Kleidung und Recht

Münch, Ingo von

Kleidung und Recht

Reihe Rostocker Rechtswissenschaftliche Abhandlungen, Band-Nr. 19
Bestell-Nr 1069
ISBN 978-3-8305-1069-7
erschienen 22.08.2005
Format kartoniert
Umfang 60
Gewicht 100 g
Preis 14,80
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Kleidung unterliegt auf den ersten Blick keinen rechtlichen Regelungen. Aber schon das islamische Kopftuch einer muslimischen Lehrerin an einer staatlichen Schule und der Schwimmanzug einer muslimischen Schülerin zeigen, dass Kleidung kein rechtsfreier Raum ist. Wie sich jemand anzieht oder auszieht, kann vielmehr zu einem Problem der verschiedensten Rechtsgebiete werden, z.B. des Verfassungsrechts, des Verwaltungsrechts, des Zivilrechts, des Arbeitsrechts oder sogar des Strafrechts.
Clubregeln, Schuluniformen, Produktpiraterie, "Firmenkluft", Dienstkleidung, unbefugtes Uniformtragen, Funktion der Richterrobe, Trikotwerbung im Sport, Proteste gegen Pelzmäntel sowie das Gegenteil von Kleidung (Nacktheit) sind nur einige Stichworte zu diesem vielgestaltigen Thema.
Die auch für Nichtjuristen leicht verständlich geschriebene, anschauliche Schrift ist eine Quelle teils ernster, teils vergnüglicher Informationen.
Rezensionen
Robenzwang und Kopftuchverbot fällt einem ein, wenn man den Titel "Kleidung und Recht" des kleinen, aber feinen Buches von Ingo von Münch liest, doch wer denkt dabei an den einteiligen Sportdress der Fußballer aus Kamerun, den die FIFA beanstandete oder an üppige Kopfbedeckungen, gegen die die Polizei in der Weimarer Republik zum Schutz der öffentlichen Ordnung vorgehen durfte, wenn sie im Zuschauerraum eines Theaters getragen wurden? Von Münch schafft es, jeden vorstellbaren Bereich, in denen Kleidung mit Reglementierung oder Recht zu tun hat, verständlich darzustellen, ohne dass es konstruiert erscheint. Dazu gehören Themen, die auch tagespolitisch aktuell sind: z.B. Produktpiraterie, denn der Zugriff des Rechts, so Münch, beginnt auch bei der Kleidung bereits beim Design und der Marke. Oder auch Schuluniformen, die in bildungspolitischen Diskussionen immer wieder thematisiert werden. Ein eigenes Kapitel hat Ingo von Münch der Sportkleidung gewidmet und dabei neben dem bereits erwähnten Kameruner Fußballdress vor allem das Thema Trikotwerbung behandelt - die einschlägigen DFB-Regeln sind sogar im Anhang dokumentiert. Die Diskussion über die Werbung einiger Fußballclubs für einen privaten Wettanbieter ist leider noch zu frisch, als dass sie im Buch bereits hätte erwähnt werden können, doch sie zeigt, dass das Thema keineswegs abgeschlossen ist. Deswegen ist auf eine Fortsetzung zu hoffen -, und vielleicht beantwortet Ingo von Münch dann auch die Frage, welche der vielen Legenden um den Ursprung des Robenzwangs für Richter und Anwälte denn nun die richtige ist.
(Bettina Mävers)
DRIZ - Deutsche Richterzeitung, Oktober 2006, S. 295



Auf den ersten Blick scheint die Kombination von "Kleidung" und Recht" kaum genügend Stoff für eine juristische Abhandlung herzugeben. Der Eindruck trügt jedoch. Der renommierte Hochschullehrer Ingo von Münch hat sich des Themas erstmals im Rahmen eines Festvortrages angenommen, und zwar anlässlich der Aushändigung der Examensurkunden an die Absolventen des Jurastudiums in Rostock am 11.4.2004. Konsequent ist die erweiterte Buchfassung in der Reihe "Rostocker Rechtswissenschaftliche Abhandlungen" als Band 19 erschienen. In sieben Kapiteln werden die unterschiedlichsten rechtlichen Aspekte, die mit dem Tragen (oder auch Nichttragen) von Kleidung zusammenhängen, erörtert. Zum Einen geht es um das (wohl auch künftig) aktuelle Thema der "Islamischen Kleidung", speziell des Kopftuches. Ob das islamische Recht hier tatsächlich ein entsprechendes Gebot enthält, kann der Leser anhand der dankenswerterweise abgedruckten Sure 24 Vers 31 des Korans selbst beurteilen. Weiter geht es mit der "Zivilen Kleidung"; in diesem Abschnitt geht der Autor auf das praktisch sehr bedeutsame Thema der Markenpiraterie ein. "Berufskleidung", "Uniformen" und "Roben und Talare" stehen im Mittelpunkt der anschließenden Kapitel. Hier erfährt der Leser z. B., dass der Ursprung der Robe auf den Hohen Priester in Jerusalem zurückgeführt wird und afrikanische Stammesrichter Gesichtsmasken tragen bzw. trugen, worin man durchaus einen (extremeren) Vorläufer der etwa in Großbritannien üblichen Perücken sehen kann. Durchaus aufschlussreich sind weiter die Hinweise auf die Abschaffung des Talars von Professoren durch das ehemalige DDR- Regime im Jahre 1968. Der "roll back" kam prompt nach der Wende: Für die Universitäten im Osten sei es ein wichtiges politisches Zeichen der Wiedergewinnung ihrer Autonomie und der Wiederanknüpfung an eine alte Tradition gewesen, das Talartragen wieder einzuführen.
Sportinteressierte - insbesondere Fußballfans - dürften mit Schmunzeln den Abschnitt über "Sportkleidung" lesen; weitere Informationen finden sich im Anhang in den "Allgemeinverbindlichen Vorschriften über die Beschaffenheit der Spielkleidung in der Fassung vom 1. Juli 2004" (Deutscher Fußballbund).
Fazit: Eine äußerst amüsante und zugleich lehrreiche Schrift, die nicht nur Juristen, sondern auch interessierten Laien viel Freude bereiten dürfte. Der Rezensent jedenfalls hat das Büchlein in einem Zug durchgelesen und viel Spaß dabei gehabt!

(Prof. Dr. J. Vahle)
DVP - Deutsche Verwaltungspraxis, Fachzeitschrift für die öffentliche Verwaltung,
Nr. 11.2006, 57. Jahrgang, S. 481