Regesten der Urkunden zur Geschichte der Stadt Berlin 1500 bis 1815

Huch, Gaby (Bearb.)

Regesten der Urkunden zur Geschichte der Stadt Berlin 1500 bis 1815

Reihe Berlin Forschungen der Historischen Kommsission zu Berlin, Band-Nr. 5
unverbindliche Preisempfehlung:
Bestell-Nr 0862
ISBN 978-3-8305-0862-5
erschienen 29.09.2004
Format kartoniert
Umfang 642 S.
Gewicht 1090 g
Preis 50,00
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Den Quellen zur Geschichte der Stadt Berlin ist über die Jahrhunderte hinweg nicht die gebührende Aufmerksamkeit zuteil geworden, die sie beanspruchen dürften, handelt es sich doch um die historische Überlieferung der brandenburgisch-preußischen Hauptresidenz und damit um die geschichtlichen Zeugnisse eines der bedeutenden zentralen Orte in Deutschland. Wie anderenorts sind auch hier zahlreiche Verluste zu beklagen. Aber anders als in vielen bedeutenden Kommunen, so zum Beispiel in den Freien Reichsstädten und den großen Hansestädten, ist die Überlieferung der Quellen in Berlin nicht ausreichend gepflegt worden. Darüber legt die Einleitung der Bearbeiterin zu ihrer Regestensammlung beredtes Zeugnis ab. Außerdem war das, was durch Verlagerung und Zerstörung in den kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte übrig blieb, nicht allgemein zugänglich und blieb zu großen Teilen der Forschung sowie der interessierten Öffentlichkeit vorenthalten.
Als nach der Vereinigung beider deutscher Staaten 1990 und der daraus resultierenden Wiedervereinigung der Stadt Berlin sich endlich die Möglichkeit eröffnete, die erhaltenen und in vielen Archiven und Bibliotheken verstreut lagernden Bestände zu sichten, initiierte die Historische Kommission zu Berlin ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, zunächst die Urkunden zur Geschichte der Stadt in Regestenform zu veröffentlichen. Gedacht war und ist an eine Sammlung der Urkundenregesten für das Mittelalter und für die Frühe Neuzeit. Es hat sich so gefügt, daß zunächst die Zeit von 1500 bis 1815 bearbeitet werden konnte.
Rezensionen
Die Stadt Berlin hat sich früher verhältnismäßig schlecht um ihre historische Überlieferung gekümmert. Das Stadtarchiv litt bis in das 20. Jahrhundert unter erheblicher Raumnot, war aber auch personell nicht ausreichend besetzt. Beträchtlich sind daher die Quellenverluste, gefördert durch unsachgemäße Kassationen, durch die Verlagerung im 2. Weltkrieg und die anschließende Spaltung unserer Stadt. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands, und damit auch der Stadt Berlin, konnten die Archive in Ost- und Westberlin, d. h. das alte Stadtarchiv und das Landesarchiv Berlin, zusammengeführt werden. Das Landesarchiv besitzt jetzt ein stattliches Archivgebäude mit dem benötigten Fachpersonal. Somit stand der Bearbeiterin die erforderliche Grundlage zur Verfügung, die sie unter Einbeziehung anderer Einrichtungen, wie etwa der bezirklichen Heimatmuseen und -archive, des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz und des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Potsdam, sinnvoll erweiterte. Dennoch muss Frau Huch im Vorwort einräumen, daß die Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. So wurden beispielsweise bewußt die "literarischen Quellen" in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek PK nicht einbezogen.
In einer umfänglichen Einleitung schildert die Bearbeiterin die ältere Geschichtsschreibung in Berlin-Brandenburg, beeinflußt durch die Entwicklung zur Haupt- und Residenzstadt Preußens und schließlich des Deutschen Reiches. Ihre negativ gefärbte Äußerung, daß im 19. Jh. "noch viele Jahre eine kleine Gruppe von Archivaren, Ministerialbeamten, Juristen und Professoren, die haupt- oder nebenberuflich die Geschichte Berlins und der Mark Brandenburg schrieben", vermag ich nicht zu teilen, denn gerade diese Kreise waren fachlich und beruflich dazu befähigt. Sie konnten durch ihre publizistische Tätigkeit und durch Vorträge ein allgemeineres Geschichtsbewusstsein wecken und fördern. Der Verein für Geschichte der Mark Brandenburg (gegründet 1837) und der Verein für die Geschichte Berlins (gegründet 1865) wirkten hier segensreich, wie Huch mit Recht hervorhebt. Die mehr als 40 Bände umfassende Urkundensammlung Riedels und das von Fidicin erarbeitete Berlinische Urkundenbuch schufen trotz mancher Mängel die Grundlage für zahlreiche Publikationen zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte Berlins und der Mark. Wenn sie auf das Regestenwerk von Krabbo-Winter über die Askanier verweist und mit Recht ein Fehlen für die Wittelsbacher Zeit betont, dann hätte hier in einer Fußnote sehr wohl auf die entsprechende Bearbeitung der Wittelsbacher Regesten durch mich hingewiesen werden können. Damit würde zum Teil die Lücke überbrückt zu der von ihr bearbeiteten Zeit, die 1500 einsetzt.
In einem weiteren Abschnitt behandelt Huch die Urkundensammlungen zur Geschichte Brandenburgs und der Stadt Berlin. Wenn sie im nachreformatorischen Brandenburg vor allem "Laienhistoriker und ...Theologen", also Lehrer und Pfarrer, als Geschichtsschreiber benennt und "Absolventen eines spezifischen Geschichtsstudiums selten" nennt, ist das wissenschaftsgeschichtlich recht unbekümmert, denn ein solches Studienfach gab es an der Viadrina noch nicht. Eingehend schildert sie die Persönlichkeiten und ihre Werke, die der berlinisch-brandenburgischen Geschichte gewidmet waren.
In einem dritten Abschnitt befasst sich Huch mit der Überlieferung der Urkunden des Berliner Stadtarchivs. Sie verfolgt die Spuren der einst wohl reichen Überlieferung, deren nachlässige Pflege und Behandlung und den daraus resultierenden Quellenverlusten. Dennoch kann Huch für ihr Regestenwerk 2.196 Urkunden auswerten, deren Herkunft und Lagerungsort eingehend genannt werden. Gleichzeitig setzt sie sich mit der Definition des Urkundenbegriffs auseinander. Hinsichtlich der Gestaltung der Regesten beruft sie sich auf Formulierungen Rudolf Lehmanns, dass "ein Inventar keine Urkundenedition" ist, sondern dem Forscher einen Überblick verschaffen soll, welches Material wo vorhanden und evt. gedruckt ist. Somit haben wir es hier mit Kurzregesten zu tun, die Ort und Datum der Ausstellung, Namen der Aussteller und Empfänger, kurze Inhaltsangabe, Aufbewahrungsort, Archivsignatur, nachgewiesene Drucke bzw. Verzeichnisse bieten. Verzichtet wurde auf Angaben zur Überlieferungsform, Beschreibungen sowie erläuternde Anmerkungen. Urkunden mit unvollständiger bzw. unklarer Datierung wurden vorangestellt. Dankbar wird der Benutzer es begrüßen, dass die Bearbeiterin alle Datierungen überprüft hat, denn in der Tat finden sich in früheren Publikationen zahlreiche z.T. schwerwiegende Fehler. Leider wird die originale Datierung nicht angegeben. Der eigentliche Regestenteil beginnt S. 55 mit dem "um 1500" datierten Vertrag über den Bau eines neuen Turms für die Nikolaikirche zu Berlin. Hieran schließt sich die am 5. April 1500 erfolgte Belehnung des Cöllner Bürgers Peter Platze durch Kurfürst Joachim I. und Markgraf Albrecht mit "Heideland zwischen dem Rabenstein und der Woltersdorfer Feldmark" an, die sich in der Dokumentensammlung der Stiftung Stadtmuseum befindet. Als letzte Urkunde erscheint S. 556 der am 1. November 1817 in Berlin ausgestellte Lehrbrief der Kaufmannschaft für Carl August Schulze, der sich ebenfalls im Besitz der Stiftung Stadtmuseum befindet.
Es folgen ein Quellen- und Literaturverzeichnis (bis S. 574), ein Abkürzungs- und Siglenverzeichnis (S. 575-585) und ein Register, untergliedert in Ortsregister (587-596) und Personenregister (596-642). Dem jeweiligen Ortsnamen wird in Klammern die heutige Kreis- und Länderzugehörigkeit beigefügt.
Insgesamt gesehen hat die Verfasserin ein voluminöses Werk vorgelegt, das der Forschung neue Quellen und Möglichkeiten eröffnet. Sie hat damit eine schwierige Aufgabe vorzüglich gelöst, wofür wir ihr Respekt und Dank schuldig sind.

(Werner Vogel)

Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte, Band 58, 2007, S. 228-229
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