Literatur, Recht und Musik

Weber, Hermann (Hrsg.)

Literatur, Recht und Musik

Tagung im Nordkolleg Rendsburg vom 16. bis 18. September 2005

Reihe Juristische Zeitgeschichte, Abteilung 2, Band-Nr. 17
Bestell-Nr 1339
ISBN 978-3-8305-1339-1
erschienen 22.02.2007
Format kartoniert
Umfang 232
Gewicht 410 g
Preis 40,00
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Der Band enthält die Vorträge der Tagung "Literatur und Recht", die das Nordkolleg in Rendsburg in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Professor Dr. Hermann Weber (Frankfurt am Main) vom 16. bis 18. September 2005 zum dritten Mal veranstaltet hat. Die Tagung hat mit dem Thema "Literatur, Recht und Musik" die Thematik erstmals um eine dritte Dimension, diesmal die Musik, erweitert.

Auf einen einleitenden Überblick über die verschiedenen Aspekte des Themas (Hermann Weber) folgen Vorträge von Karsten Blöcker und Volker Scherliess über den Streit zwischen Thomas Mann und Arnold Schönberg um die Erfindung der Zwölftonmusik, von Christoph Schmitz-Scholemann über das Bild des Richters in Oper und Literatur, von Bernhard Weck über Menschenrechts- und Verfassungsutopien bei Ludwig van Beethoven, von Klaus Kastner über E. T. A. Hoffmann als Jurist, Dichter und Musiker, von Anja Schiemann über den Juristen und Schriftsteller Kurt Tucholsky und seine Bindung zu Kabarett, Revue und Chanson und - last not least - von Ulrich Fischer zu den Auseinandersetzungen zwischen Bertolt Brecht, Kurt Weill und dem Verlag Felix Bloch Erben über die Rechte an der Dreigroschenoper - ein Streit nicht nur für zwei, in dem der Dichter gegenüber dem Musiker nicht uneingeschränkt die Heldenrolle gespielt hat.

Abgeschlossen wird der Band mit dem Mitschnitt eines Autorengesprächs mit Juli Zeh und Martin Mosebach, beide nicht nur renommierte Schriftsteller, sondern auch ausgebildete Juristen, deren damals jüngste Bücher ("Spieltrieb" und "Das Beben") große Aufmerksamkeit bei Kritik und Publikum gefunden haben. In dem Gespräch geben beide nicht zuletzt Auskunft über Einflüsse ihrer juristischen Ausbildung auf ihr literarisches Werk.
Rezensionen
Schriftstellernde Juristen gibt es zuhauf. Doch wenn zwei prominente und mit Preisen überhäufte Autoren über den Einfluss ihrer juristischen Ausbildung auf ihr literarisches Werk Auskunft geben, hört man gerne zu. Nachzulesen sind die Schilderungen von Juli Zeh, geboren 1974 in Bonn, und Martin Mosebach, geboren 1951 in Frankfurt am Main, auf einer Tagung namens "Literatur und Recht" in dem vorzüglichen Sammelband "Literatur, Recht, Musik". Dieser harrte schon geraume Zeit auf dem Schreibtisch des Rezensenten einer Besprechung und erhielt nun endlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit, auch wenn die erwähnte Tagung bereits 2005 stattgefunden hat.
Einserjuristin Juli Zeh wollte nach dem zweiten Staatsexamen eigentlich Richterin werden, entschied sich aber dann "nach einigen schlaflosen Nächten" dagegen, weil sie sich nicht zutraute, nur nebenher Schriftstellerin zu sein, auf das Schreiben aber keinesfalls verzichten wollte. Seitdem begrenzt sie ihre juristische Tätigkeit auf ihre Dissertation im Völkerrecht, an der sie schon einige Jahre nebenher werkelt. Aktuell hat sie noch eine Verfassungsbeschwerde gegen den biometrischen Reisepass eingelegt. Außer ihren von der Literaturkritik zuletzt eher zwiespältig aufgenommenen Romanen verfasst sie vor allem Essays und mischt sich permanent und streitlustig in politische und sonstige Debatten ein. Ihre Bücher ("Adler und Engel", "Spieltrieb", "Schilf") sind voll mit Bezügen zur Juristerei. Ihr künstlerisches Schaffen, so die Autorin, sähe völlig anders aus, wenn sie dem Recht nicht begegnet wäre: "Ich weiß noch nicht einmal, ob ich überhaupt in der Lage wäre, Romane zu schreiben, wenn ich nicht Jura studiert hätte." Das Verfassen von Romanen erfordere strukturierte Denkvorgänge, und die juristische Ausbildung habe eine "ganz wertvolle Konstruktionsfähigkeit" in ihrem Denken geschaffen, die ihr dabei helfe, "große Formen und große Texte einfach zu verwalten".
Martin Mosebach, Büchnerpreisträger von 2007, ist hingegen mit der Rechtswissenschaft nie recht warm geworden. Er habe großen Respekt vor Amtsrichtern oder Rechtsanwälten, die Romane schreiben, doch würde seine Vitalität für beides zugleich nicht hinreichen. Dafür sei das Romanschreiben für ihn zu anstrengend. Doch räumt er für sich "eine gewisse Zähmung und Erziehung durch die Jurisprudenz" ein "im Bedürfnis, Charaktere wahrscheinlich zu machen". In seinem umfangreichen literarischen Werk wirft er nur ein einziges Mal einen Blick auf das juristische Milieu, im Roman "Eine lange Nacht" (2000), der Geschichte eines verkrachten Juristen und schöngeistigen Taugenichts.

(Thomas Claer)

Justament 4/2008, S. 22
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