Bildungsrendite als Zielgröße für das Hochschulmanagement

Spraul, Katharina

Bildungsrendite als Zielgröße für das Hochschulmanagement

Reihe Schriften zur öffentlichen Verwaltung und öffentlichen Wirtschaft, Band-Nr. 194
Bestell-Nr 1264
ISBN 978-3-8305-1264-6
erschienen 08.12.2006
Format Hardcover
Umfang 382
Gewicht 642 g
Preis 69,00
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Kann und soll das Management deutscher Hochschulen die Bildungsrendite eines Hochschulstudiums in den Stand einer Ziel- und Steuerungsgröße erheben?
Die in der Bildungsökonomie bislang verwendeten Methoden zur Berechnung von Bildungsrenditen genügen den Anforderungen an eine moderne Zielgröße für das Hochschulmanagement nicht, da sie maßgebliche Wirkungen auf die Gesellschaft ausblenden. Die Autorin entwirft daher ein theoretisches Modell der individualisierten und antizipierten privaten Bildungsrendite. Es bezieht nicht-monetäre Erträge sowie den Konsumwert eines Studiums in die Berechnung ein und trägt sowohl den persönlichkeitsbildenden Wirkungen als auch den Effekten auf die Arbeitsmarkt- und Verdienstchancen Rechnung. In einer umfangreichen empirischen Untersuchung bestätigt sich die so erweiterte private Bildungsrendite als Motiv der Studienwahl und als Determinante der Hochschulqualität. Im Ergebnis entsteht ein Modell, das für staatliche und private Hochschulen vier Handlungsmöglichkeiten der strategischen Positionierung aufzeigt und die Bildungsrendite in ihrem umfassenden Verständnis als Zielgröße mit Leitbildcharakter für Hochschulen unterschiedlicher Positionierung auffasst.

Das Buch beinhaltet 12 s/w Abbildungen und 11 Tabellen.

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Rezensionen
Die staatlichen Hochschulen in Deutschland befinden sich seit einigen Jahren in einem Reformprozess zu mehr Selbstständigkeit. Parallel hierzu findet europaweit eine Umstellung der Studiengänge auf Bachelor- und Masterkonzeptionen statt. Bei dieser Neugestaltung wird als Fortentwicklungsmöglichkeit einer staatlichen oder privaten Hochschule vermehrt die Frage gestellt, welche Studiengänge zukünftig angeboten werden sollen. Diese Fragestellung ergibt sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Ressourcen einer Hochschule knapp sind und es in absehbarer Zeit nicht nur um einen Wettbewerb um die besten Studienanfänger, sondern um Studierende überhaupt zwischen den Hochschulen kommen wird. Um Entscheidungen hierzu treffen zu können, fehlt es an strapazierfähigen Zielgrößen.
Katharina Spraul untersucht in ihrer Dissertation an der Universität Mannheim eben diese These, ob Bildungsrendite als Zielgröße für das Hochschulmanagement dienen kann. Ausgehend von der Bildungsökonomie und dem New Public Management als wirtschaftswissenschaftliche Teildisziplinen für den Non-Profit-Sektor verwirft sie den Humankapitalansatz als nicht problemadäquat. Die Bildungsrendite beurteilt im Sinne der Bildungsökonomie die Vorteilhaftigkeit einer Bildungsmaßnahme mit der internen Zinsfußmethode. Dabei drückt ein positiver Zinssatz ein höheres Lebensarbeitseinkommen aus, dass durch eine Bildungsmaßnahme erreicht werden kann. Je nach Blickwinkel kann eine Bildungsmaßnahme – im Sinne der vorliegenden Untersuchung ein Hochschulstudium – als nützlich eingeschätzt werden. Zunächst wird die individuelle oder private Bildungsrendite untersucht. Hierzu werden die Kosten und Erträge eines Hochschulstudiums gegenübergestellt und für Zwecke der Vergleichbarkeit auf einen einheitlichen Zeitpunkt normiert. Neben den direkten Kosten (bspw. Studiengebühren) werden auch indirekte Kosten (bspw. entgangenes Arbeitseinkommen im Sinne von Opportunitätskosten) berücksichtigt. Ebenso werden monetäre Faktoren (bspw. höhere Löhne) und auch nicht-monetäre Faktoren (bspw. geringeres Arbeitslosenrisiko) untersucht. Als zweite Perspektive wird die soziale Bildungsrendite als Überprüfungsgröße hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit einer Bildungsmaßnahme für die Gesellschaft untersucht. Hierbei spielen Auswirkungen auf die Kultur, die demokratische Grundhaltung, die Chancengleichheit, das Wirtschaftswachstum, der Beitrag zu Innovationen und der Aspekt des Brain Drain eine Rolle. Die Vorteilhaftigkeit ergäbe sich dann, wenn die Rendite einer alternativen Investition (mit ähnlichen Unsicherheiten) geringer wäre. Die institutioneile beziehungsweise fiskalische Bildungsrendite wird als dritter Blickwinkel einbezogen. Diese als rein monetär ausgerichtete Perspektive untersucht, ob die Ausgaben (Finanzierung der Hochschulen) durch spätere Einnahmen (höhere Steuern) sich für den Geldgeber amortisieren. Interessant ist die institutionelle Perspektive insbesondere für den Staat als Maßnahmenträger und somit zur Legitimation der Staatsausgaben. Jedoch weist Katharina Spraul darauf hin, dass der Staat sich an der gesellschaftlichen Perspektive ausrichten sollte.
Schwierigkeit macht jedoch die empirische Prüfung – im Gegensatz zur theoretischen Modellierung – der nicht-monetären Faktoren. Aus ethischen Gründen ist eine experimentelle Forschung nicht statthaft. Katharina Spraul entwickelt als Grundlage ein Modell der individualisierten und antizipierten privaten Bildungsrendite, in dem die Erwartungen von Studierenden berücksichtigt werden. Sie ergänzt zudem die private Bildungsrendite um weitere Aspekte (bspw. den Konsumwert des Studiums und Zeitpräferenzen). Daneben berücksichtigt Katharina Spraul die Hochschulqualität als Referenz der Studiengangentscheidung. Die empirische Untersuchung zur Studiengangwahl und Hochschulqualität an fünf privaten und öffentlichrechtlichen Hochschulen wird im Sinne eines Fallbeispiels gesehen und eine Repräsentativität verneint. Als Ergebnis der empirischen Untersuchung kristallisieren sich anhand einer Clusteranalyse fünf Studierendentypen im Hinblick auf eine Studienwahl heraus. Zwei Typen fasst sie unter einer dominierenden monetären Perspektive zusammen. Dabei stellt sich jedoch auch heraus, dass die Bildungsrendite nur teilweise die Studiengangwahl erklärt, da andere Faktoren (bspw. Studienort) ebenfalls einen von Hochschulen weniger gestaltbaren Einfluss ausüben.
Die Hochschulen typisiert Katharina Spraul anhand der strategischen Ausrichtung bezüglich der privaten Bildungsrendite in monetäre oder nicht-monetäre Orientierung und hinsichtlich der sozialen versus institutioneilen Bildungsrendite. Als Resultat entstehen vier Hochschultypen. Die in der empirischen Untersuchung berücksichtigten Hochschulen decken dabei jedoch nur drei Hochschultypen ab. Für den vierten Hochschultyp – mit einer sozialen und monetären privaten Bildungsrendite als Zielgröße – wird eine französische Business School als Referenz zusätzlich eingeführt.
Im Rahmen eines Hochschulmanagements kann eine strategische Positionierung erfolgen, hierzu werden vier Handlungsoptionen als Entwicklungsmöglichkeit für Hochschulen abgeleitet, die den intendierten Hochschultyp und die Studierendentypen berücksichtigen. Die Handlungsoptionen werden zur Zielerreichung zudem mit flankierenden Maßnahmen gestützt, die im Rahmen der privaten Bildungsrendite eingangs betrachtet wurden.
Die Dissertation bietet eine umfassende Auseinandersetzung zur Bildungsrendite als Zielgröße für eine strategische Positionierung von Hochschulen. Es werden vielfältige Aspekte einer Bildungsrendite untersucht und auf Schwierigkeiten im Umgang mit einer Bildungsrendite insbesondere bei der empirischen Prüfung hingewiesen. Die Lektüre ist den an der Reform von Hochschulen Beteiligten zu empfehlen, da die Auseinandersetzung eine gute Orientierung zur Definition der Ziele im Rahmen der stärkeren Selbstständigkeit im Management von Hochschulen liefert.

(Benno Göckede)

ZögU, 31. Jg., 1/2008, S. 104-105
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