Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark

Gahlbeck, Christian

Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark

Reihe Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band-Nr. 47
unverbindliche Preisempfehlung:
Bestell-Nr 0291
ISBN 978-3-8305-0291-3
erschienen 01.01.2002
Format Hardcover
Umfang 1281
Gewicht 1605 g
Preis 60,00
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Zwischen 1270 und 1370 wurden von den Markgrafen von Brandenburg in der Neumark östlich der Oder die Zisterzienserklöster Marienwalde (heute polnisch: Bierzwnik) und Himmelstädt (Mironice) sowie die Zisterzienserinnenklöster Zehden (Cedynia), Bernstein (Pelczyce) und Reetz (Recz) gegründet, die bis zu ihrer Säkularisation in der Mitte des 16. Jahrhunderts bestanden. Aber bereits seit 1233, noch in vorbrandenburgischer Zeit, wurden im Rahmen des Wettlaufs um die Herrschaft im Raum zwischen Oder und Drage von den Herzögen Großpolens, Schlesiens und Pommerns Zisterzienser und Zisterzienserinnen ins Land gerufen und mit Aufgaben der Besiedlung und des Landesausbaus betraut. In der vorliegenden Untersuchung wird erstmals die Geschichte der Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark, ihrer fünf Männer- und Frauenklöster und der Besitzungen und Aktivitäten auswärtiger Ordensniederlassungen im Oder-Drage-Raum in einer umfassenden Monographie dargestellt. Ihr zentrales Anliegen ist es, die Bedeutung und Rolle der Mönche und Nonnen des Zisterzienserordens in drei Teilgebieten der Landesgeschichte zu bestimmen: zum einen ihre Rolle als Gegenstand und als Teilnehmer des "politischen Kräftespiels" um den Besitz der Neumark im 13. und frühen 14. Jahrhundert, zum anderen ihre Bedeutung als Träger von Siedlung und Landesausbau und schließlich ihre Position als Gegenüber in der landesherrlichen Kirchen- und Klosterpolitik des 14. bis 16. Jahrhunderts. Berücksichtigt werden dabei zahlreiche Fragen und Probleme der allgemeinen politischen Geschichte, der Ordens- und Kirchengeschichte sowie der Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neumark, einer spezifischen Teillandschaft der "Germania Slavica".
Die Arbeit wurde im Jahr 2000 von der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat mit dem 1. Wissenschaftspreis ausgezeichnet.
Rezensionen
Mit der preisgekrönten Dissertation liegt erstmals eine umfassende Darstellung der Geschichte der fünf Zisterzienser- und Zisterzienserinnenklöster der Neumark (terra transoderana, Gebiet östlich der Oder, Mark Brandenburg) auf hohem Niveau vor. Es sind dies, um mit der bedeutendsten Zisterze zu beginnen, Marienwalde (Beginn 1280, Aufhebung 1539), dann Himmelstädt (1300-1539), die Frauenklöster Zehden (1278-1555), Bernstein (1290-1558/1571) und Reetz (1295-1552). Die Arbeit, die damit den Zeitrahmen von 1233 bis 1571 umfasst, bewegt sich schwerpunktmäßig im Bereich der zisterziensischen Ordensgeschichte sowie der Landesgeschichte der Neumark (politisch, wirtschaftlich, kulturell). Spiritualität, klösterliches Alltagsleben, innere Organisation der Klöster, Einbindung in den Gesamtorden, Umsetzung und Einhaltung der Ordensregeln u.a. bleiben ausgeklammert. Als Beitrag zur Siedlungs- und kirchenpolitischen Geschichte der Neumark zielt die Studie darauf, die Bedeutung der genannten Klöster in dieser Geschichte zu bestimmen (vgl. 10f). Der Stoff ist in acht Hauptabschnitte und einen Anhang (Tabellen, Karten, Quellen- und Literaturangaben usw.) gegliedert:
1. Aufgabenstellung, Forschungsstand und Quellenlage (1-93); 2. Grundzüge der politischen Entwicklung im Raum zwischen Oder und Drage während des 13. und frühen 14. Jahrhunderts (95-123); 3. Die Entwicklung des Besitzstandes auswärtiger Zisterzen im Raum zwischen Oder und Drage (125-185); Kap. 4 und 5 bilden die Mitte des Werkes: 4. Geschichte der neumärkischen Zisterzienser- und Zisterzienserinnenklöster (187-483) und 5. Der Anteil der Zisterzienser und Zisterzienserinnen an Landesausbau und Ostsiedlung in der Neumark (485-675); 6. Die Wirtschaftstätigkeit der Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark (677-746); 7. Das Verhältnis zu den Landesherren (747—929); 8. Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der politischen Geschichte der Neumark (931-999). Ein herausragender Beitrag zur Geschichte des Zisterzienserordens und nicht zuletzt – aufgrund der in einem ganz außerordentlichen Umfang erfolgten Auswertung polnischer Fachliteratur – zum dt.-poln. wissenschaftlichen Dialog.

(B.M.)

Archiv für Literaturwissenschaft, Heft 3/2006, S. 388
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