Übersicht über die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchivs

Posselt, R.; Rickmers, E.; Verch, K.; Wurche, S. (Bearb.)

Übersicht über die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchivs

Teil III/2: Staatliche Verwaltung, Wirtschaft, Parteien und Organisationen in den Bezirken Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam 1952-1990

Reihe Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band-Nr. 50
Bestell-Nr 0959
ISBN 978-3-8305-0959-2
erschienen 01.01.2006
Format Hardcover
Umfang 784
Gewicht 1339 g
Preis 112,00
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Mit dem zweiten Teil des dritten Bandes wird die 1964 begonnene "Übersicht über die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchivs" vorerst abgeschlossen, womit der Bogen von den ältesten schriftlichen Zeugnissen des 12. Jahrhunderts über die preußische Provinz Brandenburg, die Nachkriegszeit mit ihren tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen bis hin zur politischen Wende des Jahres 1989 gespannt wird. Der Teil III/2 widmet sich der archivalischen Überlieferung aus dem Zeitraum von 1952 bis 1990, also der Zeit von der durch die SED veranlasste Auflösung des Landes Brandenburg bis zu seiner Neugründung im Rahmen der Vereinigung der beiden deutschen Staaten.

In vier großen Abschnitten wird das überlieferte Archivgut der Bezirkstage und Räte der Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus sowie deren nachgeordneter Einrichtungen, der zentral unterstellten Staatsorgane und Einrichtungen auf Bezirks- und Kreisebene, der wirtschaftsleitenden Organe und Betriebe der DDR-Staatswirtschaft und der Bezirks- und Kreisorganisationen von Parteien und gesellschaftlichen Organisationen dargestellt. Einem einheitlichen Muster folgend werden detailliert die Geschichte der jeweiligen Einrichtungen, Betriebe, Organe und Organisationen beschrieben und Angaben zu Geschichte, Umfang und zeitlicher Erstreckung der einzelne Archivbestände dargeboten. Ein Abkürzungsverzeichnis, das numerische und das alphabetische Register, die Auswahlbibliografie, ein Adressenverzeichnis sowie fünf Karten des Landes Brandenburg bzw. der Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus sollen darüber hinaus die Benutzung der Beständeübersicht erleichtern.

Die beschriebene Überlieferung dokumentiert in eindrucksvoller Weise für das Land Brandenburg zwischen Auflösung und Wiederbegründung den Prozess des stalinistischen Machtausbaus der SED, die vermeintliche Stabilisierung ihres Hegemonialanspruchs und letztlich den Zusammenbruch der Einparteienherrschaft in der DDR. Sie bietet damit nicht nur Zeithistorikern, sondern auch vielen privaten Benutzern eine sowohl aus qualitativer als auch aus quantitativer Sicht breite Quellengrundlage.

Rezensionen
Der jüngst erschienene zweite Band des Teiles III der Beständeübersicht gibt den Potsdamer Archivaren gleich zwei Anlässe zum Jubel: Zum einen legen sie damit den Abschlussband der 1964 begonnenen, nun vierbändigen Beständeübersicht (Übersicht über die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Potsdam. Teil I: Behörden und Institutionen in den Territorien Kurmark, Niederlausitz bis 1808/16, Weimar 1964 (= Veröffentlichungen des BLHA, 4), – Teil II: Behörden und Institutionen in der Provinz Brandenburg 1808/16 bis 1945, Weimar 1967 (=Veröffentlichungen des BLHA, 4), – Teil III/1: Behörden und Institutionen in der Provinz Brandenburg/Land Brandenburg 1945 bis 1952 (=Veröffentlichungen des BLHA, 39)) vor, die Quellen in einem Zeitraum von der Gründung der Mark im 12. Jahrhundert bis zur Wiederbegründung des Landes Brandenburg 1990 widerspiegelt. Zum anderen zeugt die Herausgabe des 50. Bandes der von Friedrich Beck begründeten Reihe Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA) von einer beinahe ein halbes Jahrhundert währenden Tradition, die keines der anderen Landesarchive der fünf neuen Bundesländer aufweisen kann. 1949 als zentrales Archiv für das Land Brandenburg gegründet, wurde dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv 1965 der Status eines Staatsarchivs verliehen. Die Zuständigkeit erstreckte sich territorial auf die drei Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus, inhaltlich auf das staatliche Archivgut der Bezirksebene und die Überlieferung der bezirksgeleiteten Wirtschaft – wenn keine Betriebsarchive vorhanden waren. Ab 1976 wurden die Kompetenzen auf zentral geleitete Kombinate und Betriebe sowie nachgeordnete Stellen zentraler Staatsorgane erweitert. Etwa die Hälfte der heute vorhandenen Bestände gelangte jedoch erst im Zuge von Umbildung bzw. Auflösung zahlreicher staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen und Wirtschaftseinrichtungen ab 1990 ins BLHA. Im Gegensatz zu den vorher planmäßig verlaufenden Übernahmen waren in diesen turbulenten Zeiten kaum Bewertungsentscheidungen oder die Anfertigung brauchbarer Findhilfsmittel möglich. Trotzdem das Hauptaugenmerk der Bestandssicherung galt, sind für manche Bereiche wie Verbände Verluste festzustellen. Diese Umstände gestalteten sich für die Erstellung der Beständeübersicht erschwerend.
Bereits Ende der neunziger Jahre, während der Redaktionsarbeiten für den 2001 erschienenen Band des Teiles III (Vgl. dazu die Rezension von Ulrike Kohl im JBLG 54 (2003), S. 270–271), der die Überlieferung der Jahre 1945 bis 1952 umfasste, begannen die Planungen für diesen zweiten Band. Bewusst entschied man sich in Potsdam jedoch gegen die Verlockungen der Herausgabe einer Kurzübersicht mit lediglich summarischen Angaben zu Bestandsbildner, -gliederung und -inhalt.
Und das im Ergebnis nun vorliegende, fundiert gearbeitete Kompendium gibt den Bearbeitern Recht, bietet es doch nützliche Einführungen sowohl in die Geschichte der jeweiligen Einrichtungen und Organisationen als auch in die Bestandsgeschichte – und lehnt sich damit den Vorgängerbänden an. Dem Vorwort des Direktors des BLHA und Herausgebers Klaus Neitmann schließt sich eine Einleitung an, die die vierteilige Gliederung des Bandes und den Aufbau der Bestandsbeschreibungen erläutert. Abweichend von der Tektonik des BLHA werden die Überlieferungen der drei Bezirke wegen ihres gleichen Verwaltungsaufbaus in den vier nach sachlichen Bezügen formierten Abschnitten als gleiche Bestandstypen behandelt und daher hintereinander aufgeführt. Im Abschnitt A Bezirkstage und Räte der Bezirke und nachgeordnete Einrichtungen stellt Eva Rickmers zahlreiche Körperschaften und staatliche Wirtschaftsbetriebe der Gebiete Planung, Wirtschaft und Verkehr – Land- und Forstwirtschaft sowie Umweltschutz – Inneres – Bildung und Kultur – Gesundheitswesen – Erholungswesen vor. Der durch Rosemarie Posselt verfasste Abschnitt B Zentral unterstellte Staatsorgane und Einrichtungen auf Bezirks- und Kreisebene widmet sich den Feldern Bauwesen – Bergaufsicht – Verkehrswesen – Post- und Fernmeldewesen – Wasserwirtschaft – Wissenschaft – Hoch- und Fachschulwesen – Körperkultur und Sport – Polizei – Statistik – Zentrale Kommissionen für staatliche Kontrolle/ABI – Justiz – Finanzen – Archive. Im Abschnitt C Wirtschaftsleitende Organe und Betriebe beschreibt Karin Verch die Überlieferung zahlreicher volkseigener Betriebe und Kombinate folgender Bereiche: Energiewirtschaft – Metallurgische und Chemische Industrie – Elektrotechnik und Elektronik – Schwermaschinen- und Anlagenbau – Fahrzeugbau – Leichtindustrie – Metallbearbeitung und Gerätebau – Glas und Keramische Industrie – Bauwesen – Land- und Forstwirtschaft – Wasserwirtschaft. Im Abschnitt D Parteien, gesellschaftliche Organisationen und Nachlässe bündelt Susanna Wurche drei Teile. Zunächst stellt sie die Überlieferung einzelner Bezirksvorstände der Parteien Demokratische Bauernpartei, Nationaldemokratische Partei Deutschlands und Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, einschließlich einiger Grundorganisationen der SED, vor. Dann führt sie einzelne Bezirks- und Kreisvorstände bzw. –ausschüsse verschiedener Massenorganisationen, Verbände und Vereine an. Abschließend stellt Frau Wurche zehn Nachlässe und Persönliche Bestände vor, darunter die der ehemaligen Professoren der Pädagogischen Hochschule Potsdam Hubert Mohr und Dorothea Goetz und der Gewerkschaftsfunktionäre Kurt Helmut Oppitz, Arthur und Maria Wölk.
Die Beständeübersicht bietet in einem umfangreichen Anhang wegen der von der Tektonik abweichenden Zusammenfassung der Bestände ein numerisches Repositurenregister, ein alphabetisches auch zusammengeführte Einzelbestände anführendes Bestandsregister, des weiteren ein Abkürzungsverzeichnis und eine Auswahlbibliographie (Florian Seher) sowie Karten mit den Gliederungen der drei Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder).
Das Brandenburgische Landeshauptarchiv übergibt damit der Öffentlichkeit einen wichtigen Schlüssel, der zur Orientierung über die Bestände und Vorbereitung eines eventuellen Archivbesuches dienen kann. Für die Potsdamer Einrichtung ist dies sicherlich eines seiner wichtigsten Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit. Dem aufmerksamen Leser werden sich auf so manchen Feldern Überraschungen erschließen, dem entschlossenen Forscher Schätze zur Struktur- und politischen Geschichte, zur Kultur-, Sozial- und Alltagsgeschichte, zur Wirtschaftsgeschichte der DDR. Mit Bedauern ist daher abschließend anzumerken, dass der wohl dem Umfang geschuldete stolze Preis von 112 Euro die Anschaffung dieses Werkes insbesondere durch private Nutzer wohl kaum infrage kommen lässt.
(Ines Oberling)


Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte, Heft 57 (2006), S. 243–245
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