"Widernatürliche Unzucht" (§§ 175, 175a, 175b, 182 a.F. StGB)

Schäfer, Christian

"Widernatürliche Unzucht" (§§ 175, 175a, 175b, 182 a.F. StGB)

Reformdiskussion und Gesetzgebung seit 1945

Reihe Juristische Zeitgeschichte, Abt. 3: Beiträge zur modernen deutschen Strafgesetzgebung, Band-Nr. 26
Bestell-Nr 1241
ISBN 978-3-8305-1241-7
erschienen 20.11.2006
Format Hardcover
Umfang 383
Gewicht 756 g
Preis 53,00
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Im Jahre 1994 hob der Strafgesetzgeber, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, eine der anachronistischsten, symbolträchtigsten, in der neueren Strafrechtsgeschichte umstrittensten und bis heute prominentesten Strafvorschriften auf – § 175 StGB. In seiner Dissertation untersucht der Verfasser die in juristischen Fachgremien wie in gesellschaftlichen Kreisen intensiv geführten Diskussionen um diesen Tatbestand, welcher lange Zeit homosexuelle Handlungen als sogenannte "widernatürliche Unzucht" mit Strafe bedrohte. Daneben wendet er sich den verschiedenen Qualifikationsgründen, die das Strafgesetzbuch früher für besondere Formen der homosexuellen Handlung kannte, sowie der strafrechtshistorischen Entwicklung der zweiten Ausprägung "widernatürlicher Unzucht", der Sodomie, zu. Der Gang der Rechtsprechung, die Auslegung der Strafvorschriften durch das juristische Schrifttum und das Ringen der Großen Strafrechtskommission um eine zeitgemäße Gesetzesfassung finden ebenso Eingang in die Darstellung wie die politischen, sozialen und kulturellen Hintergründe und der Ende der Sechzigerjahre zaghaft einsetzende gesellschaftliche Wandel im Umgang mit Homosexualität. In das Zentrum seiner Betrachtungen stellt der Verfasser die Entwicklung nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland. Über die religiöse Prägung der Vorschriften in Frühzeit und Mittelalter, deren Säkularisierung während der Aufklärung, die Entkriminalisierungstendenzen der Weimarer Zeit und die Ideologisierung und Strafschärfung durch den nationalsozialistischen Gesetzgeber informiert er einleitend in Form einer historischen Grundlegung. Die zumeist konträr verlaufende legislationsgeschichtliche Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik ist derjenigen in der Bundesrepublik Deutschland am Ende eines jeden Kapitels gegenübergestellt. Eine kritische Würdigung bildet den Abschluß der Untersuchung.
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