Wirtschaft und Kulturlandschaft

Schich, Winfried

Wirtschaft und Kulturlandschaft

Gesammelte Beiträge 1977 bis 1999 zur Geschichte der Zisterzienser und der "Germania Slavica"

Reihe Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Band-Nr. 12
Bestell-Nr 0378
ISBN 978-3-8305-0378-1
erschienen 01.03.2007
Format Hardcover
Umfang 467
Gewicht 876 g
Preis 69,00
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Die Geschichte der Zisterzienser und die Siedlungsentwicklung in der Germania Slavica während des Mittelalters sind zwei zentrale Forschungsschwerpunkte von Winfried Schich. Der vorliegende Band vereint erstmals wichtige in verschiedenen, z.T. schwer zugänglichen, in- und ausländischen Publikationen erschienene Beiträge des Verfassers zu diesen Themen. Im Mittelpunkt der Beiträge zur Geschichte der Zisterzienser stehen die Klosterwirtschaft und der Beitrag der Klöster zur Gestaltung der Kulturlandschaft. Eingeleitet werden sie durch die Veröffentlichung einer frühen Fassung der grundlegenden Ordenstexte (Exordium Cistercii, Summa Cartae Caritatis et Capitula). Es folgen Untersuchungen über den Einstieg der Zisterzienser in den Handel im 12. Jahrhundert, über die topographische Lage und Funktion der Stadthöfe, über das Wirken der Zisterzienser im östlichen Mitteleuropa im 12. und 13. Jahrhundert allgemein und zwischen Elbe und Oder im Besonderen und schließlich über die Bedeutung der Wasserversorgung für die Klosteranlagen. Der zweite Teil enthält Studien zur ländlichen und städtischen Siedlung innerhalb der Germania Slavica, d.h. des historischen östlichen Deutschlands mit seiner auch slawischen Vergangenheit. Dazu gehören Untersuchungen zum Verhältnis von slawischer und deutscher Siedlung sowie zur Ausbildung der hochmittelalterlichen Bürgerstadt in der Mark Brandenburg und den Nachbarterritorien. Weitere Studien behandeln einzelne Elemente der Stadt wie die "Marktkirche", das Verhältnis von Burg und Stadt, die Größe der städtischen Parzelle und den Ausschluss der Slawen (Wenden) aus den Zünften im späten Mittelalter. Schließlich widmet sich eine Studie der Ausbildung der linearen "Grenze" und der Übernahme des aus dem Slawischen stammenden Wortes im Mittelalter. Nachträge zu den einzelnen Beiträgen zeigen den Fortgang der Forschung.

Im Buch sind 34 s/w Abbildungen und 1 Tabelle.
Rezensionen
Der Berliner Mediävist und Landeshistoriker Winfried Schich hat sich zwar mit einer bis heute bahnbrechenden Dissertation über die mainfränkische Bischofsstadt Würzburg im Mittelalter (Köln/Wien 1977) frühzeitig einen Namen gemacht, seine maßgebliche wissenschaftliche Prägung hat er aber in den 1970er-Jahren am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin durch die dort betriebenen Forschungsschwerpunkte zur Geschichte des Zisterzienserordens und vor allem zur Geschichte der deutsch-slawischen Kontaktzone ("Germania Slavica") erhalten. Forschungskonzept und Ergebnisse der interdisziplinären Arbeitsgruppe "Germania Sacra", die dort Wolfgang H. Fritze begründet hatte, sind erst vor wenigen Jahren von Schich selbst gewürdigt worden, worauf hier hinzuweisen ist, weil dieser Beitrag in der vorliegenden Aufsatzsammlung fehlt (Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 48, 2002, S. 269–297).
Nach Promotion und Habilitation an der FU Berlin hat Schich zunächst von 1982 bis 1992 auf dem Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte an der Gesamthochschule Kassel gewirkt, erhielt 1992 aber einen Ruf auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Landesgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin, den er bis zu seiner Pensionierung 2003 innehatte. Anlässlich seines 70. Geburtstages haben zwei frühere Mitarbeiter von Winfried Schich nun eine Auswahl von 20 Aufsätzen aus den Jahren 1984 bis 1999 herausgebracht. Da die Beiträge zum Teil in Festschriften und Sammelbänden erschienen sind, die nicht in allen wichtigen deutschen Bibliotheken greifbar sind, ist über die Zweckmäßigkeit dieser Sammlung schon Wesentliches gesagt. Hinzu kommt aber noch das inhaltliche Argument, dass der vorliegende Wiederabdruck die Arbeitsschwerpunkte und Erkenntnis leitenden Fragestellungen von Winfried Schich kaum weniger deutlich als eine Monographie zum Tragen bringt.
Im Vorwort betonen die Herausgeber: "Im Sinne von Rudolf Kötzschke und Walter Schlesinger richtete er landeshistorisches Forschen nicht in erster Linie auf die Untersuchung von Details historischer Besonderheiten eines vorgegebenen Raumes, sondern entfaltete mit der Konzeptionalisierung von Landesgeschichte als 'Geschichte historischer Kulturlandschaften' einen Entwurf, der Menschen in ihrer (Um)Welt verstehen will, jeweils gebunden an ihr religiöses und kulturelles Herkommen" (S. 5). Schich betreibt dabei, wie weiter zu betonen ist, Landesgeschichte in ihrer ganzen methodischen Breite, indem die souveräne Interpretation der Schriftquellen mit den Ergebnissen der Nachbardisziplinen verknüpft wird, sei es nun die Sprachgeschichte (unter Einschluss der "Slavica"!), der Archäologie, die Bau- und Kunstgeschichte, der Kulturgeographie oder der historischen Kartographie. Belege bieten die Beiträge des vorliegenden Bandes in reichem Maße.
"Studien zur Geschichte der Zisterzienser" ist die erste Gruppe von acht Aufsätzen überschrieben: "Exordium Cistercii, Summa Cartae Caritatis et Capitula" in einer Handschrift in der Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel (S. 13–31, Erstdruck 1984).
– Zum Problem des Einstiegs der Zisterzienser in den Handel im 12. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Ordensstatutes "De nundinis" (S. 33–53, 1987).
– Der frühe zisterziensische Handel und die Stadthöfe der fränkischen Zisterzienser (S. 55–80, 1990).
– Zum Wirken der Zisterzienser im östlichen Mitteleuropa im 12. und 13. Jahrhundert (S. 81–103, 1994).
– Das schlesische Kloster Leubus und die Gründung von Müncheberg und Münchehofe an der Westgrenze des Landes Lebus im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts (S. 105–125, 1999).
– Topographische Lage und Funktion zisterziensischer Stadthöfe im Mittelalter (S. 127–142,1996).
– Grangien und Stadthöfe der Zisterzienserklöster im Raum östlich der mittleren Elbe bis zum 14. Jahrhundert (S. 143–172, 1998).
– Klosteranlage und Wasserversorgung bei den Zisterziensern (S. 173–190, 1999).
Die zweite, deutlich umfangreichere Themengruppe umfasst Beiträge über "Siedlung und Wirtschaft im Bereich der 'Germania Sacra'": Zum Verhältnis von slawischer und hochmittelalterlicher Siedlung in den brandenburgischen Landschaften Zauche und Teltow (S. 193–222, 1977).
– Die slawische Burgstadt und die frühe Ausbreitung des Magdeburger Rechts ostwärts der mittleren Elbe (S. 223–261, 1980).
– Die pommersche Frühstadt im 11. und frühen 12. Jahrhundert am Beispiel von Kolberg (Kolobrzeg) (S. 263–296, 1998).
– Die Herausbildung der mittelalterlichen Stadt in der Mark Brandenburg. Der Wandel der Topographie, Wirtschaft und Verfassung im 12./13. Jahrhundert (S. 297–326, 1987).
– Anfänge und Ausbau zweier "Hauptstädte" der mittelalterlichen Mark Brandenburg: Brandenburg und Berlin (S. 327-342,1989).
– Die Gründung von deutschrechtlichen Marktorten und Städten östlich der Elbe im 12. und 13. Jahrhundert (S. 343-358,1996).
– Ecclesia forensis im 12. Jahrhundert. Die "ecclesia forensis" in Pasewalk – Markt- oder Sendkirche? (S. 359–378, 1997).
– Zur Größe der "area" in den Gründungsstädten im östlichen Mitteleuropa nach den Aussagen der schriftlichen Quellen (S. 379–406, 1993).
– Zum Ausschluß der Wenden aus den Zünften nord- und ostdeutscher Städte im späten Mittelalter (S. 407–426, 1994).
– Die "Grenze" im östlichen Mitteleuropa im hohen Mittelalter (S. 427–437, 1991).
– Landsberg – Burg oder Stadt. Siedlungsgeschichtliche Bemerkungen zu einem in Mitteleuropa verbreiteten Ortsnamen (S. 439–448, 1997).
Diese Aufsatzfolge hätte sich allerdings zwanglos zweiteilen lassen in eine Gruppe eher siedlungsgeschichtlicher und eine Gruppe eher stadtgeschichtlicher Beiträge, womit dann auch die Verdienste Winfried Schichs um die Erforschung der mittelalterlichen Stadtgeschichte (wohlgemerkt, nicht nur in der "Germania Slavica", siehe oben) deutlicher herausgestrichen worden wären. Aber dem Fachmann und Kollegen ist das ohnehin bekannt.
Alle Aufsätze sind für den Wiederabdruck neu gesetzt und durch Register der Personen und Orte inhaltlich erschlossen worden. Die Herausgeber haben die Beiträge offenkundig sorgfältig redigiert und auch für eine qualitativ ordentliche Bebilderung gesorgt. Als letzte Abrundung des Bandes wäre die Beigabe eines Schriftenverzeichnisses des Jubilars sinnvoll gewesen, das nach meiner Zählung über hundert Bücher und Aufsätze umfasst.
Der vorliegende Band bietet notgedrungen also nur einen Ausschnitt des Oeuvres von Winfried Schich, freilich einen insgesamt repräsentativen und aussagekräftigen. Vor allem aber: die neuerliche Lektüre der hier versammelten älteren und jüngeren Aufsätze Winfried Schichs bietet vielfältige Anregungen für künftige Forschungen, gerade auch in Sachsen, wo trotz einer langen siedlungsgeschichtlichen Forschungstradition neuere Arbeiten über die Bedeutung der Klöster für die Kulturlandschaftsentwicklung und über den Wandel der "Germania slavica" noch kaum vorliegen.

(Enno Bünz, Leipzig)

Neues Archiv für sächsische Geschichte 79 (2008), S. 290-292
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