Produktive Spiegelungen

Lüderssen, Klaus

Produktive Spiegelungen

Recht in Literatur, Theater und Film / Band II

Reihe Juristische Zeitgeschichte Abt. 6, Recht in der Kunst - Kunst im Recht, Band-Nr. 33
Bestell-Nr 1443
ISBN 978-3-8305-1443-5
erschienen 15.10.2007
Format Hardcover mit Schutzumschlag
Umfang 160
Gewicht 414 g
Preis 39,00
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Die in diesem zweiten Band der "Produktiven Spiegelungen" veröffentlichten Arbeiten sind ebenfalls bestimmt durch die Perspektive, dass Kunst – wenn auch höchst subjektive – Erkenntnis ist. Das bedeutet, dass – wie konstruktiv auch immer begriffene – Wirklichkeit dazugehört, und sei es auch nur im Sinne der "Stimmigkeit".
Die neuen Texte sind nicht in systematisierender Absicht enstanden; vielmehr beruhen sie auf diversen Anlässen, wie Geburts- und Todestagen der Schriftsteller, Ausstellungen, Theaterereignissen, besondere Aufmerksamkeit beanspruchenden Neuerscheinungen oder auch Zufallsfunden. Das macht die Zusammenstellung aber nicht beliebig; immer geht es um den Bezug zum Recht im Sinne des hier gewählten Ausgangspunktes.
Rezensionen
Ein erster Sammelband mit Arbeiten Klaus Lüderssens zum Themenbereich "Recht in Literatur, Theater und Kunst" ist 2002 in Neuauflage vorgelegt und einige Jahre später in dieser Zeitschrift besprochen worden (H. Weber, NJW 2005, 584). Ihm folgt nun ein zweiter Band. Auch er versammelt durchaus unterschiedliche Texte – von knappen, für das Feuilleton geschriebenen Artikeln bis hin zu ausführlicheren, mit einem wissenschaftlichen Apparat versehenen Abhandlungen (meist Vorträgen) – zu einer weit gespannten Themenpalette. Die meisten der in den Band aufgenommenen Arbeiten sind zuvor an anderer Stelle veröffentlicht worden; in einigen Fällen handelt es sich aber auch um Erstpublikationen.
Gut ein Drittel des Umfangs des Buchs nimmt der erste Abschnitt in Anspruch, in dem unter der Überschrift 'Früher rechtlicher Realismus im Idealismus' drei Aufsätze zu Friedrich Schiller zusammengefasst sind – einem Klassiker, dem Lüderssen vor kurzem auch ein selbstständiges Buch gewidmet hat ("'... dass nicht der Nutzen des Staats Euch als Gerechtigkeit erscheine' – Schiller und das Recht", 2005). Auf besonderes Interesse des am Thema 'Recht und Literatur' interessierten Juristen darf hier sicher der Beitrag zu 'Schiller und die Jurisprudenz' rechnen. Ein zweiter Abschnitt behandelt 'Strafrecht in totalitären Zeiten' - mit Feuilletons unter anderem zu den Romanen 'Im Krebsgang' von Günter Grass, 'Der Vorleser' von Bernhard Schlink und 'In seiner Kindheit ein Garten' von Christoph Hein, aber auch einem - bisher unveröffentlichten - Essay 'Das Bad der Sträflinge – Dostojewski, Beckmann und Janäcek in Guantanamo'. Es folgt der Abschnitt 'Der falsche Freund im Zwielicht des Rechts'. Er bringt unter anderem eine Auseinandersetzung mit Dieter Wedels Fernsehfilm 'Der Schattenmann' (anhand dessen Lüderssen Probleme des verdeckten Ermittlers reflektiert) und einige knappe – vielleicht allzu knappe – Bemerkungen über Martin Walsers 'Tod eines Kritikers' und das (in neuester Zeit nicht nur bei Maxim Billers Roman 'Esra' wieder hochaktuell gewordene) Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit. Den Schluss macht der letzte Abschnitt 'Die verkehrte Welt des Rechts'. Aus ihm sei hier nur der Beitrag 'Die düstere Poesie des Paradoxen im Recht' herausgegriffen, in dem Kafkas 'Proceß' und verwandte Texte behandelt werden – unter ihnen vor allem der unter dem Titel 'Audienz in Rom' seit 1962 mehrfach auch in Deutschland (in der damaligen DDR) veröffentlichte Roman 'Das Amt' des polnischen Autors Tadeusz Breza, der – so Lüderssen (S. 146) – 'ein halbes Jahrhundert nach Kafka vergleichbare Umstände der kirchlichen Gerichtsbarkeit analysiert – wiederum nicht abstrakt, sondern anhand des Schicksals der Intervention, die ein aus dem kommunistischen Polen kommender junger Mann für seinen Vater, der als kirchlicher Justitiar Schwierigkeiten mit seinem Bischof hat, bei der Rota in Rom unternimmt'.
Auch diesmal wieder ein lesenswerter Band, auf dessen Fortsetzung durch eine weitere Sammlung angesichts der unveränderten Produktivität des Autors (vgl. zuletzt seinen Beitrag "Das Furchtbare zu erkennen" zu Jonathan Littells "Die Wohlgesinnten", FAZ vom 31. 12. 2008) der Leser hoffen darf.

(Rechtsanwalt Professor Dr. Hermann Weber, Frankfurt a. M.)

NJW, Heft 11/2009, S. 746



Dass die Rechtswissenschaft nachhaltig von Literatur und Kunst profitieren könne, ist das Leitmotiv der Essays des emeritierten Strafrechtlers Klaus Lüderssen. Seiner neugierigen Lektüre unterliegen Klassiker, zeitgenössische Inszenierungen auf Theaterbühnen, populäre Fernsehspiele und die gängige Belletristik der vergangenen Jahre (Schlink, Hein, Walser). In alledem sucht er den Mehrwert, den die Kunst für die Jurisprudenz hat, und immer wird er fündig. Seine Haltung ist dabei kritisch und distanziert. Er bleibt Jurist, aber noch in jeder Darstellung des Rechts schlummert ein rechtstheoretischer oder rechtsphilosophischer Schatz, den es zu heben gilt. Schillers "Räuber" werden mit elementaren Fragen der juristischen Methodenlehre zusammengeführt, Dieter Wedels TV-Mehrteiler "Der Schattenmann" als Argument gegen die fragwürdige Arbeit verdeckter Ermittler gelesen. Das ist vor einem enzyklopädischen Bildungshintergrund durchdacht und zugleich leichthändig geschrieben. Manchmal freilich erschöpfen sich die Stücke in Andeutungen, deren Bezüge man sich vertieft ausgeführt gewünscht hätte. Das sollte man aber nicht nur als Mangel verstehen, es liegt manchmal auch im Genre des Essays begründet, der seinerseits einen Mehrwert bietet, wo Fußnotengelehrsamkeit aufhört.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 230, 1.10.2008, Seite 38
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