Bertram. Mit dem neuen Direktor, dem Mittelostexperten Volker Perthes, kam es erstmals zu einer Berufung aus dem Institut selber. Heute ist die SWP die in Europa führende Institution auf ihrem Gebiet – ein Leistungsausweis, den Zunkers Darstellung fast zu diskret, aber vielleicht deswegen umso überzeugender darstellt.

(Curt Gasteyger)

NZZ 07.03.2008, S. 69



Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin gilt in Fragen der internationalen Politik als die bedeutendste Denkfabrik in Deutschland. Das außeruniversitäre Institut mit rund 150 Mitarbeitern, darunter ein halbes Hundert Wissenschaftler, ist insbesondere für Bundestag und Bundesregierung ein Dialogpartner. Obwohl vom Bund mit jährlich 10 Millionen Euro finanziert, legt es Wert auf unabhängige Expertise. Albrecht Zunker, viele Jahre stellvertretender Direktor des Instituts, hat eine ungemein materialreiche Geschichte der SWP vorgelegt, 1962, in der Hochzeit des Kalten Krieges, gegründet, waren nicht zuletzt deutsche Interessen gegenüber dem Bilateralismus der Supermächte deutlich zu machen. Mittlerweile hat sich das Umfeld der internationalen Politik grundlegend gewandelt. Das sowjetische Herrschaftssystem ist zusammengebrochen, aber anfängliche Hoffnungen auf eine "Friedensdividende" zerstoben bald. Vielmehr häuften sich weltweit die Konflikte, ob auf dem Balkan, in Afrika, in Nahmittelost und darüber hinaus. Die SWP ist also mehr denn je gefragt.

Das Parlament, Nr. 8, 18. Februar 2008, S. 14
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