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Pro Universitate


 NEWSLETTER vom 16.07.2010

Sehr geehrte Leserinnen und Leser !

Im Feuilleton des Tagesspiegels vom 15. Juli 2010 wurde eine Rede von Christopher Young abgedruckt, die auf einer Berliner Tagung über "Möglichkeiten und Grenzen der Philologie" der FU Berlin und der Universitäten Cambridge, Chicago und Johns Hopkins gehalten wurde.

Unter der Überschrift "Professoren, schreibt mehr Bücher!" beklagt sich der Autor darüber, dass die deutschen Geisteswissenschaftler international kaum wahrgenommen werden, weil sie im Gegensatz zur angloamerikanischen Gelehrtenwelt ihre wissenschaftliche Anerkennung nicht von der Häufigkeit der Publikationen ableiten.
Ich muss dieser Ansicht, die vielleicht für die Mediävistik, die der Autor vertritt, zutrifft, energisch widersprechen. Meine Erfahrung aus 40-jähriger Verlegertätigkeit auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften ist eine andere:

Selten ruht sich ein deutscher Geisteswissenschaftler nach einem Ruf auf einen Lehrstuhl darauf aus, dass er mit seiner Habilitation den Beleg für seine wissenschaftliche Tätigkeit erbracht hat. In regelmäßigem Turnus veröffentlicht er nicht nur Sammelbände und Tagungsberichte, sondern auch Monographien und ist es gewohnt, sein Forschungsgebiet laufend mit Publikationen zu begleiten.

Ein schönes Beispiel ist die kürzlich bei uns erschienene Monographie von Peter-Alexis Albrecht "Der Weg in die Sicherheitsgesellschaft", in der es dem Autor gelungen ist, die Etappen seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit den jeweils im Umfeld entstandenen Publikationen zu verbinden.

Der bekannte Journalist Rolf Lamprecht, Ehrenvorsitzender der Justizpressekonferenz in Karlsruhe, hat in der Süddeutschen Zeitung auf dieses gelungene Werk hingewiesen. Es demonstriert auf eindrucksvolle Weise die gegenseitige Befruchtung von Forschung und Lehre, wie sie in den deutschen geisteswissenschaftlichen Fakultäten an der Tagesordnung ist.

Die in jüngster Zeit wieder aufkommende Kritik an den deutschen Hochschullehrern geht hingegen nicht davon aus, dass zu wenig Forschung betrieben würde, sondern vielmehr dass die Lehre einen zu geringen Stellenwert an den Universitäten einnimmt. Die Unsicherheit, die sich aus diesen chaotischen Wortmeldungen im Rahmen des Bologna-Prozesses ergibt, führt zu nichts. Im internationalen Vergleich stehen die deutschen Hochschulen noch immer an vorderster Stelle. Auch die deutsche Sprache als Wissenschaftssprache hat international noch einen hohen Rang. Das Einzige, was uns fehlt, ist ein bisschen mehr an Selbstbewusstsein. Der Verzicht auf die deutsche Sprache im wissenschaftlichen Kommunikationsprozess führt auf lange Sicht zu Oberflächlichkeit und trägt nicht zu einer breiteren Wahrnehmung in der internationalen Forschergemeinschaft bei.

Dagegen ist der Versuch der deutschen Wissenschaftspolitik, eine größere internationale Resonanz durch ein Übersetzungsprogramm ins Englische zu vermitteln, ein richtiger Ansatz. Konsequenterweise sollte - was ja heute bereits mit guten Computerprogrammen technisch zu bewältigen ist - jede Veröffentlichung eines deutschen Wissenschaftlers auch gleichzeitig in einer englischen Übersetzung zugänglich sein. Die Differenzierung zwischen Printausgabe - also Buch oder Zeitschriftenaufsatz - und elektronischer Publikation - also e-book oder e-journal - lässt ein solches "hybrides" Veröffentlichungsprogramm problemlos zu.

Die deutschen wissenschaftlichen Verleger sind geeignete Partner in diesem Kommunikationsprozess. Man sollte Ihnen durch "Open Access"-Modelle und ähnliche Sozialisierungsbestrebungen des geistigen Eigentums nicht das Geschäftsfeld nehmen, auf dem sie durch qualifizierte Programmauswahl, inhaltliche und formale Textaufbereitung und transparente Strukturierung der Vielfalt der Publikationen ihren Autoren unverzichtbare Dienste erweisen.

http://sz-shop.sueddeutsche.de/mediathek/shop/Produktdetails/Buch+Der_Weg_in_die_Sicherheitsgesellschaft+Peter-Alexis_Albrecht/5725749.do?ext

Dr. Volker Schwarz

Albrecht, Peter-Alexis
Der Weg in die Sicherheitsgesellschaft
Auf der Suche nach staatskritischen Absolutheitsregeln
2010, 1062 S., 49 s/w Abb., geb. m. SU, 79,- Euro, 978-3-8305-1725-2

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Albrecht, Peter-Alexis
Der Weg in die Sicherheitsgesellschaft
Auf der Suche nach staatskritischen Absolutheitsregeln
Studienausgabe inkl. CD-ROM
2010, 263 S., 49 s/w Abb., engl. Broschur, 24,- Euro, 978-3-8305-1763-4

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