Rechnungslegung staatlicher Hochschulen

Heiling, Jens

Rechnungslegung staatlicher Hochschulen

Eine vergleichende Analyse deutscher und US-amerikanischer Hochschulen

Reihe Schriften zur öffentlichen Verwaltung und öffentlichen Wirtschaft, Band-Nr. 198
Bestell-Nr 1380
ISBN 978-3-8305-1380-3
erschienen 11.04.2007
Format Hardcover
Umfang 285
Gewicht 507 g
Preis 59,00
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Die Diskussionen in der Hochschulpraxis als auch in der Hochschulforschung zeigen, dass sich für die Ausgestaltung des Hochschulrechnungswesens in Deutschland noch keine klaren und verbindlichen Lösungen abzeichnen. Vorliegende Dissertation, die im Zeitraum 2000 bis 2006 am Lehrstuhl für ABWL, Public & Nonprofit Management von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Eichhorn an der Universität Mannheim entstanden ist, will die derzeitigen Diskussionen um die Rechnungslegung der staatlichen Hochschulen befruchten und einen internationalen Beitrag dazu leisten. Mittels eines fallstudienbasierten Vergleichs entwickelt der Autor Empfehlungen für die zukünftige Ausgestaltung der Rechnungslegung staatlicher Hochschulen in Deutschland.
Konkret soll der Frage nachgegangen werden, wie eine kaufmännische Rechnungslegung für die Hochschulen in Deutschland aussehen kann. Der Vergleich der Rechnungslegungssysteme der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der University of Illinois zeigt, dass in Deutschland noch erheblicher Nachholbedarf in diesem Bereich besteht. Die Erkenntnisse aus der vergleichenden Analyse stellen die Grundlage für die Entwicklung von Gestaltungsempfehlungen dar. Bewusst berücksichtigt der Autor dabei kontextspezifische Besonderheiten der jeweiligen Länder. Den Schwerpunkt seiner Empfehlungen legt der Autor auf die institutionelle Ausgestaltung der Rechnungslegung für Hochschulen in Deutschland. Methodisch liegt der Arbeit ein fallstudienbasierter Vergleich zu Grunde. Dieser innovative Ansatz wird im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt und an konkreten Beispielen durchgeführt. Um die beiden Hochschulrechnungslegungssysteme systematisch miteinander vergleichen zu können, erarbeitet der Verfasser ein sog. Vergleichs-Framework.
Die Arbeit richtet sich primär an Personenkreise die sich von Berufs wegen mit den staatlichen Hochschulen befassen. Hierzu zählen Hochschulleitungen, Hochschulräte, Administratoren in den Hochschulen sowie Bundes- und Landesministerien, Mitarbeiter der Landesrechnungshöfe, Hochschulforscher und deren Einrichtungen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte und Unternehmensberater sowie deren Verbände. Es bleibt ferner zu wünschen, dass sich die mit den Hochschulen befassten Gesetzgeber des Werkes annehmen. Die Arbeit will dem interessierten Leser einen Überblick über die Rechnungslegung staatlicher Hochschulen sowohl in Deutschland als auch in den USA geben und dabei auf spezifische Probleme und Fragestellungen der Hochschulrechnungslegung eingehen. Schließlich sollen konkrete Handlungsempfehlungen für die Fortentwicklung der Hochschulrechnungslegung in Deutschland aufgezeigt werden.

Rezensionen
Über Jahrhunderte hinweg hat sich das öffentliche Rechnungswesen als das Rechnungswesen öffentlicher Wirtschaftssubjekte herausgebildet. Es stellt auf kameraler Basis finanzwirtschaftliche Informationen zur Befriedigung vielfältiger Informationsbedürfnisse von Politik und Verwaltung bereit. Kameralistik sowie zahlungsorientierte Kassen- und Haushaltsrechnungen sind bei traditionell administrativer Verwaltungssteuerung ein geeigneter Rechnungsstil und erprobte Rechnungsinstrumente. Seit Mitte der 1990er-Jahre führt das angelsächsische New Public Management auch in Deutschland zu einer Diskussion über eine betriebswirtschaftliche Neuausrichtung des öffentlichen Sektors. Bei New Public Management geht es darum, öffentliche Verwaltungen innerhalb politischer Zielsetzungen wie Unternehmen zu führen. Es interessiert nicht mehr die Einhaltung von Haushaltsansätzen innerhalb eines mehr oder weniger restriktiven Haushaltsrechts, sondern das erzielte finanzwirtschaftliche Ergebnis im Sinne einer Nettoressourcenentstehung oder eines Nettoressourcenverbrauchs. Die Abbildung des finanzwirtschaftlichen Periodenerfolgs lässt sich am besten mit einem doppischen Rechnungsstil und dazugehöriger Jahresabschlussrechnung erreichen. Es liegt deshalb nahe, im Zuge der Einführung betriebswirtschaftlicher Steuerungsinstrumente ein "neues" öffentliches Rechnungswesen zu fordern. Die aktuelle Umstellung des öffentlichen Rechnungswesens auf die Doppik und kaufmännische Rechnungslegung muss in diesem Zusammenhang gesehen werden.

Von dieser Entwicklung motiviert, beschäftigt sich Jens Heiling in seiner Dissertation mit der Rechnungslegung staatlicher Hochschulen. Im ersten Kapitel gibt er einen Überblick über den Stand der Rechnungslegung staatlicher Hochschulen in Deutschland. Er zeigt auf, dass es in Wissenschaft und Praxis erhebliche Divergenzen über die "richtige" Rechnungslegung gibt. Die Notwendigkeit einer Umstellung des Rechnungswesens staatlicher Hochschulen auf Doppik und kaufmännische Rechnungslegung nach dem Ressourcenverbrauchskonzept begründet er mit der damit einhergehenden finanzwirtschaftlichen Transparenz einerseits und den Schwächen bisheriger kameraler Rechnungen andererseits. Das zweite Kapitel erörtert den fallstudienbasierten Vergleich als geeignete Methode für die Erforschung der staatlichen Hochschulrechnungslegung. Hierbei entwickelt der Autor ein Vergleichs-Framework, mit Hilfe dessen er in den beiden nachfolgenden Kapiteln die Rechnungslegung staatlicher Hochschulen in Deutschland am Beispiel der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und öffentlicher Hochschulen in den USA am Beispiel der University of Illinois ausführlich erschließt. Im anschließenden fünften Kapitel werden die Vergleichsergebnisse zu Empfehlungen für die Ausgestaltung der Hochschulrechnungslegung in Deutschland verdichtet. Der Autor spricht sich nachhaltig für die Schaffung eines einheitlichen Rechnungslegungsmodells für staatliche Hochschulen und eines Standard Setters nach dem Vorbild des Governmental Accounting Standards Boards (GASB) aus, um Rechnungsabschlüsse vergleichen zu können. Im Duktus der Entwicklung des öffentlichen Rechnungswesens in Deutschland plädiert er für die modifizierte Übernahme der privatwirtschaftlichen Rechnungslegung.
Orientieren könnte sich eine einheitliche Hochschulrechnungslegung an handelsrechtlichen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften oder Standards der internationalen Rechnungslegung. Es ergibt sich dadurch die jeweilige Bilanzierungskonzeption. Die International Public Sector Accounting Standards (IPSAS) beispielsweise verfolgen das Ziel der Schaffung weitgehender finanzwirtschaftlicher Transparenz nach dem Grundsatz des True and Fair View.
Die Dissertation von Jens Heiling verdient Beachtung. Bereits die Herausarbeitung des Ist-Zustands der Rechnungslegung ist verdienstvoll. Darüber hinaus wählt er zur Gewinnung neuer Erkenntnisse den bei wissenschaftlichen Arbeiten zum Rechnungswesen eher seltenen Weg des exemplarischen Vergleichs. Er erarbeitet ein Vergleichs-Framework, das ihm eine systematische Vorgehensweise ermöglicht. Es lassen sich auf vergleichender Basis einerseits komplexitätsreduziert die Unterschiede in der Rechnungslegung aufzeigen und andererseits nachvollziehbar Vorschläge zur Entwicklung einer Hochschulrechnungslegung aufzeigen. Dadurch leistet der Autor methodisch und inhaltlich einen Beitrag zur Weiterentwicklung des öffentlichen Rechnungswesens.
Zumindest teilweise offen bleibt die Frage, ob es für eine staatliche Hochschule im bestehenden Bildungs- und Wissenschaftssystem notwendig und zweckmäßig ist, auf die Doppik und kaufmännische Rechnungslegung umzustellen. Lehr- und Forschungsleistungen tragen mit ihren Wirkungen zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben bei. Sie sind sachlich nicht mess- und (monetär) bewertbar. Es fehlt deshalb an funktionierenden Märkten für Wissenschaftsleistungen, weshalb sich die meisten Hochschulen in Deutschland in staatlicher Trägerschaft befinden. Traditionell räumen die öffentlichen Träger ihren Hochschulen nach bildungs- und wissenschaftspolitischen Kriterien Ausgabenbudgets ein. Den Hochschulen obliegt es, die zugewiesenen Gelder mit dem Ziel der größtmöglichen Wirksamkeit zu bewirtschaften. Es ist zwar möglich, indikatorenbasierte Budgets wie Erlöse zu behandeln. Ob dies steuerungstheoretisch langfristig sinnvoll und rechnungstheoretisch konzeptionell überzeugend ist, darf wegen der damit verbundenen latenten Gefahr eines Steuerungs- und Rechnungsversagens bezweifelt werden. Ohne marktliche Leistungsbewertung in Form von Erlösen treffen kaufmännischer Jahresabschluss und insbesondere Ergebnisrechnung auf ein Zweckmäßigkeitsdefizit. Unbeantwortet ist bislang übrigens auch die Frage, ob sich mit der neuen Hochschulsteuerung überhaupt ein wirksamerer Mitteleinsatz erreichen lässt. Es besteht die Gefahr, dass die direkten und indirekten betrieblichen und sozialen Kosten der Steuerung "entfesselter" Hochschulen die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Dieses ökonomische Paradoxon lässt sich auf alle Verwaltungsbetriebe, die nicht durch Märkte bepreiste oder marktlich bepreisbare Leistungen erstellen, übertragen. Die "richtige" Umstellung auf Doppik und kaufmännische Rechnungslegung im Kontext der Anwendung weiterer betriebswirtschaftlicher Instrumente und Methoden ist nicht nur ein formaler Vorgang, sondern stellt zu Ende gedacht einen hochschulpolitischen Systemwechsel dar. Lehr- und Forschungsleistungen würden auf unvollständigen Wissenschaftsmärkten bepreist. Hochschulen müssten ihre Erlöse und Gewinne maximieren. Studierende und Drittmittelgeber würden zu Kundinnen und Kunden – letztlich zum Nachteil der Qualität (und Freiheit!) von Lehre und Forschung. Ob dies wirklich politisch gewollt ist, sollte diskutiert werden.

(Prof. Dr. Dietmar Bräunig, Professor für Management personaler Versorgungsbetriebe am Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen)

Wissenschaftsmanagement 5/2008, S. 51-52



Die Rechnungslegung der staatlichen Hochschulen in Deutschland befindet sich nach den Feststellungen des Verfassers im Umbruch, wobei die Auslöser dieses Wandels mannigfaltig sind. Der Verfasser untersucht in seiner Mannheimer Dissertation, die von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Eichhorn betreut worden ist, zunächst im ersten Kapitel die Rechnungslegung staatlicher Hochschulen in Deutschland. Das zweite Kapitel legt die Grundlage für die vergleichende Analyse öffentlicher Rechnungslegungssysteme. Dabei erfolgt ein Rückgriff auf Erfahrungen und Konzepte zur vergleichenden Methodik aus den Politik, Rechts-, Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften. Die Kapitel 3 und 4 untersuchen das deutsche und amerikanische Rechnungslegungssystem. Das abschließende fünfte Kapitel fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und gibt Handlungsempfehlungen für die Ausgestaltung der Hochschulrechnungslegung in Deutschland.
Die vorgelegte Analyse zeigt, dass die Rechnungslegung der staatlichen Hochschulen in Deutschland und der öffentlichen Hochschulen in den U.S.A. von den jeweiligen Hochschul- und Rechtssystemen, den organisatorischen und strukturellen Gegebenheiten sowie von den Entscheidungsträgern und ihren unterschiedlichen Wertvorstellungen geprägt sind. Nicht zuletzt hat die Ausgestaltung der Hochschulfinanzierung einen wesentlichen Einfluss auf die Rechnungslegung. Da Hochschulforschung indisziplinär und vielfältig angelegt ist, gibt es aus Sicht der Betriebswirtschaftslehre noch eine Vielzahl offener Fragestellungen. Nach den Feststellungen des Verfassers liegt es auf der Hand, das für die Schaffung einer einheitlichen Rechnungslegung für Hochschulen weitere Forschungsanstrengungen unternommen werden müssen.
Anhand der Gegenüberstellung der Jahresabschlüsse der Universitäten Darmstadt, Göttingen und Heidelberg zeigt der Verfasser in seiner gut lesbaren und tiefgreifenden Arbeit, dass man in den einzelnen deutschen Bundesländern erhebliche Differenzen bei der Ausgestaltung der Hochschulen antrifft. In diese Lücke stößt die umfangreiche und wegweisende Arbeit und entwickelt auf der Basis eines Fallstudien basierten internationalen Vergleichs Empfehlungen und Anregungen zur Ausgestaltung der Rechnungslegung staatlicher Hochschulen in Deutschland.
Die Arbeit kann nur dringend zur Anschaffung empfohlen werden für all jene, die sich entweder aus dem Bereich Wirtschaftsprüfung dem Thema nähern oder aber an staatlichen Hochschulen für Fragen der Rechnungslegung zuständig sind. Auch dem Gesetzgeber sei ein Blick in dieses grundlegende Werk empfohlen.

(Prof. Dr. Jens M. Schmittmann, FOM Fachhochschule für Ökonomie und Management, Essen)

Verwaltungsrundschau 9/2008, S. 324




Die zu besprechende Arbeit ist von der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim als Dissertation angenommen worden. Jens Heiling gibt im ersten Hauptteil einen Überblick über die Rechnungslegung staatlicher Hochschulen in Deutschland. Dabei wird deutlich, dass sowohl in der Praxis als auch in der Theorie sehr verschiedene Modelle und Ansätze existieren. Obwohl schon zahlreiche Hochschulen – insbesondere in Hamburg, Hessen und Niedersachsen – die Umstellung zum kaufmännischen Rechnungswesen hinter sich haben und jetzt auch in weiteren Bundesländern die Umstellungswelle läuft, hat sich noch keine bundeseinheitliche Rechnungslegungspraxis herausgebildet. Diese Uneinheitlichkeit, die wegen des deutschen Föderalismus offensichtlich auf Dauer bestehen dürfte, beeinträchtigt zwangsläufig die Vergleichbarkeit der Hochschulabschlüsse und auch jeden Versuch eines Benchmarking. Heiling zeigt die bestehenden Unterschiede exemplarisch an dem Vergleich der Jahresabschlüsse der Universitäten Darmstadt, Göttingen und Heidelberg. Mit der vergleichenden Beschreibung der Jahresabschlüsse staatlicher Hochschulen betritt der Verfasser weitgehend wissenschaftliches Neuland; gerade auch diese innerdeutsche Analyse ist insoweit als verdienstvoll anzusehen. In den einschlägigen Kommentaren zur Bilanzierung wurde bislang die geschilderte Umstellungswelle zahlreicher deutscher Hochschulen zum kaufmännischen Rechnungswesen leider kaum wahrgenommen. Auch ein Praktiker, der wie der Rezensent als Wirtschaftsprüfer schon Hochschulen in das kaufmännische Rechnungswesen begleitet hat, kann durch die fachliche Qualität der vergleichenden Analyse einige durchaus interessante Denkanstöße bei Heiling gewinnen. Dies gilt beispielsweise für die Analyse der Rechtsform der baden-württembergischen Hochschulen (S. 95 ff), die sowohl Körperschaften des öffentlichen Rechts, als auch staatliche Einrichtungen (Anstalten) darstellen. Durch diese "Janusköpfigkeit" der Hochschulen, die sowohl einen körperschaftlichen, als auch einen anstaltlichen Charakter besitzen, ergeben sich durchaus Konsequenzen bei der Rechnungslegung. In Heidelberg wird je ein Jahresabschluss für das Körperschaftsvermögen – das in Heidelberg eine Vielzahl von unselbständigen Stiftungen, Vermächtnissen und Einzelzuwendungen umfasst – für den Landesbetrieb nach § 26 LHO (den Hauptteil der Universität – die Anstalt) sowie für das Universitätsklinikum und das Studentenwerk erstellt. Im zweiten Hauptteil (S. 73 ff.) konzipiert Heiling seinen Forschungsansatz eines fallstudienbasierten Vergleichs, mit dessen Hilfe er dann die Rechnungslegung der Universität Heidelberg mit der der University of Illinois vergleicht. Dementsprechend wird im dritten Hauptteil des Buches (S. 92 ff.) die Rechnungslegung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und im vierten Hauptteil (S. 156 ff.) die der University of Illinois jeweils ausführlich und differenziert beschrieben. Der fünfte Hauptteil (S. 236 ff.) enthält dann die zusammenfassenden Ergebnisse des Vergleichs und daraus abgeleitete Empfehlungen für die Hochschulrechnungslegung in Deutschland. Zwei Schlussteile "Fazit und Ausblick" und "Zusammenfassung", sowie ein Anhang runden das Buch ab.
Bei den zusammenfassenden Ergebnissen des deutsch-amerikanischen Vergleichs der Rechnungslegungssysteme betont Heiling zunächst die große Bedeutung der Rechtsform und der unterschiedlichen Rechtssysteme. Durch die für Deutschland charakteristische rechtliche Determinierung der Rechnungslegung werden z. B. in der kleineren deutschen Universität Heidelberg weit mehr einzelne Jahresabschlüsse als in der größeren amerikanischen University of Illinois aufgestellt. Während in Deutschland also die Rechtsform und das jeweilige Landesrecht für die Rechnungslegung entscheidend sind, besteht in den USA eine bundesweit einheitliche Rechnungslegung, die von dem unabhängigen Standardsetter GASB (Governmental Accounting Standards Board) seit mehr als hundert Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wurde und von allen öffentlichen Hochschulen – unabhängig von ihrer Rechtsform – anzuwenden ist. Das GASB Statement No. 35 ("Basic Financial Statements – and Management's Discussions and Analysis – for Public Colleges and Universities", GASBS 35), welches 1999 erlassen wurde, ist die wichtigste Grundlage für die Rechnungslegung aller öffentlichen Hochschulen (während das Financial Accounting Standards Board FASB zuständig für die Rechnungslegung der Not-for-Profit-Hochschulen und der gewinnorientierten Hochschulen ist). Diese US-amerikanische Rechnungslegung führt im Fall der University of Illinois dazu, dass z. B. auch die Tätigkeiten des Studentenwerks sowie mehrerer rechtlich selbständiger Betriebe als Hochschulservicebetriebe in den "Landesbetrieb" integriert werden (S. 240). Als wesentlichen Unterschied identifiziert Heiling außerdem die fehlende Bilanzierung des Immobilienvermögens in Heidelberg (die im Übrigen nach Auffassung des Rezensenten auch im deutschen Rechtssystem als unbefriedigend erscheint). Im Hinblick auf die Bestandteile des Jahresabschlusses beider Hochschulen kommt Heiling zum Ergebnis, dass sie sich formal größtenteils entsprechen. Allerdings passt sich die US-amerikanische Rechnungslegung der University of Illinois in der Detailliertheit der Darstellung stärker an die Informationsbedürfnisse der Adressaten an. Demgegenüber orientiert sich die deutsche Universität Heidelberg strikt an den handelsrechtlichen Ausweiserfordernissen (S. 241). Außerdem beschreibt Heiling die unterschiedliche Bilanzierung von Drittmitteln. Während bei der Universität Heidelberg eine erfolgsneutrale Abgrenzung mehrperiodischer Forschungsprojekte als Verbindlichkeiten aus Drittmitteln erfolgt, werden in Illinois die Erträge aus "Grants and Contracts" entsprechend der für die Forschungsprojekte angefallenen Aufwendungen angesetzt. Einnahmen, die diese Erträge übersteigen, periodisiert man mittels eines passiven Rechnungsabgrenzungspostens.
Die Bilanz der University of Illinois kennt außerdem nichts Vergleichbares zum "Sonderposten für Erstausstattung im Rahmen von Baumaßnahmen nach HBFG", mit dem erhaltene Investitionsbeihilfen in Heidelberg abgebildet werden. In Illinois werden derartige "Government-mandated Nonexchange Transactions" im Regelfall erfolgswirksam in der US-amerikanischen Gewinn- und Verlustrechnung als "Capital State Appropriation" angesetzt.
Im Abschnitt "Empfehlungen für die Ausgestaltung der Hochschulrechnungslegung in Deutschland" stellt Heiling zusammenfassend fest, dass am Beispiel Heidelberg "Defizite im Ansatz und Ausweis des Vermögens unter Schulden sowie der Ertrags- und Aufwandsrealisation sowie im Aufbau der Kapitalflussrechnung" vorliegen. Ferner beklagt Heiling die auf Dauer angelegten Divergenzen in der Rechnungslegung der verschiedenen deutschen Hochschulen. Der Bildungsföderalismus wirke hinsichtlich der Hochschulrechnungslegung kontraproduktiv, da er deren Auseinanderentwicklung fördere (S. 249). Vor diesem Hintergrund fordert Heiling die Schaffung eines zentralen Standard Setters zur Standardisierung der Rechnungslegung für öffentliche Hochschulen in Deutschland. Heiling analysiert, dass ohne eine solche Institution ein wirksamer Wettbewerb der Hochschulen verhindert werde und Ineffizienzen im Hochschulsystem begünstigt werden. Hierbei dürfte Heiling die Wirkung eines (zweifellos begrüßenswerten) Standard Setters für deutsche öffentliche Hochschulen etwas überzeichnen. Schließlich kommt Heiling zum Ergebnis der vergleichenden Analyse, dass die Rechnungslegung staatlicher Hochschulen in Deutschland noch ganz am Anfang stehe (S. 250). Während in den USA schon ein ausgereiftes System vorhanden sei, müssten die deutschen Hochschulen zunächst noch Erfahrungen sammeln. Heiling fordert eine konsequentere Orientierung am Prinzip der "Fair Presentation" auch in Deutschland. Abschließend schlägt Heiling vor, das Verhältnis Staat-Hochschulen auf den Prüfstand zu stellen: Die Aufgabenverteilung zwischen Hochschulleitung, Universitätsrat, Wissenschafts- und Finanzministerium sowie Rechnungshof und Landesparlament sollte überdacht werden. "Beispielsweise wäre daran zu denken, den Rechnungshof bei der Aufsicht in stärkerem Maße einzubinden und im Gegenzug den Universitätsrat von Aufsichtspflichten zu entbinden" (S. 251). In Anlehnung an Müller-Böling fordert auch Heiling im nächsten Satz eine "Entfesselung der Hochschulen" in Deutschland, wozu die US-amerikanischen Universitäten einen "exzellenten Benchmark" darstellen würden. Heiling ergänzt, dass mittel- bis langfristig den staatlichen Hochschulen auch in Deutschland die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, ihre Finanzierung über kapitalmarktorientierte Instrumente zu decken. In diesem Zusammenhang erkennt Heiling zutreffend, dass Hochschulforschung interdisziplinär und vielfältig angelegt sein sollte und dass aus Sicht der Betriebswirtschaftslehre noch eine Vielzahl offener Fragestellungen besteht (S. 253).
Zusätzlich zu den von Heiling genannten Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet der einheitlichen Rechnungslegung und der Hochschulfinanzierung sollte nach Auffassung des Rezensenten eine weitergehende wissenschaftliche Forschung insbesondere auch hinsichtlich der universitären Steuerung erfolgen. Wie und mit welchen Kennzahlen sollte unter der Rahmenbedingung der Globalhaushalte die komplexe Institution der Universität so gesteuert werden, dass die im Globalhaushalt vereinbarten Ziele tatsächlich erreicht werden? Was bedeutet Controlling auf den verschiedenen betrieblichen Ebenen der Universität? Welche Konsequenzen sind hinsichtlich des weiteren Hochschulreformprozesses zu ziehen, damit die komplexen Universitätsbetriebe ihre politisch vorgegebenen Ziele tatsächlich erreichen können? Nach Auffassung des Rezensenten wird der Hochschulreformprozess in Deutschland bislang zu stark extern durch den Bologna-Prozess bzw. aus wissenschaftlicher Sicht zu einseitig politologisch bzw. unter Verwendung des nicht in allen Fragen zu Ende gedachten "Neuen Steuerungsmodells" begleitet. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht gibt Heiling zum Problemkomplex der universitären Steuerung infolge seines doch sehr rechnungslegungsbezogenen Forschungsansatzes nur einzelne, nicht immer ausreichend fundierte Hinweise. Dies dürfte auch der Hauptkritikpunkt an dem ansonsten verdienstvollen Buch sein. So kann beispielsweise Heilings Vorschlag, dass auch in Deutschland stärker der Rechnungshof und weniger der Universitätsrat die Aufsichtspflichten über die Hochschulrechnungslegung ausüben sollte, durchaus als interessanter Widerspruch zu den weitverbreiteten Fortschreibungen der Universitätsgesetze der Länder gewertet werden (die ja gerade in den letzten Jahren einen entsprechenden Machtzuwachs beim weitgehend extern besetzten Universitätsrat verursachten). Leider fehlt jedoch eine Begründung. Nach Auffassung des Rezensenten sollte die für den Standort Deutschland so wichtige Weiterentwicklung der öffentlichen Hochschulen noch stärker durch interdisziplinäre Forschung (u.a. ökonomisch und politologisch) begleitet werden.

(Christian Marettek)

ZögU 31. Jg., Heft 2/2008, S. 242-245
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